I. Beilage.
Auszug aus der Geschichte Haider's über Dschudschi.
Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. Bibliothek
zu Berlin. Band II. Blatt 601.
Kurz Dschudschi starb ein Jahr nach Tschengis Chan, aber
die Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's
nicht einig. Einige sagen, dass Dschudschi Chan, nachdem er
sich nach der Eroberung Chuaresm's von den Brüdern getrennt,
nach Kipdschak gegangen, von dort aber wieder zurückgekehrt,
an der Gränze Indiens mit des Vaters Gegenwart geadelt ward,
und demselben tausend Schimmel zum Geschenke schickte; aber
Hafis Ebru setzt das Gegentheil auseinander, nämlich, dass
nach der bei der Belagerung Chuaresm's zwischen Dschudschi,
Ogotai und Dschaghatai vorgefallenen Misshelligkeit
Dschaghatai und Ogotai sich zum Vater begaben und an der
Gränze Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart
geadelt worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm gegen
den Irtisch, wo sich dessen schweres Gepäck befand, begab, und
sich mit seinen Lagern vereinte. Da Tschengis Chan früher
befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen Länder, nämlich
die der Bulgaren, Baschkiren, Russen, Tscherkessen und
Deschtkipdschak erobern solle, und Dschudschi sich jetzt gegen
den Irtisch gewendet hatte, so glaubten die Söhne Tschengis
Chan's, dass Dschudschi vermöge Befehls diesem Dienste
obliege; als es aber zuletzt erhellte, dass er Nichts
unternahm, und nach Hause gegangen war, um des Wohllebens zu
geniessen, ergrimmte Tschengis Chan gar sehr und befahl, an
demselben, ohne dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des
Gesetzes zu vollziehen. Unterdessen war Dschudschi mit
Krankheit behaftet und war desshalb, als Tschengis Chan aus
Persien zurückgekehrt, in sein eigenes Lager gekommen; er war
nicht im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und
schickte ihm blos einige Säcke von Turteltauben, indem er sich
mit seiner Krankheit entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute
von den Jurten und Gränzen Dschudschi's zu Tschengis Chan; auf
dem Wege sah er, dass dieser seine Jurten verändert, an einen
anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward; da er selber krank,
hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt; jener, der im
Vorüberziehen eine Menge Volks jagen gesehen, schloss daraus,
dass Dschudschi selber jage, und sagte daher, als Tschengis
Chan um die Krankheit denselben fragte: Ich weiss von seiner
Krankheit Nichts, denn als ich herzog, habe ich ihn an dem und
dem Berge mit der Jagd beschäftigt gefunden; dieses Wort
brachte Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es war in
seinem Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer, auf
das Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi ist
närrisch geworden und hat thörichte Handlungen begangen; nun
ist es nothwendig, Truppen wider ihn zu schicken, an deren
Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen und ihm nachsetzen
sollen. Unterdessen lief die Nachricht von Dschudschi's Tod
ein, wodurch Tschengis Chan sehr betrübt ward; er zog genauere
Erkundigung ein, und als er fand, dass der Bericht jenes
Tanguten Lüge und Verläumdung gewesen, gab er den Befehl, ihn
hinzurichten; allein dieser, hiervon verständigt, war früher
aus dem Lager entflohen. Die Zeit der Lebensjahre Dschudschi's
war dreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denen Batu
ihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne
Dschudschi's sind die folgenden: 1) Orda, 2) Batu, 3) Berke,
4) Berketschiter, 5) Jetukami?, 6) Scheiban, 7) Tangkut, 8)
Juden (Tuden?), 9) Tschilaun, 10) Sikur, 11) Dschemi, 12) Udur,
13) Boka Timur, 14) Schikum.
Hier sind nur vierzehn statt fünfzehn aufgeführt; es fehlt
nämlich der von Reschideddin vor Udur aufgeführte Mohammed;
dafür fehlt bei Reschideddin Jetukami, welcher interpolirt
scheint. Weiter ist über diese Namen zu bemerken, dass der
dritte bei D'Ohsson S. 325 Berkatschar, in der Handschrift
Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek Berktschapar, was
jedoch ob Mangel der Punkte zweifelhaft und in meiner
Handschrift des Dschihanguscha bei der Thronbesteigung
Ogotai's Berketschiter genennet wird. Das letzte scheint das
richtigste und eine Zusammenziehung von Berke kitschikter, d.
i. der kleinere Berke, zu sein; der vierte, hier Juden oder
vielmehr Tuden genannt, heisst bei Reschideddin Tewal; der
folgende bei demselben richtiger Tschilaikun statt Tschilaun,
was daraus zusammengezogen. Der hier Dschemi genannte heisst
bei Reschideddin Dschintimai und ist aller Wahrscheinlichkeit
derselbe mit Suntai, welchen Wassaf in dem Abschnitte: von dem
Ende Tschengis Chan's und der Thronbesteigung seines
Nachfolgers, mit dem Bruder Batu nennt, und welcher auch im
Dschihanguscha als der Befehlshaber des zur Eroberung des
Restes von Kipdschak gesandten Heeres erscheint; endlich ist
vom vorletzten, Boka Timur, zu bemerken, dass derselbe beim
Abul Ghasi (B. 96 der Textausgabe) Tokai Timur heisst, dass
Boka Timur im Dschihanguscha im Geleite Batu's bei der
Thronbesteigung Ogotai's erscheint, während nach Abul Ghasi
Tokai Timur als Regent in Kipdschak zurückgelassen ward.
Hierauf folgt bei Haider die Aufzählung der Chane der weissen
Horde: 1) Menkai, 2) Sasi Boka, 3) Eideren Ben Sasi, 4)
Tschitschai, Sohn Eideren's, 5) Urus Chan, Sohn Tschitschai's,
6) Tokatmisch Chan. Im Munedschimbaschi (auf der kais.
Hofbibliothek Bl. 397) heisst 1) Sasi Boka der Sohn Tuli's,
des Sohnes Orda's; ihm folgt, 2) Ebrsan, der Eideren Haider's,
3) Mubarek Chodscha, 4) Schintai, der Tschitschai Haider's, 5)
Urus Chan. Hierüber ist zu bemerken, dass in den
Geschlechtstafeln bei Reschideddin unter den Söhnen Orda's
kein Menkai vorkömmt, welcher nach Haider's Angabe, sowie Tuli
nach der Munedschinbaschi's, der Vater Sasi Boka's gewesen
sein soll; nach Reschideddin war Sasi Boka der Sohn Pajan's,
des Sohnes Kubindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des Sohnes
Orda's, so dass er der Ururenkel Orda's und nicht der Enkel
desselben gewesen, was wohl als das richtigere anzunehmen ist.
Im Abul Ghasi (S. 99 der Textausgabe) erscheint Tokatmisch als
der Sohn Chodschaoghlan's, des Sohnes Tukkul's, des Sohnes
Saritsche's, des Sohnes Us Timur's, des Sohnes Tokai Timur's,
des Sohnes Dschudschi's.