Drittes Buch
Ebubekr Ben Saad und sein Bruder Salghurschah.
Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu Istachr
unmittelbar vor des Vaters Tod an dessen Sterbebett berufen,
und bestieg nach dessen acht und zwanzigjähriger Regierung den
Thron. Sein Vater, Saad, hatte Kerman erobert und die
Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn Ebubekr war ein weit
grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr oder Gönner von
Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden die Inseln des
persischen Meerbusens Kisch und Bahrein und das arabische
Gebiet von Katif und Lahsa erobert. Seine dreissigjährige
Regierung ist der Glanzpunkt der Salghurenherrschaft. Ueberall
erhoben sich in Fars Karawanseraien unter dem Namen Mosaffer
Ebubekr's, als zu Ebrkuh, Beidha, Karun, im Passe Adhadi und
an der Küste von Dschaaber, die schönste Juwele aber der
Strahlenkrone seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines
Gülistan, in welchem der Dichter gleich Eingangs mit einer von
dem emphatischen Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr
vortheilhaft auszeichnenden Bescheidenheit den Beifall seiner
Zeitgenossen einzig dem des Atabegen zuschreibt und auf ihn
und sich den bekannten schönen Apolog des durch die
Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet:
Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist; Mein
Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist; Wenn Alles auch
an mir nur Fehl' und Mangel ist, Fehlen, das der Sultan
billigt, Tugendangel ist.
Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist durch
Saadi, nicht aber dieser durch jenen berühmt. Nach dem
Verderben Chuaresmschah's huldigte Ebubekr Ben Saad staatsklug
den Herrschern der Mongolen und ward als Atabeg in der
Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich nur
dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe, welche
damals der kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit dieser Summe
sandte er alljährlich den Sohn Saad mit einem seiner Neffen an
den Chan; die mongolischen Vögte behandelte er freigebig,
stellte aber zugleich Späher auf, um alle Verbindung des
Volkes mit denselben zu hindern, damit jene nicht die Wahrheit
seiner glänzenden Umstände erführen; er genoss des Lebens im
Stillen im Garten Firusi, von wo er jeden Morgen nach dem
Lager sich begab und nach aufgehobener Mittagstafel wieder in
den Garten zurückkehrte. Ein grosser Beschützer der Dichter
und Gelehrten, besonders aber der Frommen und Derwische, die
er mehr als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es
scheint, dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei
dessen Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem
Titel Kotloghschah erhalten; er hatte denselben seinem Sohne
Saad und seinem Bruder Salghurschah entgegengesandt. Der
Bruder, beigenannt Karandank Chan, war ein humaner,
verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen
Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten
paradiesischen Gärten, welche Ssubuhabad, d. i.
Morgentrunksbau, hiessen, ungestört nachhing; seiner
unablässigen Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als
Kalligraphe einige Verse des Korans und sandte die Abschrift
an die Kaaba, Verfasser anmuthiger vierzeiliger
anacreontischer Strophen. Jedem Gedanken auf Herrschaft fern,
lebte er einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr, durch eine
lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft
unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von
Trinkern, wie Wassaf sagt:
„Morgentrunk und dann des Weines Gluglu, Rose, Rosenstrauch
und Nachtigall dazu, Traute Sänger, die gebunden und
betrunken, Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken.
Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen,
die Schöne zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die
Halbtrommel eine Zeit lang von den Ohrfeigen nicht ertönend,
und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick aufgähnend, die
Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche das
Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen, von den
Aesten sang ein Ghasel die Nachtigall und ein Wunder ist's,
dass die Schlafenden nicht erwachten von dessen Schall und
Widerhall.“ Bei solcher Lebensart vertiefte er sich in
Schulden, die dann der Bruder grossmüthig zahlte. Eines Tages
improvisirte Salghurschah:
Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre, Wenn mir der
Kopf voll Groll und Geizes wäre; So würd' ich dich, wie du
gewohnt, gen mich zu handeln, An deiner Statt gerade wie du
mich behandeln.
Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider,
zehn edle Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine
Schulden getilgt seien.