IV. Beilage.
Auszug aus Wassaf über das Papiergeld.
Erläuterung der Ursachen, welche die Einführung und
Vernichtung des Papiergeldes (Dschaw) herbeigeführt.
Der von ewig her bestehende Spender der Nahrung und der
allweise Schöpfer (geheiligt seien seine Eigenschaften!),
welcher die Bewohner der vier Wände der Naturen der Menschheit
und die Eingekerkerten der sechs Richtungen irdischer Körper
bald ohne Anlass geleisteten Dienstes durch den Ausfluss
seiner, keinen Dank ansprechenden Gnaden bestimmt, und bald
ohne vorhergehende Schuld seine Geschenke und Spenden
zurücknimmt, Er dessen ewige Wissenschaft: Koranstext:
„Ihm ist kein Sonnenstäubchen fremd auf Erden und im
Himmel“.
das vollkommenste Gemälde der Herrschergrösse ist, wollte
es so, dass nach der Begebenheit (der Thronbesteigung)
Arghun-Chan's in alle Herden der Mongolen eine Seuche fiel,
welche sie in ihrer Sprache Jut nennen. Aus diesem Anlass
fehlte es den meisten Truppen zu Bagdad, Mossul, Diarbekr und
Chorasan an den nöthigen Lastthieren und in dem Schatze war
durch die Veränderung der Chane und Vergeudung des Goldes an
die Truppen nichts zurückgeblieben; diess war der zweite
Unglücksfall; dazu kam noch drittens, durch die angeborne Huld
und natürliche Freigebigkeit des Vorsitzes der Welt und der
Zeit, um die Völker zufrieden zu stellen und um Nothdurft zu
stillen, ein Ausgabenüberschuss und Gnadenüberfluss; das
vierte war die wenige Achtung des Ilchan's für Geschenke und
Gaben und seine Verachtung der Oeconomie, d. i. des Besitzes
in beweglichem und unbeweglichem Gut, an Geld und Vieh, und
das Sprichwort sagt: „Die Fünf findet sich in den Fünfzig.“ Er
hatte in der Zeit von zwei Jahren, während welchen der Welt
Vorstand der Wissenschaft und Herrschaft vorstand, gegen
fünfhundert zu Leihe genommene Tomane mittels rother
Fertigungen an die Herren der Anweisungen übertragen, so, dass
die grossen Fürsten diese Sache endlich gewahr wurden. Eines
Tages hörte man von dem Munde des Herrn (des Grosswesirs)
folgende Worte: „Seadeddewlet hat zur Zeit, als er die
Geschäfte der Länder förderte und tausend Tomane in dem
grossen Schatze bereit lagen, und die stärkste Veranlassung zu
dieser Zusammenhaltung Arghun-Chan's genaue Verwaltung
gewesen, die Einkünfte und Ausgaben der Finanzen ohne rothe
Fertigung besorgt und für die Verproviantirung des Heeres und
alle Erfordernisse der Küche, des Lagers und der Frauen
gesorgt, und so habe der Ilchan in der kurzen Zeit von vierzig
Jahren vom Jurt Dilbertschin bis nach Kiawbasi ein und vierzig
Tomane für die Frauen, Pagen und Vertrauten der Majestät
hergegeben.
Arab. Vers. Wenn Du aufgehst, müssen Sonn' und Mond sich
niederlegen,
Wenn Du scheidest, müssen sich verstecken Meer und Regen.
