III. Beilage.
Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen Hulagu und Berke.
Erwähnung der Ursachen der Bewilderung, welche zwischen
Hulagu Chan und Berke Aghul statt gefunden.
Zur Zeit, als der welterobernde Padischah Dschengis-Chan
alle Könige und Länder der Welt beherrschte und besass und
dieselben seinen vier Söhnen Tuschi, Tschagatai, Ogtai und
Tuli vertheilte und zumass, als er die Orte und Horte auf
allen vier Seiten bestimmte, wie es seinem Scharfsinn gut
dünkte und seinem durchdringenden Genius ziemte (die
umständliche Theilung der Länder und Gebiete ist in der
Geschichte Dschihanguschai ausführlich beschrieben), wurden
dem Dschagatai die Stationen und Regionen von den Gränzen der
nigurischen Pässe bis nach Samarkand und Bochara zugetheilt,
und sein gewöhnlicher Aufenthalt war in der Nachbarschaft von
Almaligh. Ogotai, welchen der Vater bei seinen Lebzeiten noch
zum Nachfolger bestimmt hatte, residirte an den Gränzen von
Imil und Kobak, welches der Chanschaft Thron und der Nabel des
Reichs. Tuli besass die Jurte, welche an die Chatai's stiessen,
und von Kialik und Chuaresm, von den äussersten Gränzen von
Saksin und Bulghar bis an die Gränzpässe von Derbend und Baku,
war Alles auf den Namen des ältesten Sohnes Tuschi
geschrieben. Hinter Derbend, welches insgemein das eiserne
Thor heisst, war das Winterquartier seiner Heere, von wo
dieselben bis Arran streiften, und Arran und Aserbeidschan
gehörten noch zu ihren Ländern. Die Ursachen, welche Stoff zum
Streit herbeiführten und die Zwistigkeit schürten, sind die
folgenden: Im Winter des Jahres 662 (1263), als der
Goldschmied der Allmacht die Flüsse von Derbend mit
Silberplatten überzogen, und der Kirschner des Winters nach
dem Maasse der Hügel und Haiden denselben Hermelinkleider
angezogen, als die Oberfläche des Flusses auf die Tiefe eines
Lanzenfusses gefroren wie Bein und Stein, ging auf Befehl
Berke Aghul's ein Heer von Mongolen, die unreiner als
Wüstenteufel und Ghulen, und deren Schaaren zahlreicher als
die Tropfen des Regens waren:
Sie kamen, Flüsse tragend,
Wie Teiche Wogen schlagend,
über den gefrornen Fluss wie Feuer und Wind geschwind. Von
dem Gewieher und Geklirre ihrer Pferde und Truppen war die
Zauberin der Erde voll rollender Donner und leuchtender
Blitze; im flammenden Feuer des Zornes kamen sie bis an die
Ufer des Kur (Cyrus). Hulaguchan ging ihnen zur Abwehrung des
Funkens ihres Bösen mit einem Heere entgegen:
Arab. Vers. Morgens trafen sie auf ein vermischtes Heer,
Unaufhörlich zog es wie die Erde her.
Pferde, schwerbepanzert, mit zwei Reitern liefen
Unterm Staub wie Dromedare in die Tiefen;
Klingen strahlen weiss und Speere dunkeln braun;
Sieh! die Braunen bohren und die Weissen hau'n.
In dem Treffen wurden sie geschlagen und zogen sich
alsogleich zurück:
Arab. Vers. Wenn sie fliehen, wird der Feind nach ihnen
ziehen,
Wenn sie stehen, ist es um ihr Gut geschehen.
Im Passe Baluje standen sie abermal zur Schlacht. Es froren
die Füsse dem Boden an, und im Heere Berke's hielten Klein und
Gross, Mann und Ross aus, bis dass sie alle erschlagen, und
die Andern, besiegt, die Zügel der Flucht davon getragen.
Hulagu erlaubte den Heeren nicht, zurückzukehren, bis sie
nicht über den gefrorenen Fluss gesetzt.
