Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Eroberung von Kisch; und Literatur.

Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der Inseln Kais oder Kisch (auf persisch Kosch) und Bahrein, wo die reichsten Perlenfischereien im persischen Meerbusen. Die erste dieser Inseln hat ihren Namen von Kais, dem Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von Siraf, der Hafen- und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war eine Katze, welche die arme Mutter der drei Söhne Kaissar's einem Schiffer als ihr einziges Habe auf einer Fahrt nach Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo gelandet ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold rentirte. Die Söhne der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren und dehnten ihre Unternehmungen bis an die indische Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast, den sie Aferide nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's zu Nabend (dem östlich von Siraf gelegenen Dorfe) und mit den Säulenhallen des Elephantenhauses Adhadeddewlet's zu Siraf um den Vorzug buhlte, und der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan Ibnol Melik Dschemschid. So herrschten die Beni Kaissar, deren Dasein bisher aber, sowie das der Beni Amare in Fars, europäischen Geschichtschreibern entgangen, auf Kais, als Seifeddin Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus, dem Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais anbot; die Befehlshaber von Germsir, d. i. dem warmen Landstriche der südlichen persischen Küste, wurden zur Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde nur einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem Abu Nadhr zum Sturze Melik Sultans angetragen, so boten Indienfahrer von Kisch, welche mit ihren reichen, nach Malatia bestimmten Ladungen zu Chorschif gelandet hatten, ihre Hilfe zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein Heer von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i. das Schwert der Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte der Feinde. Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte dem Atabegen von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte, dessen Beginn: Im Namen Gottes der Erbe des Reichs Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad, der Helfer der Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf wurde die mit ihren Perlenfischereien in die Steuerregister des Chalifats eingetragene Insel Owal, insgemein Bahrein genannt, und sieben Jahre darnach die Insel Katif, auf welcher das Schloss Tharut, erobert und mit jährlichen zwölftausend Dukaten vom Ertrage der Perlenernte besteuert. Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem sieben und siebzigsten Jahre, von seinem Sohne Saad II., dem siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt, worauf der letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen von Jesd, Alaeddewlet's, den Thron bestieg. Ebubekr, des grössten der persischen Atabege Namen, ist nicht nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch die Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und seine Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe persischer Kultur. Nach dem Beispiele der Fürsten der Dynastien Saman, der Seldschuken und Chuaresmschahe hatte er einen Dichterkönig, Hemkjar Farsi, beigenannt Medschdeddin Semeki, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem Umgange mit den grossen Dichtern Imami aus Herat, Abdulkadr von Nain, Said von Herat, Nefieddin Lokmani und Esireddin Omani, dem Schüler Nassireddin's von Tus. Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann und aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten offen stand. So günstig, als Ebubekr den Dichtern, so wenig liebte er die Gelehrten, besonders die, so sich Philosophen nannten; er verbannte mehrere derselben aus Schiras, darunter den grossen Imam Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi, den berühmtesten Prediger seiner Zeit; er fürchtete, sagt Wassaf, dass die Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die Regierungsgeheimnisse erfahren, die Regierung in ihrem freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste und schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von Schiras mit dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's Lobpreis steht im Gülistan Saadi's das Saad's, seines Sohnes und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr.

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