Al-Mizan - Auslegung des
Qur’an
Überlieferungen
Von Imam ar-Rida (a.) wird folgende
Erklärung der göttlichen Worte überliefert: „’Im Namen
Allahs’: Das bedeutet: ‚Ich markiere meine Seele mit einem der
Stempel von Allah, und es ist Gottesanbetung.’ Daraufhin wurde
er gefragt: „Was ist dieser Stempel?“ Und er sagte: ‚Es ist
Seine Brandmarkung’“ ('Uyūn-ul-Achbār und
Ma´ān-il-Achbār)
Der Autor sagt:
Diese Bedeutung geht auch aus der Erklärung hervor, die zuvor
bereits gegeben wurde, wonach die Präposition “bi“ (im)
einen Beginn konnotiert. In jenem Maße, in dem der Diener
seine Anbetung durch den Namen Allahs kennzeichnet, brandmarkt
er also auch seine Seele – als aufrichtiger Anbetender – mit
einem, der göttlichen Abdrücke.
Von Imam aṣ-Ṣadiq
(a.) wird im at-Tahdhib und von Imam ar-Rida
(a.) im 'Uyūn-ul-Achbār, sowie im Tafsir von
al-Ayyaschi berichtet, dass jener Vers „den größten
Namen Allahs näher ist, als die Iris dem Weißen des Auges.“
Der Autor sagt: Diese
Überlieferung soll an jener Stelle noch näher erläutert
werden, an der die schönsten Namen Allahs behandelt werden.
Amīr-ul-Mu´minīn
(a.) sagte, dass es sich hierbei um einen Vers des
Kapitels “die Eröffnende“ handelt, und dass der Gesandte
Allahs diesen oft rezitierte und ihn zu den Versen dieses
Kapitels zählte, wenn er sagte: „Die Eröffnende des Buches
sind die sieben oft wiederholten Verse“ ('Uyūn-ul-Achbār)
Der Autor sagt: Über diese Angelegenheit
wurde auch von sunnitischen Autoren berichtet. Ad-Dār-quṭnī
berichtet von folgender Überlieferung von Abū Hurayrah:
„Der Gesandte Allahs sagte: ‚Wenn ihr das Kapitel der
Lobpreisung (al-Hamd) (gemeint ist “Die Eröffnende“)
rezitiert, sollt ihr ‚Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des
Barmherzigen’ rezitieren, denn dies ist die Quelle des Buches
und der sieben oft Wiederholten, und ‚Im Namen Allahs, des
Allerbarmers, des Barmherzigen’ ist einer dieser sieben Verse“
('Uyūn-ul-Achbār).
Von Imam aṣ-Ṣādiq
(a.) wird überliefert: „Was haben sie nur getan?
Möge Allah sie vernichten! Sie sind bei dem großartigsten Vers
des Buches von Allah angelangt und dachten, dass es sich um
eine verbotene Erneuerung außerhalb des ursprünglichen
Glaubens handle, wenn sie diesen Vers laut rezitieren würden!“
(al-Chiṣāl)
Von Imam al-Bāqir (a.) wird
überliefert: „Sie haben den herausragendsten Vers von
Allahs Buch gestohlen, nämlich: ‚Im Namen Allahs, des
Allerbarmers, des Barmherzigen’. Dabei sollte dieser Vers zu
Beginn jedes kleinen oder großen Werks rezitiert werden, so
dass dieses gesegnet sein möge.“
Der Autor sagt: Es gibt zahlreiche
Überlieferungen von ähnlichem Inhalt von den Imamen der
Ahl-ul-Bait. Sie alle bestätigen, dass jener Vers (Im
Namen Allahs des Allerbarmers, des Barmherzigen) ein fixer
Bestandteil jedes einzelnen Kapitels des Qur´an ist, mit
Ausnahme des neunten Kapitels (“die Reue“). Auch die
sunnitischen Quellen bestätigen dies:
Anas (ibn Mālik) überlieferte
folgende Worte des Gesandten Allahs (s.): „Gerade eben
wurde mir ein Kapitel herabgesandt.“ Dann begann er zu
rezitieren: „Im Namen Allahs des Allerbarmers, des
Barmherzigen“ (aṣ-Ṣaḥīḥ
Muslim).
Abū Dāwūd berichtet von Ibn `Abbās,
dass jener gesagt haben soll: „Wahrlich, der Gesandte
Allahs wusste nicht über Trennung eines Kapitels vom Anderen
bescheid (bzw. wann ein Kapitel enden würde), bis jene Worte
zu ihm herabgesandt wurden: ‚Im Namen Allahs, des
Allerbarmers, des Barmherzigen’.“
Der Autor sagt: Über dieses Thema haben
auch schiitische Überlieferer berichtet unter anderem auch
Imam al-Bāqir (a.):
Im al-Kāfī, at-Tawḥīd,
Ma’āni’l-Achbār und at-Tafsīr von al-`Ayyāschī wird
berichtet, dass unter anderem auch Imam aṣ-Ṣādiq
(a.) gesagt habe: „Und Allah ist der Gott von Allem; Er
ist ar-Raḥmān (der
Allerbarmer) in Bezug auf Seine gesamte Schöpfung und ar-Raḥīm
(der Barmherzige) speziell in Bezug auf die Gläubigen.“
Imam aṣ-Ṣādiq
(a.) sagte weiter: „Ar-Raḥmān
(der Allerbarmer) ist ein spezieller Name mit einer
allgemeinen Eigenschaft, während ar-Raḥīm
(der Barmherzige) ein allgemeiner Name mit einer speziellen
Eigenschaft ist.”
Der Autor sagt: Die vorangegangenen
Erläuterungen mögen bereits hinreichend erklärt haben, wieso
die Barmherzigkeit des “Allerbarmers“ für den Gläubigen wie
für den Ungläubigen gleichermaßen gilt, während jene des
“Barmherzigen“ allein den Gläubigen vorbehalten ist. Die
Beschreibung, auf die wir in jener Überlieferung antreffen:
„der Allerbarmer ist ein spezieller Name mit einer allgemeinen
Eigenschaft, während der Barmherzige ein allgemeiner Name mit
einer speziellen Eigenschaft ist“, weist vielleicht darauf
hin, dass die Barmherzigkeit des “Allerbarmers“ auf diese Welt
beschränkt ist, aber auf die gesamte Schöpfung zutrifft,
während jene des “Barmherzigen“ diese Welt und jene Welt
betrifft, allerdings alleine den Gläubigen vorbehalten ist.
Mit anderen Worten ausgedrückt, die Gnade des “Allerbarmers“
betrifft all jene Segnungen der Schöpfung, die allen
Geschöpfen – unabhängig davon ob gläubig oder ungläubig –
gleichermaßen zuteil werden.
Die Gnade des “Barmherzigen“ hingegen
betrifft sowohl die Segnungen der Schöpfung, als auch die der
Gesetzgebung und der göttlichen Regeln (welche erst den Weg zu
wahrem Glück und Glückseeligkeit ebnen können), welche nur für
die Gläubigen reserviert sind. Denn nur diese speziellen
Gnaden und Segnungen, die den Gläubigen zuteil werden, gelten
der Ewigkeit. Und ihnen ist ein gutes Ende bestimmt, weil sie
sich von Schlechtem ferngehalten haben und ihre Gottesfurcht
bewahren konnten.
Im Kaschf-ul-Ghummah wird
berichtet, dass aṣ-Ṣādiq
(a.) sagte: „Ein Maulesel meines Vaters ging verloren.
Er sagte: `Wenn Allah ihn zu mir zurückbrächte, dann würde ich
Ihm mit solch einer Lobpreisung danken, dass Er mit mir
zufrieden wäre.’ Kurz darauf wurde ihm das Tier
zurückgebracht, unversehrt, mit Sattel und Zaumzeug. Als er
sich darauf setzte und seine Kleidung geordnet hatte, erhob er
sein Haupt gegen den Himmel und sprach: `Al-Hamdu´l-lillah´(Alles
Lob gebührt Allah.) Er sagte nicht mehr als das. Dann sprach
er: `Ich habe nichts verkürzt noch habe ich etwas ausgelassen.
Ich habe verlautbart, dass jegliches Lob alleine Allahs
gebührt, Mächtig und Erhaben ist Er! Denn es gibt keine
Lobpreisung, die nicht darin (in dieser Formel) inkludiert
wäre.“
Im `Uyūn-ul-Achbār wird erzählt,
dass Imam `Ali (a.) um eine Erklärung dieser Worte gebeten
wurde. Woraufhin er sagte: „Wahrlich, Allah hat Seinen
Dienern manche Seiner Segnungen und Gnaden ihnen gegenüber nur
allgemein erklärt, denn sie können diese nicht alle im Detail
begreifen, da diese sich außerhalb des Bereichs der Aufzählung
oder Beschreibung befinden. Deswegen, sagte Allah: `Sprich:
Alles Lob gebührt Allah für das, was Er uns gewährt hat. `“
Der Autor sagt: Der Imam weist uns auf
eine Tatsache hin, die bereits zuvor erwähnt wurde, nämlich
dass das Lob in diesem Vers, vom Diener ausgeht und dass Allah
es offenbart hat um ihn das gebührende Verhalten der
Dienerschaft und Anbetung zu lehren.