Zur Zeit Abaka-Chan's und Sultan Ahmed's waren für die
ganzen Kosten der Küche nur vierzig Tomane bestimmt und doch
waren die Verwalter und Küchenaufseher nicht sicher vor dem
Tadel der Tadelnden und dem Spotte der Spottenden und dem
Schimpfe der Schimpfenden. Zur Zeit (Unserer) den Tag
vermehrenden Regierung haben Wir hundert fünf und sechzig
Tomane auf diese Weise an goldenen Verwendungen ausgetheilt,
und dennoch rufen sie immerwährend: Wer gibt mehr? Die Prinzen
und Prinzessinnen geben immer neue Wünsche kund und schliessen,
gegen einander rechtend und spiegelfechtend, nicht den Mund.“
Der Zweck dieser Prolegomenen ist, dass der Schatz auf alle
Weise für den Bedarf baaren Geldes bedurfte, dass die
Einkünfte der Länder in einem Jahre 1800 Tomane, die
bestimmten Ausgaben 700 Tomane betrugen und dass der Rest für
die wichtigsten Geschäfte des Reiches, für die Gaben und
Geschenke des Padischah nicht hinreichte. Der Herr des Diwans
befahl, die Auflagen der Länder, besonders der von Bagdad und
Schiras, welche der Gürtel des Reiches, zu läutern; doch der
Ueberschuss der Ausbeutungen des Dieners (des Grosswesirs) gab
für die Majestät, auf deren Weberstuhl der Einschlag
gestreifter Kleider steht, so viel aus, als der arabische
Spruch:
Arab. Vers. Es sättigt nicht, was vom Zahnstochern kommt
heraus,
und durch diese Massregeln der Läuterung wurde der
Verwirrung der Finanzen nicht abgeholfen. Da befand sich
Aseddin Mosaffir Ben Mohammed Amid, dessen hässliche Gestalt,
dessen geschminktes Gesicht, dessen gebrechliche Constitution
und schändliches Naturel ein Muster seiner Sitten und
Eigenschaften war, im Lager an der Seite der Majestät und des
Grosswesirs, als dessen Berather und leitender Vater. Er
war's, der die Mühle des Betruges in den Gang gebracht, der
mit Hoffnung und Furcht denselben kirr gemacht. Aus Eingebung
schlechter Seele, welche, allen Geschäften des Menschen feind,
als das Gegentheil des ursprünglichen Guten erscheint, wollte
er seinen schlechten Namen bei den Weltbewohnern einfassen in
einen ewigen Rahmen, damit er auf der Erde bis zu dem Tage der
Auferstehung das Ziel der Pfeile des Fluches und des Spottes
aller Menschen werde. Er stellte vor: „Es fehlen zur
hinlänglichen Aufbringung der Gelder die Quellen; sei es im
Schlimmen, sei es im Guten, bedarf der Schatz Gold für seinen
Bedarf. Die Ueberschüsse der Einkünfte sind Heu und Spreu, und
Anlehen zu machen, gehört künftighin zu den schwierigsten
Sachen. Wenn es sich darum handelte, schnell das Heer zu
rüsten und beritten zu machen, würde es schwer halten in allen
Sachen, und das tändelnde und schändende Gerede der grollenden
Feinde, die schnell und hart daherfahrende Fehde daimonischer
Männer, von denen jetzt keine Rede, würde sich breit machen;
die Bemühungen und Bestrebungen, welche dermalen gäng und
gäbe, um die Spalten des Reiches zu verdämmen und um durch
rechtliche und wohlthätige Gesinnung alles Unrecht zu hemmen,
würde ein Ende nehmen, und wollte man (was jedoch nicht
unmöglich anzunehmen) öffentlich die reinen Wasser mit Steuern
belegen, oder neue Vergantungen und schwere Strafgelder den
Unterthanen zumuthen und auflegen, so würde dieses die
Gemüther erbittern und das Land würde verwittern. Eine
Maassregel, welche, vor allem Angriff vor Verschwärzern
geschützt, schnell zur Herstellung alles Verfalles nützt und
mannigfaltigen Nutzen umfasst und besitzt, ist mir so in den
Sinn gekommen, dass man, wie in den Ländern des Kaan, auch in
