Drittes Buch
Eroberung von Miafarakain und Hossnkeif.
Hulagu, von dem Widerstande Miafarakain's unterrichtet,
sandte den Oroktu mit dem Befehle, dass der Prinz und das Heer
so lange weile, bis die Stadt durch Hunger zur Uebergabe
gezwungen seyn würde. Dieser Zeitpunkt trat ein; einen ganzen
Monat lang schon ass die Besatzung nichts als Hunde, Katzen,
Mäuse und Ratten, zuletzt Leichname der Erschlagenen. Da
schrieben die wenigen, noch vom Tode Verschonten an Jaschmut:
„Die Lebensmittel sind ausgegangen und die Stadt ist ihrer
Vertheidiger entblösst; wenn jetzt die Reiter kommen, werden
sie keinen Widerstand finden.“ Der Prinz sandte den Oroktu,
und dieser fand nur siebzig halb verhungerte, halb durch
Wunden verstümmelte Männer, die sich nicht mehr vertheidigen
konnten; nur zwei Reiter, die während der ganzen Belagerung in
wiederholten Ausfällen Wunder der Tapferkeit gethan, kämpften
auch nun mit vorgehaltenen Schilden gegen der Feinde
Uebermacht, bis sie derselben erlagen. Melik Kjamil wurde mit
seinem Bruder an Hulagu gesandt, der damals zu Tellbaschir
(das Turbeysel der Kreuzfahrer in der Nähe von Haleb); Hulagu
überhäufte ihn mit Vorwürfen über seinen Undank und seine
Treulosigkeit, dass er den Gesandten des Kaan's, der ihm
Diplom und Löwenkopf gesandt, getödtet. Er befahl, ihm Riemen
Fleisches aus dem Leib zu schneiden und in den Mund zu
stecken; der abgeschnittene Kopf wurde als Trophäe in den
syrischen Städten zu Haleb, Hama und Damaskus unter Musik
herumgetragen und in der letzten Stadt an einem Fenster des
Stadtthores, welches das Thor des Paradieses heisst,
aufgehängt, erst nach Abzug der Mongolen in dem Grabmale
Husein's beigesetzt. 7. Dschem. Der Scheich Schihabeddin, als
Dichter unter dem Namen Abu Schama, d. i. Vater des
Muttermaals, berühmt, beweinte dessen Tod in einer berühmten
Kassidet, woraus die Verse:
Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren,
Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren;
Hellstrahlend und erhaben in Gefahren,
Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren.
Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren,
Womit auch das Husein's ward gefahren;
Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren;
Im Leben und im Tode gleich Verfahren.
Gleiches Schicksal mit dem Fürsten von Miafarakain hatte
sein Vetter Mowwahid, der Sohn Turanschah's, des letzten
Sultans der Beni Ejub in Aegypten, der Herr des festen
Schlosses von Hossnkeif, welches zur selben Zeit wie
Miafarakain fiel und dessen Fürst ebenfalls von den Mongolen
getödtet ward. Hossnkeif oder Hissnkeifa, von den Byzantinern
das Schloss des Kiphas genannt, liegt auf dem westlichen Ufer
des Tigris, auf dem Wege von Miafarakain nach Mossul. Die
Stadt hängt mit dem auf einem hohen Berge gelegenen Schlosse
mittels einer Brücke zusammen; bevor dasselbe der ejubidische
Emir Merd Mahmare befestigte, hiess es bei den Arabern Rasol
Ghul, d. i. das Dämonenhaupt, weil es, wie im Sternbild des
Perseus das Haupt der Gorgone, welches der Araber ebenfalls
Dämonenhaupt nennt, fürchterlich und hoch vom Himmel
herunterdroht. Nach der arabischen Legende soll der Name Hossn
oder Hissn Keifa ursprünglich Hasan Keifa gelautet haben, und
zwar aus folgendem Anlasse: Ein Wackerer, Namens Hasan, im
Schlosse gefangen gehalten, erbat sich beim Emire eines Tages
die Erlaubniss, eine seiner Stuten auf dem Schlosshofe zu
tummeln; die Erlaubniss wurde gewährt; Hasan tummelte und
tummelte das Pferd und setzte damit zuletzt in toddrohendem
Sprunge über die Mauer, mit dem Pferd hinunterstürzend in den
Tigris, den er glücklich durchschwamm. Da erscholl der Zuruf
der Bewunderung solcher Tollkühnheit: Hasan Keifa! d. i. Hasan
Wohlauf! und der Name blieb dem Schloss. Vielleicht ist es
dasselbe mit dem alten persischen Schlosse der Vergessenheit,
worin Prinzen und andere Staatsgefangene zu ewiger
Vergessenheit eingekerkert worden, und dessen die
byzantinischen Geschichtschreiber mehrmals erwähnen; da aber
jenes auf persisch Gilgerd genannt wird, so ist es weit
wahrscheinlicher, dass dasselbe eins mit einem der festesten
Schlösser der Assassinen, mit Girdkjuh, dem Tigado Hethum's,
das länger als alle anderen aushielt.