Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Die Beni Amare, Beni Buje und Beni Seldschuken.

In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen Orientalisten und Geschichtschreibern nicht einmal dem Namen nach bekannt gewordene Dynastie der Beni Dschelendi, welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak hin herrschten, einen bedeutungsvollen Beinamen, indem dieselben auch Beni Amare oder Imare, d. i. die Söhne der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort Amr oder Omr bezeichnet Leben und Kultur, indem die Kultur belebt und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt mit Omer, d. i. Homeros, dem Inbegriffe ältester griechischer geistiger, vom Orient aus belebter Kultur. Aammar heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche Liebende, sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer Bildung, wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt die europäische Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien der Beni Ammer, die, welche zur Zeit der Kreuzfahrer in Tripolis herrschte, wo die herrliche, angeblich drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den Kreuzfahrern verbrannt ward; die zweite, welche im ersten Viertel des vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen Küste gegründet, unter sieben Fürsten durch sieben und siebzig Jahre gedauert, welche ebenfalls Freunde der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird, die der Beni Amare in Fars, welche, auf ihre Bergfesten stolz, nicht nur den arabischen Eroberungen, sondern auch noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der Beni Ssaffer trotzten, indem Omer Ben Leis, der Fürst der letzten, zwei Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi, den Fürsten der Beni Amare, bekriegte, ohne denselben besiegen zu können. Nach den historischen Ueberlieferungen der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des Moses geherrscht und das Schiff weggenommen haben, dessen im Koran bei der Erzählung der Wanderung des Moses mit Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des arabischen und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung geschieht. Nach der Herrschaft der Beni Omeije erhob sich unter der der Beni Abbas in Fars die der Beni Buje, deren grösste Fürsten besonders die neue Hauptstadt Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der Beni Buje bis zu dem Beginne der Herrschaft der Salghuren verflossen, ward Fars durch sieben Statthalter Atabege der Seldschuken verwaltet. Der erste, Faslui Schebankjare, von dem ein Dichter gesagt:

Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück,
Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt Faslu zurück.

Der zweite, Rokneddin Chumar Tekin, ertrank; der dritte, Dschelaleddin Dschanli, zerstörte Schebankjare; der vierte, Rokneddin Dschanli, welcher eine Medrese zu Schiras gebaut, ward zu Hamadan erschlagen; der fünfte, Mengubers, baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt, desgleichen seine Gemahlin Sahide, d. i. die Einsiedlerin, die nach ihr Issmeti, d. i. die keusche, genannte Medrese; der sechste, Besabe, ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsamer Weise getödtet, und der siebente, Melekschah, hielt, der letzte, das Ansehen der Seldschuken aufrecht. Wider diesen stand in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des eilften der christlichen Zeitrechnung, Sonkar Ben Mewdud, der Salghure, vormaliger Sklave Melekschahs, in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die Krone an. Er war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen Sohnes Sultan Mohammed's, des Seldschuken, gewesen und war von ihm zum Statthalter von Fars bestellt worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch seines Bruders Tekele List eingesperrt ward. Er hatte sich am Fusse des Berges Giluje angesiedelt, von wo aus er seine neue Herrschaft begründete; er schlug sich zu wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem Herrn von Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras Kloster, Moschee, Karawanserai und eine hohe Minaret, er selbst ein hoher Leuchtthurm der Herrschaft, welcher durch Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer seinen zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet.

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