denen des Ilchan das Scheingeld, statt Silbers und Goldes, in
Umlauf setze, damit dadurch die Thore des Verkehres geöffnet
würden, damit das Geld ganz in den Schatz einlaufe und Schaden
und Verlust keinen Menschen treffe auf Erden.“ Nach diesen
vorausgeschickten eingebildeten Gründen trugen der Herr des
Diwans und Bulad Dschinksanek, der Gesandte des Kaans, das
Wort vor. Da diese Maassregel dem Aeussern nach den Reichthum
vermehrte, die Magazine der Kaufleute leerte, den Armen und
Elenden Beruhigung gewährte, so schien dieselbe Anfangs denen,
die darüber nachdachten, erspriesslich und gut. Der Ilchan
erliess ein Diplom, befehlend, absolut und entscheidend, kurz
und gut, dass man auch in den übrigen Ländern nicht mehr mit
baarem Gelde Handel und Wandel treibe, sondern dass man
überall die Webung goldener Kleider abschaffe und nur soviel
davon gestatte, als für das Kleid des Padischah und seiner
nächsten Umgebungen erforderlich sei, dass man sich nicht mit
Verfertigung goldener und silberner Geschirre und mit keiner
Kunst, welche Vergeudung des Goldes und Silbers mit sich
führe, befasse, dass man die Goldschmiedekunst und die
Silberarbeiterei der Gesichtsfarbe und dem thränenden Auge der
Verliebten überlasse; kurz, durch die Einflüsterung und
Verführung, Verlockung und Versuchung dieses Unholdes und
gespenstischen Koboldes, der seinen Herrn auf diese Weise
schändete, geschah es, dass er in alle Länder, in's arabische
und persische Irak, nach Diarbekr, Rebiaa, Mossul und
Miafarakein, nach Chorasan und Kerman und Schiras einen
grossen mit diesem Geschäfte beauftragten Emir sandte, und
dass überall eine Fabrik solchen Scheingeldes errichtet, dass
Verwalter, Schreiber, Schatzmeister und andere Beamte dabei
verwendet und überall grosse Summen zur Verfertigung des
Scheingeldes gespendet wurden. Durch die Verlautbarung dieser
Geschichten wurden die Völker in den Reif des Erstaunens
gezwängt und blieben in demselben ohne Seele beengt.
Arab. Vers. Schnell, wie die Hoffnungen, des Lebens Zeit
vergeht,
Und umgekehrt, auf Persisch heisset Dem nur Med.
Die Gestalt und Form des Scheingeldes Dschaw war diese: Ein
länglichtes, viereckiges Blatt Papier mit einigen chinesischen
Worten beschrieben, in denen immer Fehler geblieben; ober
diesen chinesischen Worten stand auf beiden Seiten:
„Es ist kein Gott als Gott, und Mohammed ist sein
Prophet!“
Dieses war das Gepräge dieses Silberblattes, der
Juwelenknoten dieses Perlenstates, das Tughra dieser Befehle
und das Amulet dieser Kehle; unter demselben war geschrieben:
Iritschi Turitschi, auf Chinesisch (uighurisch), d. i. Sobald
es angekommen, sei es für bleibend angenommen! In der Mitte
war ein Kreis beschrieben, der aber ausser dem Mittelpunkt
ruhiger Ansicht liegen geblieben; dabei war der Werth des
Papieres von einem halben Dirhem bis zehn Goldstücke, und dann
in Schrift das, was folget, geschrieben: „Der Padischah der
Welt hat im Jahre 693 (1293) eingesetzt dieses gebenedeite
Papiergeld; es soll cursiren in Ländern allen; wer es
verfälscht oder verändert, sei mit Weib und Kind der
Todesstrafe und sein Gut dem Fiscus verfallen.“ Nach Schiras
war ein Patent dieses Papiergeldes, das, sehr ausführlich und
lang, eingebildete Fragen aufwarf und die Antworten darauf
aufdrang, gekommen. Ein Exemplar desselben ist noch in den
Händen und es wäre unnütz, darüber noch mehrere Worte zu
verschwenden. Das Wesentlichste seines Inhaltes ist: „dass,
sobald das gebenedeite Papiergeld Goldes statt, wie die
Thränen der Verbannten Lauf gefunden hat; so wird Armuth und
Dürftigkeit und Schaden und Elendigkeit verschwunden sein
unter den Söhnen der Zeit, Korn und Getreide wird zu haben
sein in Wohlfeilheit, und Arme oder Reiche sind dann einander
gleich.“ Die Dichter und Trefflichen der Zeit haben zum Lobe
des Papiergeldes nach der Eingebung ihres Genius dem Padischah
und dem Herrn des Diwans lobend die Resultate ihrer Gedanken
geweiht; als eine Probe von diesem Lobe ist das folgende
Distichon aus einem Bruchstücke eines der Trefflichen hier
eingereiht:
„Geht Papiergeld in der Welt,
Sein Entgelt sie frisch erhält.“
Es erging der Befehl, dass alle Künstler und Handwerker,
welche Gold und Silber in ihren Arbeiten verarbeiten, dasselbe
aus dem Hause, wo das gebenedeite Papiergeld ausgetheilt ward,
erhalten, dass Alle, welche als Befehlshaber Länder verwalten,
nach ihren Verdiensten ihre Besoldungen und Bezahlungen dort
beziehen sollen, dass das alte abgenützte Papier dorthin
gelangen, und der Bringer für den Gehalt von zehn Dinaren
alten Papiergeldes neun Dinare neues empfangen soll, dass die
Kaufleute des persischen Meeres, welche in fremde Länder
handeln und wandeln aus dem Schatze Gold erheben und dafür ihr
Papiergeld abgeben sollen, vorausgesetzt, dass dabei der Weg
der Behutsamkeit beobachtet und ihre Erlaubniss und Befugniss
von Nowaben und Aufsehern des Diwans gehörig betrachtet und
erachtet worden sei. Verfügungen dergestalten waren in diesem
Patente enthalten.
Tausendmal ist's besser, gar nicht anzufangen,
Was zu keinem Resultate kann gelangen.
Wenn (wovon das Gegentheil nicht zu denken) diese
Bedingungen nicht schon von Grund aus schlechter Art, wenn
mittels der Umwälzung der Zustände, der Uebertragung der
Herrscherkräfte und Veränderung der Geschäfte, diese Befehle
von allem Fehle beschützt und bewahrt geblieben, wenn die
Leute ohne Widersetzlichkeit und Blödigkeit, dasselbe zu
nehmen und zu geben und den Lauf desselben zu gewähren, willig
gewesen wären, so wäre es möglich gewesen, dass einige dieser
präliminären Verfügungen gekommen wären zu eines Resultates
Ehren; allein, wie man diess immer aus dem Gesichtspunkte der
Vernunft und der Analogie betrachtet, so ist dieses eine
Maassregel, nicht verwaltbar und (auf dem Spitz ein Kegel)
nicht haltbar, besonders da der Zweck dieser Einbildungen ganz
und gar kein andrer war, als die Schätze des Padischah zu
erneuen und die der Unterthanen zu zerstreuen.
„Zu bewahren des Moslim's Gut, ist Pflicht,
wie zu bewahren des Moslim's Blut.“
In der practischen Philosophie ist durch Beweise
festgesetzt, dass das Gold von Gott, als die kleine
Gesetzgebung, eingesetzt; dass dasselbe den Werth der Sachen
bestimmt und die Ordnung der Welt in Anspruch nimmt; dass ein
kleiner Theil desselben eine grosse Menge anderer Sachen
vertritt, deren Transportirung und Verführung sehr schwer und
vielen Ungemaches nicht leer; dass wegen seiner inneren
Festigkeit und Trefflichkeit dasselbe vor aller Gefahr der
Vernichtung geschützt; dass es nicht durch Wasser, nicht durch
Feuer, nicht durch Schneiden und Stossen verwundet wird und
abgenützt. Diese Bedeutung bedarf keiner Erweiterung und
Erläuterung,
„Diess ist Erforderniss mündiger Weisheit.“
Die Nothwendigkeit und Dürftigkeit ist's, welche demselben
Adel verleiht;
Arab. Vers. Wenn ich ein Gottesfürchtiger nicht wäre,
Erwies' ich selbem göttliche Ehre.
