Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Fars.

Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne, der Kern des persischen Reichs, in welchem das Haupt desselben die alte Persepolis, die Geburts- und Grabstätte des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als Mutterland persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte, von der ältesten bis zur neuesten, und folglich auch binnen des Jahrhunderts mongolischer Herrschaft vor allen anderen Landschaften des Reichs von vorwiegendem Interesse und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i. Iran, das Ariene der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem Digloth (Tigris), Frat (Euphrat), Gihon (Dschihun) und Phischon (Sihun), östlich und westlich eingeschlossene asiatische Hochland. Persien im engsten Sinne, d. i. Fars, ist die von Natur und Kunst vor allen anderen Landschaften des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich vom persischen Irak, südlich vom persischen Meerbusen, östlich von der Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande Luristan begränzt, in welcher das paradiesische Thal Schaab Bewwan, von den asiatischen Geschichtschreibern als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die Naturfeste Kalaaisefid, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem Schahname als der Sitz des weissen Diwe's bekannt, die Ruinen der vierzig Säulen oder der vierzig Leuchtthürme, die behauene Steinwand des Ebenbildes Rustem's, die der alten Königsgräber, das Grab der Mutter Salomon's, d. i. das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift), die des Kerkers und der Musikkapelle Dschemschid's, Felsengrotten mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von Schabur, welche den Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen, Königsgräber, Heldengrotten, Bergaltäre, Feuertempel und mehrere andere solcher steinerner Ueberlieferungen der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der Natur durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land, in welchem die Rosen und der Wein von Schiras glühen, das reine Wasser von Mossella fliesst, ein Land, das der Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten Zeit von Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten der Dynastie Buje den Namen hat; das Land, wo der königliche Berg der Gräber von Persepolis und das vielfarbige Salzgebirge von Darabdscherd sich erheben, wo zu Schiras die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern von Hafis und Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst haben in Fars ihre höchsten Triumphe gefeiert, und ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist seit dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der Mittelpunkt derselben geblieben, bis erst in der jüngsten Zeit sich dieselbe in dem Brennpunkte der nach Norden übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris gesammelt. In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte morgenländische Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter der Herrschaft der Beni Saman und Chorasan auf und erhielt sich dort noch mit der Herrschaft der Seldschuken in bedeutendem Flore; denn Fars wetteiferte hierin mit Chorasan schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug unter der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben erst nach dem Untergange dieser Dynastie, unter der Herrschaft der Ilchane vom nördlichen Persien, wo die Residenz Tebris aufblühte, streitig gemacht, in der Folge aber unter der Herrschaft der Dynastien der Beni Mosaffer und Sseffi wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet ward, wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder den nördlichen Hauptstädten und Residenzen Teheran und Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon aus dem Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte der Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft der Ilchane Fars beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit, indem dieselbe auch die Kulturgeschichte Persiens während der Eroberung und der dreizehnjährigen Herrschaft Hulagu's einschliesst.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de