Drittes Buch
Die Beni Amare, Beni Buje und Beni Seldschuken.
In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen
Orientalisten und Geschichtschreibern nicht einmal dem Namen
nach bekannt gewordene Dynastie der Beni Dschelendi, welche
zur Zeit der arabischen Eroberung von den Ufern des persischen
Meerbusens bis nach Kerman und Irak hin herrschten, einen
bedeutungsvollen Beinamen, indem dieselben auch Beni Amare
oder Imare, d. i. die Söhne der Kultur, heissen. Das arabische
Wurzelwort Amr oder Omr bezeichnet Leben und Kultur, indem die
Kultur belebt und das Leben ohne Kultur kein geistiges;
zunächst verwandt mit Omer, d. i. Homeros, dem Inbegriffe
ältester griechischer geistiger, vom Orient aus belebter
Kultur. Aammar heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche Liebende,
sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer
Bildung, wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt die
europäische Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien der
Beni Ammer, die, welche zur Zeit der Kreuzfahrer in Tripolis
herrschte, wo die herrliche, angeblich drei Millionen Bände
starke Bibliothek derselben von den Kreuzfahrern verbrannt
ward; die zweite, welche im ersten Viertel des vierzehnten
Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen Küste gegründet,
unter sieben Fürsten durch sieben und siebzig Jahre gedauert,
welche ebenfalls Freunde der Wissenschaften und Literatur; die
dritte endlich, die hier zum erstenmale in Europa an's Licht
gezogen wird, die der Beni Amare in Fars, welche, auf ihre
Bergfesten stolz, nicht nur den arabischen Eroberungen,
sondern auch noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der
Beni Ssaffer trotzten, indem Omer Ben Leis, der Fürst der
letzten, zwei Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi,
den Fürsten der Beni Amare, bekriegte, ohne denselben besiegen
zu können. Nach den historischen Ueberlieferungen der
moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare als
Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des Moses
geherrscht und das Schiff weggenommen haben, dessen im Koran
bei der Erzählung der Wanderung des Moses mit Chisr nach dem
Zusammenfluss der beiden Meere (des arabischen und persischen
oder persischen und indischen) Erwähnung geschieht. Nach der
Herrschaft der Beni Omeije erhob sich unter der der Beni Abbas
in Fars die der Beni Buje, deren grösste Fürsten besonders die
neue Hauptstadt Schiras durch Bauten verherrlichten. Während
der sieben und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft
der Beni Buje bis zu dem Beginne der Herrschaft der Salghuren
verflossen, ward Fars durch sieben Statthalter Atabege der
Seldschuken verwaltet. Der erste, Faslui Schebankjare, von dem
ein Dichter gesagt:
Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück,
Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt Faslu zurück.
Der zweite, Rokneddin Chumar Tekin, ertrank; der dritte,
Dschelaleddin Dschanli, zerstörte Schebankjare; der vierte,
Rokneddin Dschanli, welcher eine Medrese zu Schiras gebaut,
ward zu Hamadan erschlagen; der fünfte, Mengubers, baute eine
Medrese, an welcher er begraben liegt, desgleichen seine
Gemahlin Sahide, d. i. die Einsiedlerin, die nach ihr Issmeti,
d. i. die keusche, genannte Medrese; der sechste, Besabe,
ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsamer
Weise getödtet, und der siebente, Melekschah, hielt, der
letzte, das Ansehen der Seldschuken aufrecht. Wider diesen
stand in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret,
des eilften der christlichen Zeitrechnung, Sonkar Ben Mewdud,
der Salghure, vormaliger Sklave Melekschahs, in Aufruhr auf
und masste sich als Atabege die Krone an. Er war Atabeg, d. i.
Obersthofmeister, des unmündigen Sohnes Sultan Mohammed's, des
Seldschuken, gewesen und war von ihm zum Statthalter von Fars
bestellt worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber
durch seines Bruders Tekele List eingesperrt ward. Er hatte
sich am Fusse des Berges Giluje angesiedelt, von wo aus er
seine neue Herrschaft begründete; er schlug sich zu
wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem Herrn von
Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft
durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras Kloster,
Moschee, Karawanserai und eine hohe Minaret, er selbst ein
hoher Leuchtthurm der Herrschaft, welcher durch Siege,
Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer seinen zehn
Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet.