Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Feldzug gegen Kipdschak.

Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider Kipdschak auf, setzte sich mit demselben Hälfte Mai's des Jahres zwölfhundert zwei und sechzig von Alatagh aus in Bewegung. Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige Statthalter Persiens, befehligte den Vortrab. Die Nujanen Basmaghan und Abatai standen Anfangs Novembers vor Schamachi. Schiramun war von dem Heere Berke's überfallen und geschlagen worden, aber vier Tage vor Ende des moslimischen Jahres schlug Abatai bei Schaburan den Nokai in die Flucht. Hulagu brach hierauf von Schamachi gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin, der Chodscha Asis der Georgier und Chodscha Medschdeddin von Tebris ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort sammt dem Astronomen Hosameddin hingerichtet. Melik Ssadreddin von Tebris und Ali Melik, die Befehlshaber von Irak, schlugen sich in theilweisen Gefechten durch; am siebenten December stand das Heer Hulagu's vor den Mauern Derbend's. Nach dreitägigem Kampfe wurde die Feste erobert und acht Tage hernach Nokai geschlagen. Die Nujanen Schiramun und Abatai wollten den Prinzen Abaka, den ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur Hilfe gesendet, zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte männlich den Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters. Hulagu ertheilte sieben anderen Nujanen den Befehl, sich des Lagers der Kipdschaken zu bemächtigen. Sie gingen über den Terek und schleppten Zelte und Herden von allen Seiten zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon in Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem Heere aus den Schneegefilden der Steppe auf sie los; einen ganzen Tag ward an den Ufern des Terek gekämpft; als die persischen Truppen sich über den Fluss zurückzogen, brach das Eis ein und eine grosse Anzahl derselben ging zu Grunde; Abaka kam heil nach Schaburan; Berke hielt sich inner Derbend und Hulagu kam im Frühjahre nach Tebris zurück. Hulagu rächte sich für die Unfälle des Feldzugs, wie nach dem syrischen, durch den Mord von Unschuldigen. Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die sich zu Tebris befanden, hinrichten und ihre Güter einziehen. Berke, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess alle persischen Kaufleute, die in Kipdschak, morden; und Hulagu vergalt dieses Blutbad mit dem eines Theiles der Bewohner Bochara's, welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben begann. Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu Bochara lagen, gehörten fünf dem Batu, drei der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, die übrigen acht dem grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's liess Hulagu ausrücken und niederhauen. Im folgenden Jahre erscholl abermal das Gerücht, dass ein Heer aus Kipdschak im Anzuge. Hulagu sandte den Scheich Scherif Tebrisi auf die Strasse von Lesgistan nach Kipdschak, um Erkundigung einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai gebracht. Was macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt er noch fort, aus Grimm unsere Krieger und Edele, unsere Kaufleute und Derwische zu morden? – Der Scheich entgegnete: Unser Padischah war vormals erzürnt ob der Misshelligkeit mit seinen Brüdern (Kubilai und Arigh) und das Feuer seines Grimms verbrannte, was trocken und feucht; allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron beendigt ist, übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich Gesandte mit der Nachricht angekommen, dass Aiktokt, welcher dem Bruder Kubilai den Thron streitig machen wollte, sich unterworfen; dass Alghui, der Enkel Dschafer's, aus seinem Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent, gestorben, dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der Herrschaft von den Ufern des Oxus bis an die äussersten Gränzen Syriens als Ilchan und Padischah und obendrein dreissigtausend auserlesene mongolische Jünglinge zur Hilfe gesendet. Diese Nachricht lähmte die Kriegslust Nokai's, und der Scheich kehrte mit der Nachricht, dass, wiewohl kein Friede, die Feindseligkeiten aufgehört, zu Hulagu zurück. Das Interesse Hulagu's ist in die Streitigkeiten der Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so enge verflochten und er hat an denselben durch seinen Gesandten so einwirkenden Antheil genommen, dass eine kurze Erzählung jener Begebenheiten als unmittelbar in dessen Geschichte gehörig hier unabweislich.

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