Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

I. Beilage.

Auszug aus der Geschichte Haider's über Dschudschi.

Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. Bibliothek zu Berlin. Band II. Blatt 601.

Kurz Dschudschi starb ein Jahr nach Tschengis Chan, aber die Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's nicht einig. Einige sagen, dass Dschudschi Chan, nachdem er sich nach der Eroberung Chuaresm's von den Brüdern getrennt, nach Kipdschak gegangen, von dort aber wieder zurückgekehrt, an der Gränze Indiens mit des Vaters Gegenwart geadelt ward, und demselben tausend Schimmel zum Geschenke schickte; aber Hafis Ebru setzt das Gegentheil auseinander, nämlich, dass nach der bei der Belagerung Chuaresm's zwischen Dschudschi, Ogotai und Dschaghatai vorgefallenen Misshelligkeit Dschaghatai und Ogotai sich zum Vater begaben und an der Gränze Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart geadelt worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm gegen den Irtisch, wo sich dessen schweres Gepäck befand, begab, und sich mit seinen Lagern vereinte. Da Tschengis Chan früher befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen Länder, nämlich die der Bulgaren, Baschkiren, Russen, Tscherkessen und Deschtkipdschak erobern solle, und Dschudschi sich jetzt gegen den Irtisch gewendet hatte, so glaubten die Söhne Tschengis Chan's, dass Dschudschi vermöge Befehls diesem Dienste obliege; als es aber zuletzt erhellte, dass er Nichts unternahm, und nach Hause gegangen war, um des Wohllebens zu geniessen, ergrimmte Tschengis Chan gar sehr und befahl, an demselben, ohne dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des Gesetzes zu vollziehen. Unterdessen war Dschudschi mit Krankheit behaftet und war desshalb, als Tschengis Chan aus Persien zurückgekehrt, in sein eigenes Lager gekommen; er war nicht im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und schickte ihm blos einige Säcke von Turteltauben, indem er sich mit seiner Krankheit entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute von den Jurten und Gränzen Dschudschi's zu Tschengis Chan; auf dem Wege sah er, dass dieser seine Jurten verändert, an einen anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward; da er selber krank, hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt; jener, der im Vorüberziehen eine Menge Volks jagen gesehen, schloss daraus, dass Dschudschi selber jage, und sagte daher, als Tschengis Chan um die Krankheit denselben fragte: Ich weiss von seiner Krankheit Nichts, denn als ich herzog, habe ich ihn an dem und dem Berge mit der Jagd beschäftigt gefunden; dieses Wort brachte Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es war in seinem Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer, auf das Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi ist närrisch geworden und hat thörichte Handlungen begangen; nun ist es nothwendig, Truppen wider ihn zu schicken, an deren Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen und ihm nachsetzen sollen. Unterdessen lief die Nachricht von Dschudschi's Tod ein, wodurch Tschengis Chan sehr betrübt ward; er zog genauere Erkundigung ein, und als er fand, dass der Bericht jenes Tanguten Lüge und Verläumdung gewesen, gab er den Befehl, ihn hinzurichten; allein dieser, hiervon verständigt, war früher aus dem Lager entflohen. Die Zeit der Lebensjahre Dschudschi's war dreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denen Batu ihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne Dschudschi's sind die folgenden: 1) Orda, 2) Batu, 3) Berke, 4) Berketschiter, 5) Jetukami?, 6) Scheiban, 7) Tangkut, 8) Juden (Tuden?), 9) Tschilaun, 10) Sikur, 11) Dschemi, 12) Udur, 13) Boka Timur, 14) Schikum.

Hier sind nur vierzehn statt fünfzehn aufgeführt; es fehlt nämlich der von Reschideddin vor Udur aufgeführte Mohammed; dafür fehlt bei Reschideddin Jetukami, welcher interpolirt scheint. Weiter ist über diese Namen zu bemerken, dass der dritte bei D'Ohsson S. 325 Berkatschar, in der Handschrift Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek Berktschapar, was jedoch ob Mangel der Punkte zweifelhaft und in meiner Handschrift des Dschihanguscha bei der Thronbesteigung Ogotai's Berketschiter genennet wird. Das letzte scheint das richtigste und eine Zusammenziehung von Berke kitschikter, d. i. der kleinere Berke, zu sein; der vierte, hier Juden oder vielmehr Tuden genannt, heisst bei Reschideddin Tewal; der folgende bei demselben richtiger Tschilaikun statt Tschilaun, was daraus zusammengezogen. Der hier Dschemi genannte heisst bei Reschideddin Dschintimai und ist aller Wahrscheinlichkeit derselbe mit Suntai, welchen Wassaf in dem Abschnitte: von dem Ende Tschengis Chan's und der Thronbesteigung seines Nachfolgers, mit dem Bruder Batu nennt, und welcher auch im Dschihanguscha als der Befehlshaber des zur Eroberung des Restes von Kipdschak gesandten Heeres erscheint; endlich ist vom vorletzten, Boka Timur, zu bemerken, dass derselbe beim Abul Ghasi (B. 96 der Textausgabe) Tokai Timur heisst, dass Boka Timur im Dschihanguscha im Geleite Batu's bei der Thronbesteigung Ogotai's erscheint, während nach Abul Ghasi Tokai Timur als Regent in Kipdschak zurückgelassen ward. Hierauf folgt bei Haider die Aufzählung der Chane der weissen Horde: 1) Menkai, 2) Sasi Boka, 3) Eideren Ben Sasi, 4) Tschitschai, Sohn Eideren's, 5) Urus Chan, Sohn Tschitschai's, 6) Tokatmisch Chan. Im Munedschimbaschi (auf der kais. Hofbibliothek Bl. 397) heisst 1) Sasi Boka der Sohn Tuli's, des Sohnes Orda's; ihm folgt, 2) Ebrsan, der Eideren Haider's, 3) Mubarek Chodscha, 4) Schintai, der Tschitschai Haider's, 5) Urus Chan. Hierüber ist zu bemerken, dass in den Geschlechtstafeln bei Reschideddin unter den Söhnen Orda's kein Menkai vorkömmt, welcher nach Haider's Angabe, sowie Tuli nach der Munedschinbaschi's, der Vater Sasi Boka's gewesen sein soll; nach Reschideddin war Sasi Boka der Sohn Pajan's, des Sohnes Kubindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des Sohnes Orda's, so dass er der Ururenkel Orda's und nicht der Enkel desselben gewesen, was wohl als das richtigere anzunehmen ist. Im Abul Ghasi (S. 99 der Textausgabe) erscheint Tokatmisch als der Sohn Chodschaoghlan's, des Sohnes Tukkul's, des Sohnes Saritsche's, des Sohnes Us Timur's, des Sohnes Tokai Timur's, des Sohnes Dschudschi's.

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