Drittes Buch
Eroberung von Kisch; und Literatur.
Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der
Inseln Kais oder Kisch (auf persisch Kosch) und Bahrein, wo
die reichsten Perlenfischereien im persischen Meerbusen. Die
erste dieser Inseln hat ihren Namen von Kais, dem Sohne
Kaissar's, eines Schiffsherrn von Siraf, der Hafen- und
Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung der
Macht und der Grösse der Beni Kaissar war eine Katze, welche
die arme Mutter der drei Söhne Kaissar's einem Schiffer als
ihr einziges Habe auf einer Fahrt nach Indien mitgegeben, die
sich aber, weil sie dort, wo gelandet ward, es keine Katzen
und zu viel Mäuse gab, die letzten zusammenfrass, mit einem
Schatze von Juwelen und Gold rentirte. Die Söhne der Wittwe
wurden mächtige Schiffsherren und dehnten ihre Unternehmungen
bis an die indische Küste aus; sie bauten auf Kais einen
grossen Palast, den sie Aferide nannten und welcher mit der
Palasthalle Adhadeddewlet's zu Nabend (dem östlich von Siraf
gelegenen Dorfe) und mit den Säulenhallen des Elephantenhauses
Adhadeddewlet's zu Siraf um den Vorzug buhlte, und der Chalife
Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der Herrschaft von
Kais unter dem Titel: Sultan Ibnol Melik Dschemschid. So
herrschten die Beni Kaissar, deren Dasein bisher aber, sowie
das der Beni Amare in Fars, europäischen Geschichtschreibern
entgangen, auf Kais, als Seifeddin Abu Nadhr Ali Ben Keikobad,
der Herr der Insel Hormus, dem Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur
Eroberung von Kais anbot; die Befehlshaber von Germsir, d. i.
dem warmen Landstriche der südlichen persischen Küste, wurden
zur Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde
nur einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. Der
Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und nicht für
den Atabegen erobert; wie sich diesem Abu Nadhr zum Sturze
Melik Sultans angetragen, so boten Indienfahrer von Kisch,
welche mit ihren reichen, nach Malatia bestimmten Ladungen zu
Chorschif gelandet hatten, ihre Hilfe zum Verderben Abu
Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein Heer von Kurden, Luren und
Schulen, und Seifeddin, d. i. das Schwert der Religion, Abu
Nadhr fiel unter dem Schwerte der Feinde. Der Sultan von
Kenbajet in Indien huldigte dem Atabegen von Fars, der ihn mit
einem Diplome beehrte, dessen Beginn: Im Namen Gottes der Erbe
des Reichs Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land
und See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad,
der Helfer der Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf
wurde die mit ihren Perlenfischereien in die Steuerregister
des Chalifats eingetragene Insel Owal, insgemein Bahrein
genannt, und sieben Jahre darnach die Insel Katif, auf welcher
das Schloss Tharut, erobert und mit jährlichen zwölftausend
Dukaten vom Ertrage der Perlenernte besteuert. Ebubekr, der
grösste der Atabegen, starb in seinem sieben und siebzigsten
Jahre, von seinem Sohne Saad II., dem siebenten Atabege, nur
zwölf Tage überlebt, worauf der letzte minderjährige Sohn,
Mohammed Ben Saad, unter Vormundschaft Turkjan Chatun's, der
Schwester des Atabegen von Jesd, Alaeddewlet's, den Thron
bestieg. Ebubekr, des grössten der persischen Atabege Namen,
ist nicht nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch
die Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und
seine Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe
persischer Kultur. Nach dem Beispiele der Fürsten der
Dynastien Saman, der Seldschuken und Chuaresmschahe hatte er
einen Dichterkönig, Hemkjar Farsi, beigenannt Medschdeddin
Semeki, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan hinaufleitete;
Schönredner, Schönschreiber, in trautem Umgange mit den
grossen Dichtern Imami aus Herat, Abdulkadr von Nain, Said von
Herat, Nefieddin Lokmani und Esireddin Omani, dem Schüler
Nassireddin's von Tus. Ein Schüler Nassireddin's von Tus war
auch der Chodscha Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters,
ein reicher Mann und aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern
und Gelehrten offen stand. So günstig, als Ebubekr den
Dichtern, so wenig liebte er die Gelehrten, besonders die, so
sich Philosophen nannten; er verbannte mehrere derselben aus
Schiras, darunter den grossen Imam Ssadreddin Mahmud
El-Uschnusi, den berühmtesten Prediger seiner Zeit; er
fürchtete, sagt Wassaf, dass die Gelehrten mittels Einsicht
und Geldes die Regierungsgeheimnisse erfahren, die Regierung
in ihrem freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste und
schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von
Schiras mit dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's Lobpreis
steht im Gülistan Saadi's das Saad's, seines Sohnes und des
grossen Emirs Ben Ebi Nassr. |