Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Einrichtungen Syriens; Schlacht bei Himss.

Sultan Kotos ordnete nach dem Siege von Aindschalut die Verwaltung des nun von der Herrschaft der Mongolen der der Mamluken anheim gefallenen Syriens. Dem Ejubiden Melik Manssur wurde das väterliche Erbe von Hama zurückgestellt, nachdem der mongolische Vogt Chosrewschah daraus abgezogen; auch erhielt er Barin und Mearret, welche Melik Nassir, der Sultan von Haleb, schon vor fünf und zwanzig Jahren vom Fürstenthume Hama abgerissen; nur mit Selimije wurde ein arabischer Emir belehnt. Dann zog Kotos, vom Fürsten Hama's begleitet, nach Damaskus, wo er im Triumphe als der Hort des Islams empfangen ward. Viele Tataren wurden hingerichtet, darunter Husein der Kurde, der Beilträger Melik Nassir's; dreissig Christen wurden gehenkt und der christlichen Bevölkerung von Damaskus eine Steuer von hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur, der Fürst Hama's, wurde von hier nach Hause entlassen, und von den Dichtern seiner Stadt als Sieger über die Tataren und Wiedereroberer Maarra's bewillkommt. Kotos setzte über die südliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin von Berlas, einer der asisischen Mamluken, welcher in der Schlacht Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den Mamluken, zu diesem verrätherisch übergegangen, für ihn die Herrschaft Aegyptens entschieden, dann aber, wider ihn Ränke schmiedend, wieder nach Syrien entflohen war, von ihm in Adschlun festgesetzt worden; dann, als Melikonnassir bei Annäherung der Mongolen gegen Aegypten flüchtete, wieder freigelassen, folgte er seinem natürlichen Herrn eine Zeit lang, verliess ihn aber zum zweitenmale und ging zu Kotos über, der ihn nun dafür mit der Statthalterschaft von Ghasa belehnte; die von Damaskus übertrug er dem Emir Alemeddin Senschar von Haleb, dem vorigen Atabeg des Sohnes Aibek's, des ersten Sultans der Mamluken, und die von Haleb, welche der Emirol umera Bondokdar für sich gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin Lulu's, dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende bereits oben erzählt worden. Er selbst brach von Syrien nach Aegypten auf. Bondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem er die Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor sich wider den Sultan, und dieser wurde schon am zwanzigsten Tage nach seinem Aufbruche aus Syrien zu Kossair, eine Tagreise von Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen ermordet. Die Emire Kairo's waren dem als Sieger über die Tataren im Triumphe zurückkehrenden Sultan zum Bewillkomm bis nach Ssalihije entgegen gegangen, wo sie den Mord desselben vernahmen; der Emir Ogotai, welchen Kotos bei seiner Abreise als seinen Stellvertreter an der Spitze der Verwaltung Aegyptens zurückgelassen, fragte, als es sich um die Wahl des Sultans handelte, wer den Kotos getödtet, weil es der Türken Brauch, dass der Tödter die Stelle des Getödteten einnehme. Sie zeigten auf Beibars Bondokdar. So besteige du den Thron, sagte Ogotai, indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron setzte. Ich setze mich darauf, antwortete Beibars, im Namen Gottes; leistet den Eid! An dir ist's, sagte Ogotai, der erste zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen gütig behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen, ihre Grade vermehren wirst. Beibars nahm den Titel Melikol kahir, d. i. des rächenden Königs, an, den er aber später mit dem von Melikol-dahir, d. i. des Offenbaren, vertauschte, und zog zu Kairo unter den Triumphfesten ein, welche für seinen Vorfahrer bereitet worden waren. In Syrien begann unterdessen Aalemeddin, der Statthalter von Damaskus, die geschleiften Mauern wieder aufzubauen, und erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan, die Macht des Sultans des Rächenden, des Offenbaren verhöhnend. Zu Haleb hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's, durch Kopflosigkeit und die unbedeutsame Absendung einer zu schwachen Truppenabtheilung, welche zu Bire am Euphrat von den Mongolen geschlagen wurden, den Hass der Einwohner auf sich geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen und gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die Emire unter sich theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr sandten und seiner statt Hosameddin, den Mailleschläger, zum Statthalter einsetzten; bald darnach erschienen die Mongolen vor Haleb, und Hosameddin flüchtete mit den Emiren nach Hama, die Stadt Haleb der Wuth der Mongolen überlassend. Von Hama zogen sie mit dem Fürsten Hama's und seinem Bruder Efdhal gegen Himss, ihre Streitkräfte mit denen des Fürsten dieser Stadt vereinigend, und lieferten vor Himss den Tataren eine Schlacht, in welcher diese geschlagen abzogen, auf ihrem Rückzuge von dem Befehlshaber Apamia's geharket. Auch der Statthalter von Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie der von Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan, und dieser und jener wollten die Prinzen von Hama und Himss für sich gewinnen; aber diese gaben ihnen kein Gehör, und nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's, Senshar und Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar, der Sultan Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb und Damaskus, zu Hama und Himss anerkannt.

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