Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Alghui.

Alghui, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha eingesetzte Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als er nach Turkistan gekommen, ein Heer von mehr als hunderttausend Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz Nikpei Aghul (Sohn Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's), war an der Spitze von fünf tausend Mann in Transoxana eingefallen, und hatte zu Samarkand und Bochara, das damals zum Gebiete Kipdschak's gehörte, geraubt und die Angehörigen Berke's getödtet, unter diesen auch den grossen Scheich Seifeddin Bachersi. Gesandte Arikbugha's, an deren Spitze Schadi, der Sohn Jaschmut's des Arkaun, d. i. des nestorianischen Priesters, forderten vermittels Jerlighs die Zurückstellung der geraubten Güter, welche Alghui verweigerte, und eben darum die Gesandten tödtete. Hierüber ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu Karakorum forderte er die Einwohner zur Hilfeleistung auf; die Imame, die Schreiber der Christen entschuldigten sich, dass sie die Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg derselben beten könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er das treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien Tschengischan's und Mengku's bestätigte, sie alle zu Tarchanen (Freiherren) ernannte; Vorfälle in China nöthigten ihn, bald wieder zurückzukehren. Karabuka, der Befehlshaber des Vortrabs Arikbugha's, war von Alghui zu Sutgol, d. i. am Milchsee, geschlagen und getödtet worden. Alghui zog sich sorglos an's Ufer des Hile Muran; von dem Prinzen Suntai, welcher das Heer Arikbugha's befehligte, geschlagen, ging er über die Anhöhen von Timurkahalka und den Hile Muran nach Almaligh, dem Jurte Alghui's, und plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau und die Truppen des rechten Flügels, welche Suntai noch nicht geschlagen, und flüchtete damit nach Choten und Kaschghar. Arikbugha brachte den Winter am Hile Muran und zu Almaligh in Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen des Kaan's aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach Samarkand und Bochara gezogen, wohin auch Dschumkur, der bisher von Arikbugha bei sich zurückgehaltene Sohn Hulagu's, kam, indem ihm Arikbugha, um seine Gesundheit herzustellen, sich jenseits des Oxus zu begeben erlaubt hatte. Das Benehmen Arikbugha's, welcher überall die Leute des Kaan's aufsuchte und tödtete, entwandte ihm die Herzen der Bewohner und eine Hungersnoth schwächte gewaltig die Zahl seiner Truppen. Dazu kam die böse Vorbedeutung eines Sturmes, welcher das an tausend Pflöcken befestigte Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben viele Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach allen Seiten, nur einige wenige blieben mit Arikbugha und Suntai zu Almaligh. Unterdessen war Uriktasch, der Sohn Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder Suntai, mit Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am Altai und die Truppen schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha, um ihm das grosse Siegel seines Vaters Mengku, welches bisher in Arikbugha's Händen, abzufordern, und dieser lieferte es aus. Alghui, welchem hieraus die Schwäche Arikbugha's kund geworden, zog nun wider ihn, und begehrte die Herausgabe der Frau Hirghana, der Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukjan's, welche vor einiger Zeit, um die Beschwerden Alghui's anzubringen, in's Lager Arikbugha's gegangen, von demselben zurückbehalten worden war. Er sandte sie mit ihrem Minister Mesud, dem Sohne von Jelwadsch, zurück. Alghui empfing sie ehrenvoll und bestellte den Mesud zur Verwaltung der Länder jenseits des Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara residirte. Durch seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz und die Macht Alghui's, der sich zu wiederholtenmalen mit dem Heere Berke's schlug, und diesem Otrar entriss; ihm gegenüber stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's der Prinz Kaidu, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's. Anfangs von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben verlassen und sich zu Berke geflüchtet, der ihm sein Vertrauen schenkte, weil die Astrologen das Horoscop Kaidu's ungemein günstig und glückvorbedeutend gefunden. Bald hierauf starb Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's ward ihr Sohn Mubarekschah als Herrscher des Uluses Dschagatai anerkannt.

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