Drittes Buch
Arikbugha.
Nach dem Tode Mengkukaan's, dessen Todeskunde seinen Bruder
Hulagu zur Rückkehr aus Syrien, wie vor vierzig Jahren die
Nachricht von dem Tode Ogotai's dessen Vetter Batu zum Abzuge
aus Ungarn veranlasst, hatten die im Kurultai versammelten
Prinzen, welche den Kubilai zum Kaan und Moilchan ausgerufen,
hundert Gesandte an Arikbugha, dessen Bruder und Nebenbuhler
um den Thron, abgeordnet, um ihm die Nachricht zu überbringen,
dass durch einstimmigen Beschluss der Prinzen Kubilai den
Thron als grosser Chan bestiegen und Apuschkan, der Urenkel
Dschagatai's dem Uluse seines Grossvaters vorgesetzt, mit
seinem jüngeren Bruder Kasar dorthin abgesendet worden sei.
Die hundert Gesandten trafen an der Gränze Tangkut's Arikbugha,
der sie einkerkern liess und ein von dem zweitgebornen Sohne
Hulagu's, dem Prinzen Dschumkur, und Karatschar, dem Sohne
Orda's, befehligtes Heer gegen Kubilai sandte; sie wurden
geschlagen und gefangen; Arikbugha liess die hundert Gesandten
hinrichten und zog sich in's Land der Kirgisen zurück. Er
wandte sich an Alghui, den Sohn Paidar's (des vor Olmütz
gefallenen Peta), mit der Bitte, für ihn als Gränzhüter am
Oxus die Truppen Hulagu's und Berke's abzuwehren. Indess
sammelte sich für ihn ein Heer zu Kaschghar, das bald über
hundert fünfzigtausend stark, in vollem Aufruhre wider Kubilai.
Dieser sandte wider die Rebellen ein von dem Jeke Kadak und
Karadschu, dem Sohne Dschudschi Kasar's (des Bruders
Tschengischan's), befehligtes Heer, das geschlagen und
zerstreut ward. Die Prinzen Anführer flüchteten zu Arikbugha,
der flüchtig und halb verhungert (denn Kubilai hatte ihm die
Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten) im Lager der Kirgisen
und Kemdschiuten weilte. Kubilai hatte zu Karakorum die vier
Lager Arikbugha's und das des mit ihm verbündeten Gulgan's
(des fünften Sohnes Tschengischan's) aufgehoben. Arikbugha
sandte Botschaft mit dem Bekenntniss seiner Schuld und Bitte
um Verzeihung; er erwarte nur, dass seine Pferde fett und dass
Hulagu, Berke und Alghui kämen, um sich mit ihnen dem Kaan
huldigend zu Füssen zu werfen. Kubilai sandte Antwort: dass,
wenn er, ohne die Ankunft der Prinzen abzuwarten, erscheinen
wolle, seine Ankunft um so willkommener sein würde, und zog
sich nach Karawin Dschidun, wo er die zu Karakorum
aufgehobenen Lager Arikbugha's und Gulgan's freigab. Zu dieser
Zeit war häufiger Gesandtenwechsel zwischen Kubilai mit seinem
Bruder Hulagu und seinem Vetter Berke, dem Herrn des Uluses
Dschudschi, und Alghui, dem Haupte des Uluses Dschaghatai, die
sich nun dem Kaan näherten. Er gab ihnen kund, dass Alghui das
Land vom Altai bis zum Oxus, Hulagu vom Oxus bis nach Aegypten
besetzen möge, während er selbst die Länder vom Altai bis an's
chinesische Meer hüten wolle. Arikbugha brach, sobald seine
Pferde sich wieder erholt hatten, wieder als Rebelle gegen die
Macht Kubilai's auf, überfiel den Prinzen Jesunke, den Neffen
Kubilai's, welcher die Vorhut desselben befehligte, und schlug
ihn. Das Heer Arikbugha's und das Kubilai's schlugen sich zu
Indschije Kutku am Hügel Chodscha Buldak. Das Heer der
Rebellen wurde geschlagen und viele Uiraten getödtet. Suntai,
der Sohn des letzten Kaan Mengku's, berieth sich mit Arikbugha,
und sie beschlossen, eine zweite Schlacht zu liefern, am Rande
der Sandwüste, in der Olt genannten Gegend, zu Schirghan
Taghun am Hügel Schilklik. Der rechte Flügel Arikbugha's war
geschlagen, aber der linke hielt tapfer bis in die sinkende
Nacht aus, welche die beiden Heere trennte, die sich in die
Winterquartiere begaben. Arikbugha, durch diesen wiederholten
Versuch, seine Streitkräfte mit denen Kubilai's zu messen,
ermuthigt, sandte im nächsten Jahre seine Waffen wider Alghui,
welchen er als Herrn des Uluses Dschaghatai eingesetzt und von
welchem er zu wiederholtenmalen Hilfe begehrt hatte, ohne
dieselbe zu erhalten. |