Drittes Buch
Einrichtungen Syriens; Schlacht bei Himss.
Sultan Kotos ordnete nach dem Siege von Aindschalut die
Verwaltung des nun von der Herrschaft der Mongolen der der
Mamluken anheim gefallenen Syriens. Dem Ejubiden Melik Manssur
wurde das väterliche Erbe von Hama zurückgestellt, nachdem der
mongolische Vogt Chosrewschah daraus abgezogen; auch erhielt
er Barin und Mearret, welche Melik Nassir, der Sultan von
Haleb, schon vor fünf und zwanzig Jahren vom Fürstenthume Hama
abgerissen; nur mit Selimije wurde ein arabischer Emir
belehnt. Dann zog Kotos, vom Fürsten Hama's begleitet, nach
Damaskus, wo er im Triumphe als der Hort des Islams empfangen
ward. Viele Tataren wurden hingerichtet, darunter Husein der
Kurde, der Beilträger Melik Nassir's; dreissig Christen wurden
gehenkt und der christlichen Bevölkerung von Damaskus eine
Steuer von hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur,
der Fürst Hama's, wurde von hier nach Hause entlassen, und von
den Dichtern seiner Stadt als Sieger über die Tataren und
Wiedereroberer Maarra's bewillkommt. Kotos setzte über die
südliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin
von Berlas, einer der asisischen Mamluken, welcher in der
Schlacht Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den Mamluken,
zu diesem verrätherisch übergegangen, für ihn die Herrschaft
Aegyptens entschieden, dann aber, wider ihn Ränke schmiedend,
wieder nach Syrien entflohen war, von ihm in Adschlun
festgesetzt worden; dann, als Melikonnassir bei Annäherung der
Mongolen gegen Aegypten flüchtete, wieder freigelassen, folgte
er seinem natürlichen Herrn eine Zeit lang, verliess ihn aber
zum zweitenmale und ging zu Kotos über, der ihn nun dafür mit
der Statthalterschaft von Ghasa belehnte; die von Damaskus
übertrug er dem Emir Alemeddin Senschar von Haleb, dem vorigen
Atabeg des Sohnes Aibek's, des ersten Sultans der Mamluken,
und die von Haleb, welche der Emirol umera Bondokdar für sich
gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin Lulu's,
dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende bereits oben
erzählt worden. Er selbst brach von Syrien nach Aegypten auf.
Bondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem er die
Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor sich wider
den Sultan, und dieser wurde schon am zwanzigsten Tage nach
seinem Aufbruche aus Syrien zu Kossair, eine Tagreise von
Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen ermordet. Die
Emire Kairo's waren dem als Sieger über die Tataren im
Triumphe zurückkehrenden Sultan zum Bewillkomm bis nach
Ssalihije entgegen gegangen, wo sie den Mord desselben
vernahmen; der Emir Ogotai, welchen Kotos bei seiner Abreise
als seinen Stellvertreter an der Spitze der Verwaltung
Aegyptens zurückgelassen, fragte, als es sich um die Wahl des
Sultans handelte, wer den Kotos getödtet, weil es der Türken
Brauch, dass der Tödter die Stelle des Getödteten einnehme.
Sie zeigten auf Beibars Bondokdar. So besteige du den Thron,
sagte Ogotai, indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron
setzte. Ich setze mich darauf, antwortete Beibars, im Namen
Gottes; leistet den Eid! An dir ist's, sagte Ogotai, der erste
zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen gütig
behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen, ihre
Grade vermehren wirst. Beibars nahm den Titel Melikol kahir,
d. i. des rächenden Königs, an, den er aber später mit dem von
Melikol-dahir, d. i. des Offenbaren, vertauschte, und zog zu
Kairo unter den Triumphfesten ein, welche für seinen Vorfahrer
bereitet worden waren. In Syrien begann unterdessen Aalemeddin,
der Statthalter von Damaskus, die geschleiften Mauern wieder
aufzubauen, und erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan,
die Macht des Sultans des Rächenden, des Offenbaren
verhöhnend. Zu Haleb hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's,
durch Kopflosigkeit und die unbedeutsame Absendung einer zu
schwachen Truppenabtheilung, welche zu Bire am Euphrat von den
Mongolen geschlagen wurden, den Hass der Einwohner auf sich
geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen und
gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die Emire unter
sich theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr sandten und
seiner statt Hosameddin, den Mailleschläger, zum Statthalter
einsetzten; bald darnach erschienen die Mongolen vor Haleb,
und Hosameddin flüchtete mit den Emiren nach Hama, die Stadt
Haleb der Wuth der Mongolen überlassend. Von Hama zogen sie
mit dem Fürsten Hama's und seinem Bruder Efdhal gegen Himss,
ihre Streitkräfte mit denen des Fürsten dieser Stadt
vereinigend, und lieferten vor Himss den Tataren eine
Schlacht, in welcher diese geschlagen abzogen, auf ihrem
Rückzuge von dem Befehlshaber Apamia's geharket. Auch der
Statthalter von Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie
der von Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan,
und dieser und jener wollten die Prinzen von Hama und Himss
für sich gewinnen; aber diese gaben ihnen kein Gehör, und
nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's, Senshar und
Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar, der Sultan
Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb und Damaskus,
zu Hama und Himss anerkannt. |