Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Ebubekr Ben Saad und sein Bruder Salghurschah.

Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu Istachr unmittelbar vor des Vaters Tod an dessen Sterbebett berufen, und bestieg nach dessen acht und zwanzigjähriger Regierung den Thron. Sein Vater, Saad, hatte Kerman erobert und die Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn Ebubekr war ein weit grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr oder Gönner von Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden die Inseln des persischen Meerbusens Kisch und Bahrein und das arabische Gebiet von Katif und Lahsa erobert. Seine dreissigjährige Regierung ist der Glanzpunkt der Salghurenherrschaft. Ueberall erhoben sich in Fars Karawanseraien unter dem Namen Mosaffer Ebubekr's, als zu Ebrkuh, Beidha, Karun, im Passe Adhadi und an der Küste von Dschaaber, die schönste Juwele aber der Strahlenkrone seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines Gülistan, in welchem der Dichter gleich Eingangs mit einer von dem emphatischen Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr vortheilhaft auszeichnenden Bescheidenheit den Beifall seiner Zeitgenossen einzig dem des Atabegen zuschreibt und auf ihn und sich den bekannten schönen Apolog des durch die Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet:

Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist; Mein Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist; Wenn Alles auch an mir nur Fehl' und Mangel ist, Fehlen, das der Sultan billigt, Tugendangel ist.

Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist durch Saadi, nicht aber dieser durch jenen berühmt. Nach dem Verderben Chuaresmschah's huldigte Ebubekr Ben Saad staatsklug den Herrschern der Mongolen und ward als Atabeg in der Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich nur dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe, welche damals der kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit dieser Summe sandte er alljährlich den Sohn Saad mit einem seiner Neffen an den Chan; die mongolischen Vögte behandelte er freigebig, stellte aber zugleich Späher auf, um alle Verbindung des Volkes mit denselben zu hindern, damit jene nicht die Wahrheit seiner glänzenden Umstände erführen; er genoss des Lebens im Stillen im Garten Firusi, von wo er jeden Morgen nach dem Lager sich begab und nach aufgehobener Mittagstafel wieder in den Garten zurückkehrte. Ein grosser Beschützer der Dichter und Gelehrten, besonders aber der Frommen und Derwische, die er mehr als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es scheint, dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei dessen Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem Titel Kotloghschah erhalten; er hatte denselben seinem Sohne Saad und seinem Bruder Salghurschah entgegengesandt. Der Bruder, beigenannt Karandank Chan, war ein humaner, verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten paradiesischen Gärten, welche Ssubuhabad, d. i. Morgentrunksbau, hiessen, ungestört nachhing; seiner unablässigen Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als Kalligraphe einige Verse des Korans und sandte die Abschrift an die Kaaba, Verfasser anmuthiger vierzeiliger anacreontischer Strophen. Jedem Gedanken auf Herrschaft fern, lebte er einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr, durch eine lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von Trinkern, wie Wassaf sagt:

„Morgentrunk und dann des Weines Gluglu, Rose, Rosenstrauch und Nachtigall dazu, Traute Sänger, die gebunden und betrunken, Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken.

Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen, die Schöne zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die Halbtrommel eine Zeit lang von den Ohrfeigen nicht ertönend, und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick aufgähnend, die Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche das Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen, von den Aesten sang ein Ghasel die Nachtigall und ein Wunder ist's, dass die Schlafenden nicht erwachten von dessen Schall und Widerhall.“ Bei solcher Lebensart vertiefte er sich in Schulden, die dann der Bruder grossmüthig zahlte. Eines Tages improvisirte Salghurschah:

Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre, Wenn mir der Kopf voll Groll und Geizes wäre; So würd' ich dich, wie du gewohnt, gen mich zu handeln, An deiner Statt gerade wie du mich behandeln.

Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider, zehn edle Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine Schulden getilgt seien.

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