.Bücher
zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
„Weltherrschaft des Islam“ ist kein definierter theologischer
Terminus im
Islam.
In der
islamischen, insbesondere der
schiitischen Lehre, geht es primär um göttliche
Gerechtigkeit und
Rechtleitung [huda], nicht um ein politisches
Eroberungsprogramm.
In der eschatologische Dimension wird die Rolle des
Imam
Mahdi (a.) eine bedeutsame Rolle.
Imam
Mahdi (a.) lebt nach
schiitischer Lesart in der
Verborgenheit. Am Ende der Zeiten wird er erscheinen und
Gerechtigkeit auf der ganzen Welt herstellen. Die
Überlieferungen [hadith] sprechen davon, dass er „die
Erde mit Gerechtigkeit erfüllt, nachdem sie mit Unrecht
gefüllt war“. Diese „universale Herrschaft“ ist
eschatologisch, also an das göttliche Eingreifen gebunden. Sie
ist kein Auftrag an gewöhnliche
Muslime, aktiv eine globale politische Dominanz
herzustellen.
Kriegerische Auseinandersetzungen werden im
Islam
klassisch unterschieden in defensive Kriege und offensive
Kriege.
Der defensive Einsatz zur Verteidigung gegen einen Angriff
gilt als erlaubt bzw. verpflichtend, wenn eine Gemeinschaft
angegriffen wird. Hierfür ist nach vorherrschender Meinung
keine ausdrückliche Anordnung des verborgenen
Imam
Mahdi (a.) (bei
Schiiten) oder des
Kalifen
(bei
Sunniten) nötig.
Anders sieht es beim offensiven Einsatz aus. Eine Expansion
oderein Angriff ohne vorherigen gegnerischen Angriff ist in
der klassischen
schiitischen Lehre nur legitim unter der direkten Führung
eines rechtmäßigen, anwesenden der
Zwölf Imame (a.).
Da der
12.
Imam als einziger Überlebender der
Zwölf Imame (a.) in
Verborgenheit ist, ist diese Form derzeit nicht legitim
durchführbar. Selbst die Anhänger der
Statthalterschaft des Rechtsgelehrten [wilayat-ul-faqih]
kommen zu keinem anderen Schluss. So hat die
Islamische Republik Iran seit ihrer Gründung noch nie
jemanden angegriffen, wurde aber mehrfach dazu genötigt, sich
militärisch zu verteidigen.
Bei
Sunniten durfte ein offensiver Befehl nur vom amtierenden
und von der Mehrheit der
Muslime anerkannten
Kalifen
erfolgen. Seit dem Zusammenbruch des
Osmanischen Reichs hat niemand mehr jene Autorität
erlangt. Versuche einiger
sunnitischer Gruppen nach dem Erfolg der
Islamischen Revolution,
Imam
Chomeini zu überreden das
Kalifat
auszurufen, hat er abgelehnt mit dem Hinweis, dass nur der
fehlerfreie
Imam
Mahdi (a.) dazu berechtigt sei.
Aber selbst
Imam
Mahdi (a.), der
Gerechtigkeit auf Erden etablieren wird, wird niemanden
zum
Islam zwingen, da die zentrale Formel des
Heiligen Quran „Kein Zwang im Glauben“ (2:256) auch dann
gültig bleiben wird.
Das Streben der Weltherrschaft des Islam ist allerdings ein
Vorwurf der
Westliche Welt gegen den
Islam,
um weltweit offensive Maßnahmen gegen den
Islam
und die
Muslime zu rechtfertigen.
In einem Plakat aus der Zeit von
Imam
Chomeini steht die Inschrift: Imam Chomeini (Gottes
Gnade sei mit ihm): „Ich sage mit Kühnheit (mit Nachdruck):
„Der Islam wird die Schlüsselstellungen der Welt erlangen“.“
(Siehe Bild).
