Drittes Buch
Die fünf ersten Atabegen Salghuren.
Der Atabeg Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed, der Bruder des
Gründers, vom Sultan der Seldschuken, Toghrul, als Atabege
bestätigt, behauptete, wie sein Bruder, die Herrschaft durch
vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von seinem Schwager Saik,
welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut, mit den Waffen in
der Hand streitig gemacht ward. Er baute für den grossen
Scheich Abdollah Chafif eine kleine Zelle, welche in der Folge
bis zu drei Domen vergrössert, erst von Schah Ismail, dem
Gründer der Dynastie Ssofi, zerstöret ward. Ihm folgte als
dritter Atabeg sein Sohn Tekele, ein gerechter Fürst, dessen
weiser Grosswesir, Emineddin Karasun, zu Schiras Moschee und
Kloster erbaute; im fünften Jahre seiner Regierung verheerte
der Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis,
das Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren
kaum hinreichend, die dem Lande durch die Verheerung
geschlagenen Wunden durch gerechte Verwaltung zu heilen; kaum
vernarbt, wurden dieselben während der siebenjährigen seines
Vetters und Nachfolgers Toghrul Ben Sonkor wieder durch den
Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der fünfte Atabeg,
Ebu Schudschaa, d. i. der Vater der Tapferen, Saad Ben Sengi,
den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen und durch
Landplagen so schmerzlicher gemacht. Auf unerhörte Trockenheit
folgte schreckliche Hungersnoth, in welcher die Leichname der
Hungers Gestorbenen von den Ueberlebenden verzehrt wurden, und
auf die schrecklichste Hungersnoth noch schrecklichere Pest.
Usbeg, der Sohn Pehliwan's, der Atabege von Aserbeidschan,
verheerte Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der Sultan
Mohammed Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit
dreimalhunderttausend Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des
Gebirgslandes des persischen Irak bemächtigt hatte, schlug
sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm gefangen.
Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die
Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm die
Herrschaft von Fars unter der Bedingniss bestätigte, dass
dessen Tochter Melike Chatun dem Sohne Chuaresmschah's, dem
grossen und unglücklichen Dschelaleddin Mankburni (dem letzten
der Chuaresmschahe), vermählt werde; dass das Drittel der
Einkünfte von Fars in den Schatz Chuaresmschah's fliesse und
das feste Schloss Istachr chuaresmische Besatzung einnähme.
Saad's Sohn Ebubekr missbilligte den vom Vater geschlossenen
Rettungsvertrag, stand wider denselben mit den Waffen in der
Hand auf, schlug ihn einigemal und sperrte ihn im Schlosse von
Istachr, welches sammt den von Ischnekwan von Chuaresmschah
hätte besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten
des Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach
dem Vater mit Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom
Pferde und sperrte ihn in einem der drei Schlösser von Istachr
ein, erfüllte den mit Chuaresmschah geschlossenen Vertrag
durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden zum Baue
einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf dem Wege von
Tebris, welches Schehrallah, d. i. die Stadt Gottes, heisst,
und zu Erneuerung der Mauern von Schiras. Saad's Wesir war
Amideddin Abu Nassir Esaad Abrisi, welcher einen Band
arabischer und persischer Geschichte hinterliess und mit
welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters in poetischen
Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben ist die
berühmte, seitdem auf allen Zungen gang und gäbe Antithese
Chuaresmschah's:
In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs, Verderblich
dem Feinde, gesegnet dem Freunde.
Der Wesir Amideddin stand in gelehrtem Briefwechsel mit dem
Meister aller Humanitätswissenschaften, Omer Er-Rasi, über die
Schwierigkeiten des mystischen Epos Selaman und Absal, welches
unter der Hülle einer Männerliebe die Allegorie des
Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe. Die Volkssage hat
die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes altpersischen
Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen von Schiras
aufgeheftet, sowie denen von Tak Bostan bei Kermanschahan die
Sage von Chosrew und Schirin. Saad hatte den Wesir Amideddin
sammt seinem Sohne Tadscheddin zu Ischnekwan, einem der
Schlösser Istachr's, eingesperrt; er kürzte sich die lange
Weile seiner Gefangenschaft durch Gedichte, die er an die Wand
schrieb, und deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn:
Wer bringt meinen Geist zu Batha's freien Tauben? Die sich
der reinen Fluth erfreu'n und grüner Lauben.