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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Turgut Zaim war ein türkischer Maler, der als einer der
wichtigsten Vertreter einer „regional/folklorisch“
orientierten Moderne in der frühen Republikzeit gilt.
Er wurde besonders bekannt durch Darstellungen des
anatolischen Alltags, vor allem von Yörük- und
Avşar-Gemeinschaften, sowie durch eine Bildsprache, die
moderne Malerei mit Anleihen aus Miniatur, Ornament und
traditioneller türkischer Kunst verbindet.
Er ist am 5. August 1906 in
Istanbul geboren. Seine Schulbildung erfolgte am
französischen Saint-Joseph in Kadıköy (asiatische Seite von
Istanbul).
Ab 1923 studierte er an der Sanayi-i Nefise und der Devlet
Güzel Sanatlar Akademisi. Die praktische Ausbildung erhielt er
unter anderem in der Werkstatt von
Ibrahim Tschalli (İbrahim Çallı).
Bereits in dieser Phase fällt auf, dass Zaim sich bewusst
von einer rein westlich-akademischen Linie absetzt und
intensiv traditionelle türkische Künste sowie auch
ostasiatische Bildauffassungen studiert. Nach der Akademie
ging er kurz nach Paris, um sich künstlerisch zu vertiefen,
und kehrte anschließend in die
Türkei zurück. Nach der Rückkehr arbeitete Zaim als
Kunst-/Zeichenlehrer und zeitweise auch als
Dekorateur/Set-Designer im Umfeld der Devlet Tiyatroları
(Staatstheater).
Er verlagerte seinen Lebensmittelpunkt früh nach
Ankara (in Biografien ist ab den 1930er Jahren die
Ankara-Phase zentral), was für seine Themenwahl – anatolische
Motive, ländliche Lebensformen, „neue Hauptstadt“ und
Republikmilieu – prägend wurde. Zaim war kein „naiver
Folkloremaler“, sondern ein Künstler, der in der modernen
Ausstellungsöffentlichkeit stand – nur mit einer bewusst
anderen ikonografischen Agenda.
Die Fachliteratur betont, dass Zaim von Beginn an stark von
der Miniaturkunst beeinflusst war. Das zeigt sich in flächiger
Organisation, klaren Konturen, serieller Motivwiederholung
sowie in dekorativen Elementen, ohne dass er in eine reine
„Traditionskopie“ zurückfällt. Er arbeitete nicht nur in Öl,
sondern schuf auch Druckgrafik (z. B. Linol-/Zinkdruck) und
war im Bereich Buch-/Zeitschriftenillustration und Gestaltung
tätig – ein Feld, das in Studien zu seinen
Dekorationen/Illustrationen ausführlicher behandelt wird. In
der Forschung wird Zaim häufig als ein Künstler beschrieben,
dessen Persönlichkeit und Themenwahl besonders gut zu den Yurt
Gezileri (staatlich/halb-staatlich geförderte „Heimatreisen“
von Künstlern) passten. Er lernte anatolische Lebenswelten
dadurch noch unmittelbarer kennen und bildnerisch zu
verdichten.
Zaim erhielt bei den Devlet Resim ve Heykel Sergileri
(Staatliche Malerei- und Skulpturausstellungen) unter anderem
zweite Preise (1957) und erste Preise (1958).
Er starb am 9. Mai 1974 in
Ankara.
Sein Gemälde „Yörük-Nomaden auf der Sommerweide“
(Yaylada Yörükler) befindet sich im
Staatlichen Kunst- und Skulpturenmuseum Ankara (siehe
Foto).

Foto Y.Özoguz (2104 n.Chr.)