Drittes Buch
Die Beni Ejub zu Miafarakain und Hossnkeif.
Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des Hauses
Ejub, welche mit seiner Macht in Berührung, von demselben,
weil sie widerstanden, vernichtet, oder weil sie gehuldigt,
noch einige Zeit geduldet worden, war die von Haleb, wo die
unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's herrschten, die
mächtigste, deren Uebermacht soeben die von Damaskus
verschlungen hatte. In Mesopotamien, zu Miafarakain und
Hossnkeif, und an der Gränze Syriens, zu Kerek, herrschten
Abkömmlinge Melikol-aadil's (d. i. des gerechten Königs), des
Bruders Ssalaheddin's, zu Hama die Nachkommen Schehinschah's,
des Bruders Ssalaheddin's und Melikol-aadil's, und zu Himss
die Schirkuh's, des Oheims der drei Brüder. Melik Nassir Jusuf,
der Urenkel Ssalaheddin's, war nach seines Vaters,
Melikol-asis, Tode schon in seinem siebenten Jahre zur
Regierung gelangt, welche während seiner Unmündigkeit für ihn
seine Grossmutter, die Tochter Melikol-aadil's, die Frau
Ssaffije, führte. Seinem Vetter, dem Herrn von Himss, Manssur
Ibrahim, dem Urenkel Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's,
stand er mit einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche
nach dem Sturze des chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden,
wie die Condottieri des Mittelalters, Mesopotamien und Syrien
durchrannten und ausraubten. Er bemächtigte sich ihrer beiden
Hauptplätze, Harran's und Rakka's. Für den Sohn und Nachfolger
Manssur Ibrahim's, Melikol-eschref Musa, nicht so
freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, hatte er
demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und ihm dafür das
aus der Geschichte der Kreuzzüge bekannte Schloss von Tell
baschir gegeben. Im folgenden Jahre hatte er wider Bedreddin
Lulu, den Atabegen von Mossul, ein Heer gesandt, welches das
Feld zu Nissibin behauptete und im Besitze des ganzen Lagers
des flüchtigen Feindes blieb. Als im nächsten Jahre die
Herrschaft des Stammes der Beni Ejub in Aegypten erlosch,
luden die Emire von Damaskus den Herrn von Haleb zur
Besitznahme ihrer Stadt ein. Er zog dahin, und, in der
Absicht, auch Aegypten zu erobern, dem Heere der Mamluken
entgegen; er schlug dieselben zwar zuerst bei Abbasa, ward
aber dann geschlagen und floh nach Damaskus zurück. Er zog zum
zweitenmale aus, und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass
der Jordan die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den
mächtigsten Herrscher der Beni Ejub in Syrien, wandte sich
also jetzt Hulagu's erobernde Macht; aber auf dem Wege dahin
standen ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's, die Herren
von Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die
Festigkeit ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu
Miafarakain herrschte Melikol-kjamil, der Sohn
Melikol-Mosaffer's, des dritten der drei Söhne Melikol-aadil's,
welche nach ihrem Vater Herren dieser festen Stadt; der von
Hossnkeif war Melikol Mowwahid, der Ururenkel Melikol-aadil's,
aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines Vaters Tod den
Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem Sohne Melik Ssalih
Nedschmeddin die Stadt Amid und das Schloss Hossnkeif als
Leibgedinge, und als Ssalih's Enkel Moaasem Turanschah sich
nach Aegypten begeben, um dort die Herrschaft, welche in ihm
enden sollte, zu übernehmen, blieb Hossnkeif seinem Sohne
Mowwahid als Leibgedinge. Die beiden Herren von Hossnkeif und
Miafarakain waren würdige Träger des Namens Ejub, indem sie,
stolz auf ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit
ihrer Burgen, dem mongolischen Eroberer zu huldigen
verschmähten, während ihr mächtiger Vetter Nassir von Haleb
huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und von
demselben Jerligh und Paise, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen
des Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, als er das
persische Gebiet betreten, hatte er heimlich unterwürfige
Botschaft gesandt, entfloh aber nun bei der Annäherung
Hulagu's nach Aegypten. |