Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

III. Beilage.

Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen Hulagu und Berke.

Erwähnung der Ursachen der Bewilderung, welche zwischen Hulagu Chan und Berke Aghul statt gefunden.

Zur Zeit, als der welterobernde Padischah Dschengis-Chan alle Könige und Länder der Welt beherrschte und besass und dieselben seinen vier Söhnen Tuschi, Tschagatai, Ogtai und Tuli vertheilte und zumass, als er die Orte und Horte auf allen vier Seiten bestimmte, wie es seinem Scharfsinn gut dünkte und seinem durchdringenden Genius ziemte (die umständliche Theilung der Länder und Gebiete ist in der Geschichte Dschihanguschai ausführlich beschrieben), wurden dem Dschagatai die Stationen und Regionen von den Gränzen der nigurischen Pässe bis nach Samarkand und Bochara zugetheilt, und sein gewöhnlicher Aufenthalt war in der Nachbarschaft von Almaligh. Ogotai, welchen der Vater bei seinen Lebzeiten noch zum Nachfolger bestimmt hatte, residirte an den Gränzen von Imil und Kobak, welches der Chanschaft Thron und der Nabel des Reichs. Tuli besass die Jurte, welche an die Chatai's stiessen, und von Kialik und Chuaresm, von den äussersten Gränzen von Saksin und Bulghar bis an die Gränzpässe von Derbend und Baku, war Alles auf den Namen des ältesten Sohnes Tuschi geschrieben. Hinter Derbend, welches insgemein das eiserne Thor heisst, war das Winterquartier seiner Heere, von wo dieselben bis Arran streiften, und Arran und Aserbeidschan gehörten noch zu ihren Ländern. Die Ursachen, welche Stoff zum Streit herbeiführten und die Zwistigkeit schürten, sind die folgenden: Im Winter des Jahres 662 (1263), als der Goldschmied der Allmacht die Flüsse von Derbend mit Silberplatten überzogen, und der Kirschner des Winters nach dem Maasse der Hügel und Haiden denselben Hermelinkleider angezogen, als die Oberfläche des Flusses auf die Tiefe eines Lanzenfusses gefroren wie Bein und Stein, ging auf Befehl Berke Aghul's ein Heer von Mongolen, die unreiner als Wüstenteufel und Ghulen, und deren Schaaren zahlreicher als die Tropfen des Regens waren:

Sie kamen, Flüsse tragend,
Wie Teiche Wogen schlagend,

über den gefrornen Fluss wie Feuer und Wind geschwind. Von dem Gewieher und Geklirre ihrer Pferde und Truppen war die Zauberin der Erde voll rollender Donner und leuchtender Blitze; im flammenden Feuer des Zornes kamen sie bis an die Ufer des Kur (Cyrus). Hulaguchan ging ihnen zur Abwehrung des Funkens ihres Bösen mit einem Heere entgegen:

Arab. Vers. Morgens trafen sie auf ein vermischtes Heer,
Unaufhörlich zog es wie die Erde her.
Pferde, schwerbepanzert, mit zwei Reitern liefen
Unterm Staub wie Dromedare in die Tiefen;
Klingen strahlen weiss und Speere dunkeln braun;
Sieh! die Braunen bohren und die Weissen hau'n.

In dem Treffen wurden sie geschlagen und zogen sich alsogleich zurück:

Arab. Vers. Wenn sie fliehen, wird der Feind nach ihnen ziehen,
Wenn sie stehen, ist es um ihr Gut geschehen.

Im Passe Baluje standen sie abermal zur Schlacht. Es froren die Füsse dem Boden an, und im Heere Berke's hielten Klein und Gross, Mann und Ross aus, bis dass sie alle erschlagen, und die Andern, besiegt, die Zügel der Flucht davon getragen. Hulagu erlaubte den Heeren nicht, zurückzukehren, bis sie nicht über den gefrorenen Fluss gesetzt.

