Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Arikbugha.

Nach dem Tode Mengkukaan's, dessen Todeskunde seinen Bruder Hulagu zur Rückkehr aus Syrien, wie vor vierzig Jahren die Nachricht von dem Tode Ogotai's dessen Vetter Batu zum Abzuge aus Ungarn veranlasst, hatten die im Kurultai versammelten Prinzen, welche den Kubilai zum Kaan und Moilchan ausgerufen, hundert Gesandte an Arikbugha, dessen Bruder und Nebenbuhler um den Thron, abgeordnet, um ihm die Nachricht zu überbringen, dass durch einstimmigen Beschluss der Prinzen Kubilai den Thron als grosser Chan bestiegen und Apuschkan, der Urenkel Dschagatai's dem Uluse seines Grossvaters vorgesetzt, mit seinem jüngeren Bruder Kasar dorthin abgesendet worden sei. Die hundert Gesandten trafen an der Gränze Tangkut's Arikbugha, der sie einkerkern liess und ein von dem zweitgebornen Sohne Hulagu's, dem Prinzen Dschumkur, und Karatschar, dem Sohne Orda's, befehligtes Heer gegen Kubilai sandte; sie wurden geschlagen und gefangen; Arikbugha liess die hundert Gesandten hinrichten und zog sich in's Land der Kirgisen zurück. Er wandte sich an Alghui, den Sohn Paidar's (des vor Olmütz gefallenen Peta), mit der Bitte, für ihn als Gränzhüter am Oxus die Truppen Hulagu's und Berke's abzuwehren. Indess sammelte sich für ihn ein Heer zu Kaschghar, das bald über hundert fünfzigtausend stark, in vollem Aufruhre wider Kubilai. Dieser sandte wider die Rebellen ein von dem Jeke Kadak und Karadschu, dem Sohne Dschudschi Kasar's (des Bruders Tschengischan's), befehligtes Heer, das geschlagen und zerstreut ward. Die Prinzen Anführer flüchteten zu Arikbugha, der flüchtig und halb verhungert (denn Kubilai hatte ihm die Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten) im Lager der Kirgisen und Kemdschiuten weilte. Kubilai hatte zu Karakorum die vier Lager Arikbugha's und das des mit ihm verbündeten Gulgan's (des fünften Sohnes Tschengischan's) aufgehoben. Arikbugha sandte Botschaft mit dem Bekenntniss seiner Schuld und Bitte um Verzeihung; er erwarte nur, dass seine Pferde fett und dass Hulagu, Berke und Alghui kämen, um sich mit ihnen dem Kaan huldigend zu Füssen zu werfen. Kubilai sandte Antwort: dass, wenn er, ohne die Ankunft der Prinzen abzuwarten, erscheinen wolle, seine Ankunft um so willkommener sein würde, und zog sich nach Karawin Dschidun, wo er die zu Karakorum aufgehobenen Lager Arikbugha's und Gulgan's freigab. Zu dieser Zeit war häufiger Gesandtenwechsel zwischen Kubilai mit seinem Bruder Hulagu und seinem Vetter Berke, dem Herrn des Uluses Dschudschi, und Alghui, dem Haupte des Uluses Dschaghatai, die sich nun dem Kaan näherten. Er gab ihnen kund, dass Alghui das Land vom Altai bis zum Oxus, Hulagu vom Oxus bis nach Aegypten besetzen möge, während er selbst die Länder vom Altai bis an's chinesische Meer hüten wolle. Arikbugha brach, sobald seine Pferde sich wieder erholt hatten, wieder als Rebelle gegen die Macht Kubilai's auf, überfiel den Prinzen Jesunke, den Neffen Kubilai's, welcher die Vorhut desselben befehligte, und schlug ihn. Das Heer Arikbugha's und das Kubilai's schlugen sich zu Indschije Kutku am Hügel Chodscha Buldak. Das Heer der Rebellen wurde geschlagen und viele Uiraten getödtet. Suntai, der Sohn des letzten Kaan Mengku's, berieth sich mit Arikbugha, und sie beschlossen, eine zweite Schlacht zu liefern, am Rande der Sandwüste, in der Olt genannten Gegend, zu Schirghan Taghun am Hügel Schilklik. Der rechte Flügel Arikbugha's war geschlagen, aber der linke hielt tapfer bis in die sinkende Nacht aus, welche die beiden Heere trennte, die sich in die Winterquartiere begaben. Arikbugha, durch diesen wiederholten Versuch, seine Streitkräfte mit denen Kubilai's zu messen, ermuthigt, sandte im nächsten Jahre seine Waffen wider Alghui, welchen er als Herrn des Uluses Dschaghatai eingesetzt und von welchem er zu wiederholtenmalen Hilfe begehrt hatte, ohne dieselbe zu erhalten.

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