Arab. Vers. Des Blutes Ströme gehn wie Wasserrinnen,
Die Säbel löschen ihren Durst darinnen;
Sie schwanken zwischen Tod und zwischen Leben
Und zwischen Leichtsinn und vernünft'gem Streben.
So wurden von Tag zu Tag die Stationen der Rebellen die
Lagerorte des ilchanischen Heeres. Sie schlugen auch den Weg
friedlicher Unterhandlung und Ausgleichung ein, und thaten die
Hand der Verlängerung auf, bis sie das ganze Land von den
Nachtheilen der Usurpation gereinigt und die Uebermacht der
Fremden daraus verbannt.
A. V. Sie fielen aus im Sturm auf die, so in der Nähe;
Wir fielen aus im Sturm auf die uns in der Nähe.
Sie trieben sie in die Enge und verfolgten sie durch einige
Stationen Länge. Als der feindeverbrennende Padischah mit
seinem glücklichen Lager herangenaht, gab er den Befehl, die
Genossen Berke Aghul's, welche zu Tebris im Besitze von
Reichthum und Waaren, mit Handel und Wandel beschäftigt waren,
hinzurichten und ihre Güter in dem Schatze aufzuschichten.
Viele derselben waren blos Commissaire, in deren Händen die
Capitale und Güter ihrer Principale geblieben waren. Berke
Aghul, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess die
Kaufleute der Länder des Chans tödten und legte ihnen auf
diese Weise das Geschäft. Der Weg der Gehenden und Kommenden,
das Reisen der Kaufleute, war nun auf einmal, wie das Geschäft
der Verdienstvollen, gesperrt und die Teufel der Unruhe waren
der Flasche der Zeit entsprungen. Indessen hatte Kublai Kaan
einen Gesandten gesendet und die Dinge Bochara's anders
gewendet. Von sechzehn Hesaren, welche zu Bochara lagen, waren
fünf dem Batu anhänglich, drei der Frau Kutibeg, der Mutter
Hulagu-Chan's, und die übrigen dem Ulugh Kul, das ist dem
grossen Delai, welche jedem der Kinder Tschengis-Chan's, die
von dem Throne der Chanschaft Besitz nähmen, zu Befehl. Diese
fünf Hesare führte Batu in das Feld und las ihnen von den
Klingen der Schwerter, welche die Bothen des Todes, des rothen,
ihr Todesurtheil vor. Ihrer Güter, Weiber, Söhne wurde nicht
geschont. Da die Regel des Spruches:
Die Liebe erbt fort und der Groll erbt fort,
in der Ansicht der Vernünftigen gegründet ist, so breitete
auch Mengu Timur, der Sohn Berke Aghul's, welcher nach dessen
Tode dessen Stelle vertrat, wider Abaka Kaan den Teppich der
alten Widerspenstigkeit auf, und es hatten zwischen ihnen zu
widerholtenmalen Streitigkeiten und Zwistigkeiten Curs und
Lauf. Einmal wurden 30,000 Reiter, säbelschärfende,
lanzenwerfende, zur Zeit ihrer Rückkehr über den Fluss wie
zerbröckeltes Eis aufgerieben und in den Abgrund getrieben und
das Resultat ihres Lebens auf die Platten von Eis geschrieben.
Als nun der hohe Abaka Chan mit der Menge ihrer Heere und
ihrer Kühnheit näher bekannt, zog er gegen Derbend eine Mauer
durchs Land, welche Sitab genannt, um diesen weltverwirrenden
Heeren den Einfall und Einbruch zu erschweren. Diese
beiderseitige Feindschaft bestand, und diese gegenseitige Huth
und Scheelsucht hatte Bestand, bis Kendschatu, der Chan, im
Land. Als Noghai der Erbe des Landes Mengu Timur's ward, wurde
durch gegenseitige Gesandtschaften und Schreibenwechsel der
Weg der Kaufleute und Handelsgenossen wieder aufgethan. Die
Ursachen des Heiles lagen in dem Plan; das Land Arran fing
durch die Menge von Wagen und Zelten, von Pferden und Schafen
Wogen zu schlagen an und dieser Länder Waaren nach einigen
Jahren wieder an zu gebahren.