Arab. Vers. Des Blutes Ströme gehn wie Wasserrinnen,
Die Säbel löschen ihren Durst darinnen;
Sie schwanken zwischen Tod und zwischen Leben
Und zwischen Leichtsinn und vernünft'gem Streben.

So wurden von Tag zu Tag die Stationen der Rebellen die Lagerorte des ilchanischen Heeres. Sie schlugen auch den Weg friedlicher Unterhandlung und Ausgleichung ein, und thaten die Hand der Verlängerung auf, bis sie das ganze Land von den Nachtheilen der Usurpation gereinigt und die Uebermacht der Fremden daraus verbannt.

A. V. Sie fielen aus im Sturm auf die, so in der Nähe;
Wir fielen aus im Sturm auf die uns in der Nähe.

Sie trieben sie in die Enge und verfolgten sie durch einige Stationen Länge. Als der feindeverbrennende Padischah mit seinem glücklichen Lager herangenaht, gab er den Befehl, die Genossen Berke Aghul's, welche zu Tebris im Besitze von Reichthum und Waaren, mit Handel und Wandel beschäftigt waren, hinzurichten und ihre Güter in dem Schatze aufzuschichten. Viele derselben waren blos Commissaire, in deren Händen die Capitale und Güter ihrer Principale geblieben waren. Berke Aghul, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess die Kaufleute der Länder des Chans tödten und legte ihnen auf diese Weise das Geschäft. Der Weg der Gehenden und Kommenden, das Reisen der Kaufleute, war nun auf einmal, wie das Geschäft der Verdienstvollen, gesperrt und die Teufel der Unruhe waren der Flasche der Zeit entsprungen. Indessen hatte Kublai Kaan einen Gesandten gesendet und die Dinge Bochara's anders gewendet. Von sechzehn Hesaren, welche zu Bochara lagen, waren fünf dem Batu anhänglich, drei der Frau Kutibeg, der Mutter Hulagu-Chan's, und die übrigen dem Ulugh Kul, das ist dem grossen Delai, welche jedem der Kinder Tschengis-Chan's, die von dem Throne der Chanschaft Besitz nähmen, zu Befehl. Diese fünf Hesare führte Batu in das Feld und las ihnen von den Klingen der Schwerter, welche die Bothen des Todes, des rothen, ihr Todesurtheil vor. Ihrer Güter, Weiber, Söhne wurde nicht geschont. Da die Regel des Spruches:

Die Liebe erbt fort und der Groll erbt fort,

in der Ansicht der Vernünftigen gegründet ist, so breitete auch Mengu Timur, der Sohn Berke Aghul's, welcher nach dessen Tode dessen Stelle vertrat, wider Abaka Kaan den Teppich der alten Widerspenstigkeit auf, und es hatten zwischen ihnen zu widerholtenmalen Streitigkeiten und Zwistigkeiten Curs und Lauf. Einmal wurden 30,000 Reiter, säbelschärfende, lanzenwerfende, zur Zeit ihrer Rückkehr über den Fluss wie zerbröckeltes Eis aufgerieben und in den Abgrund getrieben und das Resultat ihres Lebens auf die Platten von Eis geschrieben. Als nun der hohe Abaka Chan mit der Menge ihrer Heere und ihrer Kühnheit näher bekannt, zog er gegen Derbend eine Mauer durchs Land, welche Sitab genannt, um diesen weltverwirrenden Heeren den Einfall und Einbruch zu erschweren. Diese beiderseitige Feindschaft bestand, und diese gegenseitige Huth und Scheelsucht hatte Bestand, bis Kendschatu, der Chan, im Land. Als Noghai der Erbe des Landes Mengu Timur's ward, wurde durch gegenseitige Gesandtschaften und Schreibenwechsel der Weg der Kaufleute und Handelsgenossen wieder aufgethan. Die Ursachen des Heiles lagen in dem Plan; das Land Arran fing durch die Menge von Wagen und Zelten, von Pferden und Schafen Wogen zu schlagen an und dieser Länder Waaren nach einigen Jahren wieder an zu gebahren.

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