Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

II. Beilage.

Auszug aus Wassaf über den Ulus Dschudschi's.

Erwähnung der Länder Dschudschi's.

Als Dschudschi vom Dienste Tschengis Chan's zurückkehrte, so ereignete es sich alsbald, dass er wider seinen Willen zur Reise in's andere Leben, welches die eigentliche grosse Reise ist, aufbrach. Es blieben von ihm sieben Söhne zurück, als eben so viele Planeten am Himmel der Chanschaft, und die Person des Reiches war gleichsam aus sieben Gliedern zusammengesetzt. Hordu, Batu, Berestai, Schekut, Berke, Berkedschar, Buka Timur. Von ihnen war Batu, ausgezeichnet vor seinen Brüdern durch Genius seines Wesens, Gerechtigkeit seines Benehmens und Freigebigkeit seiner Anlagen, der Erbe der Länder des Vaters. Vier Distrikte (Hesare) der Krongüter Dschudschi's, Gesek, Esan, Osek, Alghui, welche zusammen mehr als neun Tomane (Landes) ausmachten, untergab er der Aufsicht seines älteren Bruders Hordu; der Sammelplatz der Heere Batu's waren die Distrikte am Itil (Wolga). Er unternahm den Bau einer Stadt, deren Ausdehnung weit wie das Feld hohen Unternehmungsgeistes und diesen Fröhlichkeit sichernden Ort nannte er Serai.

Obwohl er der christlichen Secte folgte, deren Beistand und Hülfe Vernunft zuwider ist, so neigte er sich doch auf keine Seite der verschiedenen Secten hin, und war weit davon entfernt, an einer derselben halsstarrig zu halten, als das Feld der Welt durch die Thronbesteigung dieses Siegelringes der Zeiten zum Rosenfeld und das Auge der Welt durch die Lichter seiner Gerechtigkeit erhellet worden, als Zeit und Raum diese beiden Verse declamirten:

Die Welt ist hell von Deines Thrones Schatten,
Er hat die Welt verkehrt in Rosenmatten.

Bei dem zweiten Kuriltai kamen die Prinzen darin überein, dass der Säbel mit Grimm wider die Köpfe der Anführer der Russen und Assen geführt werden solle, welche den Fuss der Feilheit in die Reihen der Widersetzlichkeit gesetzt. Von den Prinzen Mangu Kaan's wurden Kajuk, Kadachan, Kurgan, Turi, Paidar, Hordu, Tangut, welche letzte beide am Tage der Schlacht festen Fusses standen, und Basintai Behadir zu dieser Unternehmung bestimmt. Sie setzten sich zur Zeit, als der Frühlingswind in voller Kraft wehte:

Der Rosenstrauch schwang in dem Garten Speere,
Das Blatt war Dolch, die Dornen Lanzenspitzen,

in Bewegung. Die Heere kamen an der Gränze Bochara's zusammen und zogen wider Russland aus:

Was Indien, zeigt sein indisch Schwert
Den Assen, Russen und Alanen.

Sie eroberten die Stadt Moskau, gefüllt mit einem Heere zahlreicher als Heuschrecken, zanksüchtiger als Fliegen, und das sich bei der Wehr zusammennimmt, plünderten und mordeten nach ihrer Gewohnheit. Sie schnitten die Ohren der Erschlagenen ab.

Es füllet in der Welt dein Ruhm die Ohren,
Vor deinem Grimm droht Untergang den Ohren.

Man zählte 270,000 abgeschnittene Ohren.

Du, schärf' das Ohr; der Himmel haut dich über's Ohr.

Die Prinzen und grossen Fürsten und siegreichen Freien waren

(Der Himmel war zu Willen und das Schicksal folgte)

wunschbefriedigt und die Engel sangen dazu:

Der, so sich wider Dein Gebot empört,
Der, so dein Reich im mindesten nur stört,
Dem spalte Partisan' das Aug' inmitten,
Dess Körper sei dem Grimm des Dolchs zu Theil,
Dem sei vom Messer Zunge abgeschnitten,
Dem sei der Hals durchbohret von dem Pfeil.

Als sie zurückgekehrt, hatte Batu Lust, wider die Kelaren und Baschkirden, welche die christliche Religion befolgten, aufzubrechen. Als die Heere des Winters, aus Furcht vor den Dolchen der Neider, das Gesicht abwandten, und die Rosen sich, wie das Glück der Glücklichen, mit hundert offenen Gesichtern zeigten und die Nachtigall mit bestimmtem Schall:

Weisst Du, warum der Lyra Saiten gellend schrein?
Weil ohne dem Gesicht die Ros' nicht Ros' und Wein nicht Wein.
Auf deiner Rosenwange ist das Heer zu schauen,
Weil es darauf sich legt mit herzlichem Vertrauen,

ging der Prinz, der das Glück gefunden.

Hem. Die Welt an seinem Zügel, die Zeit an seinem Bügel.

Hem. Wenn deine Bügel weiter gehn, Was Wunder, wenn wir auch nicht stehn!

Er zog, fest wie Schlösser, mit 40,000 Reitern, deren jeder die Stütze eines mächtigen Heeres, in's Feld. Zur Zeit, als die beiden Heere auf einander trafen, trennte sie ein Fluss mit steilen Ufern. Batu sandte seinen Sohn mit einem Tomane Heeres, um über den Fluss zu setzen, und er selbst besetzte einen Hügel und betete demüthig vor der Majestät Gottes, des absoluten Gnadenverleihers, mit einem Herzen, brennend wie die Lampe dessen, der die Nacht durchwacht, und mit einem Hauche, kalt wie der des Morgens. So brachte er die Nacht bis an den Tag hin; am andern Tage, als der einpferdige Chosroes der Welt frohe Nachricht gebracht, und auf dem Degen (Rücken) der Berge das Rad (der Sonne) sichtbar gemacht, reihten sich beide Heere zur Schlacht. Sertak fiel den Feind mit einem Toman stürmend an, und die anderen auf dem Hügel aufgestellten Heere rannten wie ein Gürtel von der Höhe nieder; gleich niederstürzendem Loose, welchem nichts zu wehren im Stande, wandten sie ihr Gesicht gegen das feindliche Lager, und zerstückten mit ihrem Säbel die Zeltstricke wie den Strick der Freundschaft der Verbrecher. Furcht und Schrecken bemächtigten sich der Einwohner von Kelar, die Waldteufeln glichen; die meisten derselben wurden ein Frass des Schwertes und der Hyänen, und so wurde auch dieses Land den Schwesterländern beigesellt. Im Jahre 653, als Mangu Kaan ein Kuriltai hielt, wurde Sertak zum Dienste des himmelhohen Thrones gesandt. Ehe er zurückgekehrt, hatte sich Batu von der Braut der Chanschaft dreimal, d. i. unwiderruflich, geschieden und Sertak, mit Gnaden und Gunstbezeugungen überhäuft, kehrte in die Residenz zurück, und ohne sich lange aufzuhalten, ward er zur Abreise (aus dieser Welt) gezwungen. Vermög des Befehles Mangu Kaan's übernahm Berakdschin Chatun, welche die grösste der Frauen, die Sorge für die Beförderung der Reichsgeschäfte, und erzog hiezu den Ulaghdschi, den Sohn Sertak's; doch auch Ulaghdschi

Hem. endete in kurzer Zeit sein Leben.

Berke Aghul erhielt die chanische Krone, dessen Heere sich zu wiederholtenmalen mit denen Hulagu's schlugen, und als die Chanschaft an Mangu Timur gekommen, war diess der Fall mit den Heeren Abakachan's, wie diess schon oben vorgekommen.

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