Drittes Buch
Begebenheiten zu Damaskus; Mord der mongolischen
Botschafter zu Kairo.
Am dritten Sonntage des Monats Ssafer waren die
Abgeordneten Hulagu's, vom Richter Muhijeddin Ben Seki
begleitet, angekommen, welcher sich nach Haleb begeben hatte
und dort von Hulagu zum Oberrichter ganz Syriens ernannt
worden war. Am folgenden Morgen versammelten sich die Bewohner
ohne Furcht in der grossen Moschee; Ibn Seki, mit dem
Ehrenkleide Hulagu's angethan, las den versammelten
Rechtsgelehrten das Diplom der Investitur (Taklid) des
mongolischen Herrschers und die Fermane, wodurch den Bewohnern
von Damaskus Sicherheit ihres Lebens und Gutes versprochen
ward. In der Hälfte des folgenden Monates waren die Generale
Hulagu's an der Spitze einer zahlreichen Truppenabtheilung von
Tataren im Geleite Keitbugha Nujan's erschienen und bald
darauf wurde durch ein Diplom der Richter Kemaleddin Omer von
Tiflis zum Stellvertreter der richterlichen Gewalt (Naibol-hukm)
ernannt, so dass er als Richter der Richter in den Städten
Syriens zu Mossul, Mardin und Miafarakain Recht sprach.
Dasselbe Diplom verlieh ihm die Aufsicht der Moscheen und der
frommen Stiftungen. Die Tataren hatten indessen ganz Syrien
überschwemmt; sie waren bis Ghasa, Beit, Dschibrail, Hebron
und Ssalt vorgedrungen, hatten überall geplündert und Sklaven
gemacht und verkauften die Beute auf den Märkten von Damaskus.
Die Christen von Damaskus, welche einen besonderen
Schutzbefehl Hulagu's zu Gunsten freier Religionsübung
erhalten hatten, übernahmen sich in der ihnen zugestandenen
Freiheit gegen die Moslimen, indem sie im Ramasan öffentlich
auf den Gassen Wein tranken und denselben vor den Moscheen
ausschütteten; sie zogen mit dem Kreuze durch die Strassen und
zwangen die Kaufleute, demselben aufzustehen, die sich dessen
Weigernden misshandelnd; Prozessionen zogen mit dem Kreuze
nach der Kirche der heiligen Jungfrau, von deren Kanzel der
Triumph des Christenthums über den Islam verkündet ward. Die
gekränkten und misshandelten Moslimen beschwerten sich darüber
beim mongolischen Statthalter, von dem sie, statt Ausrichtung
zu erhalten, mit Schlägen abgefertigt wurden; er überhäufte
die christlichen Priester mit Ehren, besuchte ihre Kirchen und
begünstigte offenbar das Christenthum. Eine merkwürdige Epoche
für die Geschichte christlicher Kirchen in Syrien während der
mongolischen Herrschaft unter der Statthalterschaft
Keitbugha's; aber diese dauerte nicht lange, denn Melik
Eschref, der ejubidische Fürst von Himss, erschien mit einem
Diplome Hulagu's, welches ihn zum Statthalter über ganz Syrien
bestellte. Indessen hatte der Emir Bedreddin Mohammed Ben
Kermdsche, der Festungsbefehlshaber der Citadelle von
Damaskus, und der Emir Dschelaleddin Ben Seirafi den
Entschluss gefasst, die Thore der Citadelle zu schliessen und
sich darin wider die Mongolen zu vertheidigen. Keitbugha
begann die Belagerung des Schlosses. Dieselbe dauerte fünf und
vierzig Tage mitten unter fürchterlichen Ungewittern, die mit
Erdbeben begleitet waren; mehr als zwanzig Wurfmaschinen
schleuderten Felsenstücke wider die Mauern, um sie zu
erschüttern, während eine Menge anderer Häuser durch das
Erdbeben einstürzten, und mit den Blitzen kreuzten sich die
Flammengeschosse des Naphta. Nachdem die Belagerten endlich zu
kapituliren begehrt, plünderten die Tataren das Schloss,
zündeten dasselbe an mehreren Ecken an, schleiften mehrere
Thürme und zerstörten alle Kriegsmaschinen; von hier zogen sie
nach Baalbek, wo die Citadelle ebenfalls zerstört ward; eine
andere Heeresabtheilung verheerte Bamias und die Umgegend.