„Für der Welt Wunden ist das Pflaster im Golde
gefunden,“ ist ein bekanntes Sprichwort;
Vers. „Hätte ich Gold, so wären meine Geschäfte auch
golden;
Golden sind sie nicht, weil ich besitze nicht Gold.“
Ar. V. Kein Gesandter fährt mit besserem Glück,
Als das rundgeprägte Silberstück.
Wenn der Schreiber (dieser Geschichte) die Gleichnisse und
seltsamen Einfälle, welche die Wohlberedten Arabiens und
Persiens über die Eigenschaften, den Nutzen und das Lob des
Papiergeldes geschrieben, und die ihm im Gedächtniss
geblieben, aufgeschrieben hätte, so hiesse dieses Buch die
goldene Kette oder die unvollkommene Erreichung des Zweckes.
Würde aber mit diesen Lobsprüchen das Gold zerstieben, woraus
würde man denn verfertigen die Kronen mächtiger Sultane und
Reiter, die Ohrgehänge, Armbänder und Knöchelringe der
Schönen, welche den sich blähenden Busen gewärtigen? und wie
könnte denn, mit dem papiernen Geld, die frische Rose, welche
freudig die goldene Scheibe in der Faust und Goldbarren (die
Staubfäden) im Busen verborgen hält, wie könnte sie die Wange
des Windes anlachen? und wie könnte die Blüthe ohne Silber
sich einen Schatz für ihr Alter zur Hülfe wider das anrückende
Heer des Frühlings machen? Die trunkene Narcisse ist bemüht,
im Zauberschlafe mit dem Traume des Goldes ihr sehnendes Auge
zu färben, und im steinernen unbarmherzigen Herzen des Berges
stocken die Blutadern (die Rubinen) aus Begierde, sich von der
goldausstreuenden Sonne Einiges zu erwerben. Wie könnte das
Gold einem Stücke Papier sich vergleichen? wie könnte den
Werth von jenem dieses erreichen, welches durch einen Funken
aufgeht in Rauch und wie die Töchter der Luft (die Dämpfe)
davonfliegt bei des Windes geringstem Hauch, welches durch
einen Tropfen Thau wird des Wassers Raub und im Staube wird zu
Staub? Die Prahlerei kannte keine Gränzen mehr, und durch die
Vergleichungen und Herausstreichungen ward die Traurigkeit
immer mehr und mehr. Im Silkide d. J. 693 (1293) kam das
Papiergeld zu Tebris in Lauf und vermöge der Herzensknoten und
den Maassregeln von der Vernunft geboten, begann man sogleich,
um seine Seele zu schützen und um etwas zu besitzen, mit
Speisen und Waaren niedrigen Handel und Wandel. Binnen drei
Tagen war Tebris, welches das kleine Kairo hiess, wie der
Beutel der Geduld der Sehnsüchtigen leer; im Lande war kein
Glanz und keine Freude mehr, und die Brust der Sicherheit und
Rechtlichkeit hatte nicht Fett noch Schmeer. Die Laden und
Gassen waren wie öde Häuser verlassen und geleert, die Thore
des Handels und Wandels waren versperrt. Verkaufte man den Man
Brotes um Einen Dukaten, so glaubten die Käufer, dass sie
gewonnen, und die Verkäufer, dass sie verloren hatten. Ein
Freund erzählte mir vom Blitze der Witze jener Gegend, was
folgt: In dieser Umstände drängender Gefährde stand ich
gaffend zu Tebris auf dem Markte der Pferde. Die Verkäufer
schlugen ein Pferd, das um fünfzehn Goldstücke doppelt bezahlt
gewesen wäre, schlugen dasselbe, fortgezogen durch der
Begebenheiten Wogen, um hundert und fünfzig Dukaten
Papiergeldes an, und der Käufer, aus Freude über den grossen
Preis, lief herum im Kreis, um durch diesen Reigen gleichsam
die Bewegung des Pferdes zu zeigen; dann bestieg er einen
Gaul, tummelte denselben nicht faul, bis er aus den Augen
verschwand. Seine Abreise war zum folgenden Verse der
Realcommentar:
A. V. des Verfass.: Wer das Papiergeld erfand, verführt
als schlimmer Betrüger,
Unter den Hunden ist keiner so trügrisch wie er.
