Drittes Buch
Alghui.
Alghui, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha
eingesetzte Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als er
nach Turkistan gekommen, ein Heer von mehr als hunderttausend
Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz Nikpei Aghul (Sohn
Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's), war an der Spitze
von fünf tausend Mann in Transoxana eingefallen, und hatte zu
Samarkand und Bochara, das damals zum Gebiete Kipdschak's
gehörte, geraubt und die Angehörigen Berke's getödtet, unter
diesen auch den grossen Scheich Seifeddin Bachersi. Gesandte
Arikbugha's, an deren Spitze Schadi, der Sohn Jaschmut's des
Arkaun, d. i. des nestorianischen Priesters, forderten
vermittels Jerlighs die Zurückstellung der geraubten Güter,
welche Alghui verweigerte, und eben darum die Gesandten
tödtete. Hierüber ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu
Karakorum forderte er die Einwohner zur Hilfeleistung auf; die
Imame, die Schreiber der Christen entschuldigten sich, dass
sie die Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg derselben
beten könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er
das treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien
Tschengischan's und Mengku's bestätigte, sie alle zu Tarchanen
(Freiherren) ernannte; Vorfälle in China nöthigten ihn, bald
wieder zurückzukehren. Karabuka, der Befehlshaber des Vortrabs
Arikbugha's, war von Alghui zu Sutgol, d. i. am Milchsee,
geschlagen und getödtet worden. Alghui zog sich sorglos an's
Ufer des Hile Muran; von dem Prinzen Suntai, welcher das Heer
Arikbugha's befehligte, geschlagen, ging er über die Anhöhen
von Timurkahalka und den Hile Muran nach Almaligh, dem Jurte
Alghui's, und plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau
und die Truppen des rechten Flügels, welche Suntai noch nicht
geschlagen, und flüchtete damit nach Choten und Kaschghar.
Arikbugha brachte den Winter am Hile Muran und zu Almaligh in
Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen des Kaan's
aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach Samarkand und
Bochara gezogen, wohin auch Dschumkur, der bisher von
Arikbugha bei sich zurückgehaltene Sohn Hulagu's, kam, indem
ihm Arikbugha, um seine Gesundheit herzustellen, sich jenseits
des Oxus zu begeben erlaubt hatte. Das Benehmen Arikbugha's,
welcher überall die Leute des Kaan's aufsuchte und tödtete,
entwandte ihm die Herzen der Bewohner und eine Hungersnoth
schwächte gewaltig die Zahl seiner Truppen. Dazu kam die böse
Vorbedeutung eines Sturmes, welcher das an tausend Pflöcken
befestigte Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben
viele Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach
allen Seiten, nur einige wenige blieben mit Arikbugha und
Suntai zu Almaligh. Unterdessen war Uriktasch, der Sohn
Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder Suntai, mit
Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am Altai und die Truppen
schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha, um ihm das
grosse Siegel seines Vaters Mengku, welches bisher in
Arikbugha's Händen, abzufordern, und dieser lieferte es aus.
Alghui, welchem hieraus die Schwäche Arikbugha's kund
geworden, zog nun wider ihn, und begehrte die Herausgabe der
Frau Hirghana, der Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes
Muwatukjan's, welche vor einiger Zeit, um die Beschwerden
Alghui's anzubringen, in's Lager Arikbugha's gegangen, von
demselben zurückbehalten worden war. Er sandte sie mit ihrem
Minister Mesud, dem Sohne von Jelwadsch, zurück. Alghui
empfing sie ehrenvoll und bestellte den Mesud zur Verwaltung
der Länder jenseits des Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara
residirte. Durch seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz
und die Macht Alghui's, der sich zu wiederholtenmalen mit dem
Heere Berke's schlug, und diesem Otrar entriss; ihm gegenüber
stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's der Prinz
Kaidu, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's.
Anfangs von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben
verlassen und sich zu Berke geflüchtet, der ihm sein Vertrauen
schenkte, weil die Astrologen das Horoscop Kaidu's ungemein
günstig und glückvorbedeutend gefunden. Bald hierauf starb
Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's ward ihr Sohn
Mubarekschah als Herrscher des Uluses Dschagatai anerkannt. |