Hulagu, nachdem er von Haleb abgezogen, liess dort den
Keitbugha und zu Damaskus den Baidera als Statthalter zurück
und führte sieben Emire der Mamluken Bahri, d. i. derer vom
Nile, mit sich. Bald darauf erschienen Botschafter Hulagu's
mit einem Schreiben an Kotos voll Drohungen, dessen Inhalt in
den folgenden Schlussworten desselben zusammengedrängt ist:
„Sag' dem Lande Aegypten, Hulagu kommt, begleitet von
entblössten Degen und schneidenden Schwertern; er wird die
Mächtigen demüthigen, die Grossen zurechtweisen und die Kinder
nachsenden den Greisen.“ Im gehaltenen Kriegsrathe der Emire
wurde beschlossen, die Botschafter Hulagu's, es waren deren
vier an der Zahl, zu vernichten; vor der Hand wurden sie aber
nur in den Kerker geworfen. Hälfte Schaaban's zog Sultan Kotos,
von seinen Truppen begleitet, aus dem Schlosse Kairo's gegen
Ssalihije aus. Unmittelbar vor seinem Auszuge wurden die vier
mongolischen Botschafter an vier der volkreichsten Plätzen der
Stadt, nämlich am Fusse des Schlosses, ausser dem Thore
Soweila, dem Thore Nassr und zu Ridhania entzweigehauen, ihre
Köpfe an dem Thore Soweila aufgehangen; vier bedeutungsvolle
Stätten, mehr als einmal in der späteren mamlukischen und
osmanischen Geschichte und bis in unsere Tage herunter durch
die Schlachten von Heeren und das Schlachten von
Menschenopfern blutig befleckt; durch das Thor Nassr's, d. i.
des Sieges, zogen die jeweiligen Eroberer Kairo's triumphirend
ein, am Fusse des Bergschlosses rann das Blut der letzten, von
Mohammed Ali veranstalteten Mamlukenvesper; in der Schlacht
von Ridhania zwischen Sultan Selim, dem Eroberer Aegyptens,
und Sultan Tumanbai, dem letzten Sultan der Mamluken, wurde
das tragische Schicksal des letzten entschieden, und am Thore
Soweila, wo jetzt die Köpfe der vier entzweigehauenen
mongolischen Botschafter hingen, baumelte dritthalbhundert
Jahre später der Kopf Tumanbai's, des letzten Sultan's der
Mamluken Tscherkessen. Im Gefolge der mongolischen Gesandten
befand sich ein Kind, welches der Sultan begnadigte und unter
die Zahl seiner Mamluken aufnahm. Wassaf erzählt diese
Botschaft und das Sendschreiben derselben auf eine im
Wesentlichen zwar übereinstimmende, in den Nebenumständen aber
abweichende Weise. Nach ihm waren nicht vier Botschafter,
sondern nur Einer, von vierzig Dienern begleitet, und die
Botschaft lautete: „Gott hat dem Hause Tschengischan's die
Weltherrschaft zuerkannt; der sich Uns unterwirft, hat sich
und seiner Familie Leben und Gut gerettet. Der Ruf Unseres
unzählbaren Heeres geht demselben wie die Heldensage Rustem's
und Isfendiar's voraus; sende unterwürfige Botschaft und komme
selbst, um einen Vogt in Aegypten zu bitten; wenn nicht, so
sei gerüstet zum Kriege.“ Sultan Kotos berief bei Ankunft der
mongolischen Botschaft seine sechs chuaresmischen Emire,
welche nach der Zerstörung der chuaresmischen Länder sich von
Achlath nach Aegypten geflüchtet und hier besonders zur
Erhebung Sultans Kotos auf den Thron beigetragen hatten. „Hulagu“,
sagte er ihnen, „wäre schon in Aegypten eingefallen, wenn ihn
nicht die Nachricht von des Bruders Tod aus Syrien abgerufen
hätte; er hat aber den Keitbuka an der Gränze zurückgelassen,
der das Land wie ein grimmiger Löwe und wüthiger Drache zu
verheeren droht und dem Niemand zu widerstehen im Stande; was
denket ihr hierüber!“ Der sechste Emir, Nassireddin Kimeri,
von welchem die kimrischen oder cimerischen Mamluken ihren
Namen haben, sprach: „Es wäre keine Schande für uns, dem
Hulagu, als dem Sohne Tului's, dem Enkel Tschengischan's,
entgegen zu gehen; welcher Vernünftige wird sich aber selbst
vergiften und muthwillig dem Tode entgegen gehen? Die Beweise
seiner Treulosigkeit liegen in dem Schicksale der Herren von
Alamut, Deriteng, Irbil, Miafarakain und des Chalifen offen.“
Kotos sprach im selben Sinne und endete so: „Mir bleibt nur
eines von dreien zu wählen übrig: Freundschaft, Feindschaft
oder Auswanderung.“ Alle stimmten für den Krieg. Kotos berieth
sich noch insbesondere mit Bondokdar, dem Emirol umera, dem
ersten der ägyptischen Mamluken, welcher sich schon seit zehn
Jahren dadurch, dass er der erste den Todesstreich wider Melik
Moaasem, den letzten Herrscher Aegyptens aus dem Hause Ejub,
führte, Namen und Ansehen erworben und seitdem als Fürst der
Fürsten behauptet hatte. Bondokdar, d. i. der Bogenhalter, der
Kipdschake, dessen ursprünglich türkischer Name Beibars, d. i.
Beg Panther, und der später als Sultan Aegyptens der Schrecken
der Franken in Syrien wie der Mongolen, rieth zum Morde des
Gesandten; noch in derselben Nacht blutete der Gesandte und
seine vierzig Begleiter bis auf einen als Martyrer
mamlukischen diplomatischen Verkehrs; ihre Köpfe wurden am
Thore Soweila aufgesteckt, und am Morgen brach Kotos mit
zwölftausend Reitern gegen Syrien auf. |