Der Lärmen und das Getöse, der Saus und Braus der Nationen
stieg bis an den Gürtel der Constellationen; die Befehlshaber
und das Heer hatten keine Geduld mehr, das gemeine Volk flehte
am Freitag in der Moschee mit klagendem Gebete; es verlauteten
die Klagen über die Ungerechtigkeit, womit sie geschlagen. Sie
verfluchten den Aseddin Mosaffir mit allen denen, welche zu
dieser Neuerung und Theuerung das Gleiche beigetragen:
Spruch der Ueberlieferung: „Wer schlechte Sitte
eingesetzt, dem wird sie bleiben als Last bis an den jüngsten
Tag.“
Sie wollten ihn mit seinen Einverstandenen erschlagen. Sie
flohen aus dem Kreise und nahmen mit ihrer Seele bösen Namen
mit auf die Reise. Die Trefflichen und Dichter der Zeit waren,
ihn mit Spottgedichten zu durchgeiseln, bereit; so sagte Einer
derselben, als er den Namen Amidol-mülk, die Säule des Reichs,
angenommen:
Das Schiff Amidol-mülk's inmitten Reichsgefahr,
Ist wie das Wasser, wenn damit ein Schiff gefüllt.
Sein schlechter Bart ist schlechter als des Hundes Haar,
Diess ist dagegen Atlas und ein seidner Quilt.
Sieh, ob er morgen stehet noch auf dem Altar,
Wiewohl er heute für des Reiches Summe gilt.
Auch das folgende Bruchstück reimte Einer:
Du bist nicht Weltenehre, du bist der Schimpf der Welt, Die
auf dein Sein und Wohl nicht das Geringste hält. Wenn Geber,
Jud, Moslim vor der Altäre Stufen Ormusd, Jehova und Allah ist
gross! ausrufen, So flehen alle drei in Unterthänigkeit Zur
Majestät des Herrn, der Welten Glück verleiht, Es möge ihm in
dieser Welt von allen Dingen Kein einziges nach seines Herzens
Wunsch gelingen!
Zu Schiras wurden fünf Tomane Goldes in Sachen des
Papiergeldes ausgegeben. Da das Papier, in welchem das Capital
der Männer von Verdienst bestand, auf vierzig Weisen ging von
Hand zu Hand, so hätte der, welcher heimlich von den Nowaben
der Papierfabrik einen Teller Goldes hätte erwirkt, spurlos
wie das Gold sein Dasein verwirkt. Zu dieser Zeit wurde an
einen Bruder der Reinigkeit (an einen guten Freund) wie es
scheint, das folgende Bruchstück verfertigt und in der
gehörigen Form abgefertigt: „Der Sicherheit Kiel laufe auf dem
Blatte der Wohlfahrt für NN. zum Ziel! und Gott helfe Dir, wo
Du immer sein mögest, gleichviel! Der aufrichtige Wohlwünscher
und ganz eigene Sehnsüchtige legt gleich der Feder den Gürtel
freundschaftlicher Liebe um die Mitte an; er hat den Mund zu
wohlduftendem Preise und eröffnendem Wunsche aufgethan, und
stellt das Gesicht reinen Verhältnisses weiss und klar mit
Schriftzeichen der Aufrichtigkeit folgendermaassen dar: Das
offene Feld der Sehnsucht nach dem Umgange mit dem Freunde,
dem vertrauten, welcher süsser als das gewöhnliche Leben, hat
sich Perlen gleich so ausgebreitet, dass es unmöglich ist, die
Länge und Breite dieses Feldes mittels der Messkunst des
zweizüngigten Kieles und mittels der Quadratfläche des
zweigesichtigen Papieres,
„Dieses ist heut in der Welt eben so wenig zu finden als
der Ambra,“
auszumessen. Schon geraume Zeit ist's, dass die goldenen
Papageien der Federn, welche das Wort ausschreien:
„Mittels der Federn werden die Länder regiert,“
von der Moschustränke der Gnaden des Tintenzeuges dem
weissen Silbersitze der Gärten der Wörter nicht zugeflogen,
und dass die Gesandten freundschaftlicher Anzeige aus dem
Kairewan des Westens nach dem Lande des Südens Botschaft
bringend ausgezogen. Wenn das Gemüth Gedanken und ihren
Ausdruck flieht, so muss der Kiel der Denkkraft auf
eingebildetem Blatte weilen oder die rothe Thräne die Schwärze
des gekränkten Auges heilen. Es wird erwartet, dass einige
Blätter jener Art, von welchen allein vor diesem Freund die
Rede (einige Blätter Papiergeldes) wie Blätter der Bäume voll
Glanz, wie Busen der Schönen geglättet ganz, hell wie das
aufgehende Licht und wie der aufrichtige Morgen, wenn er
anbricht, die Klagen der auf den Kopf geschlagenen Feder
stillen werden. Bliebe aber das Gesicht dieser begehrten
Sicherheit in den Schleier der Verweigerung verhüllt, so ist
dieses Stoffes genug, dass der trauernde Kiel der Klage über
Unterdrückung nach dem Papierhemde der Bedrückten lange und
das Gestöhne der kratzenden Feder bis zum Gipfel des Himmels
Merkur's, des Schreibers des Himmels, gelange; dass der Kiel
mit der Zunge Chakani's aus Schirwan, des Chakans der
Bedeutungen, diesen Vers anwende:
Für mich sei Freundeshand als Klägerhemd gewandt,
Weil er verweigert mir die Feder, das Papier,
und demselben sende.“ Als nun die Klage der Erde und der
Stunde gedrungen zu des Himmels Runde, als die That und das
Messer drang in die Seele ein und das Messer geschnitten bis
an das Bein, als der Strom gelangt war zum Munde, stellten die
Emire und Nuwianen einstimmig dem Herrn des Diwans vor: Wenn
dieser Zustand noch einige Zeit dauert; so ist aller Glanz der
Länder aufgegeben, und es ist unmöglich die weitere Verwirrung
zu heben:
„Willst du, dass man dir gehorche, so fordre nur das
Mögliche!“
Da ergingen wirksame Befehle, dass man das Papiergeld
abstelle. Gesandte gingen nach allen Seiten, um die
Abschneidung des Bösen und Einkleidung dieser Maassregel
einzuleiten. So ward durch Gottes, des Allmächt'gen, Gnade
dieses ungeheure Unglück:
Koransvers: Weist du, was da die Flammenwuth? Es ist der
Hölle brennende Gluth!
abgekehrt und den Gemüthern aller Völker Freude gewährt.
Vornehme und Gemeine sagten:
„Gott sei gelobt und gebenedeit! Er hat von uns
abgewendet die Traurigkeit; denn Er ist unser Herr, der Allen
Alles verzeiht; Er liebet die Dankbarkeit.“