Drittes Buch
Feldzug gegen Kipdschak.
Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider Kipdschak
auf, setzte sich mit demselben Hälfte Mai's des Jahres
zwölfhundert zwei und sechzig von Alatagh aus in Bewegung.
Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige Statthalter
Persiens, befehligte den Vortrab. Die Nujanen Basmaghan und
Abatai standen Anfangs Novembers vor Schamachi. Schiramun war
von dem Heere Berke's überfallen und geschlagen worden, aber
vier Tage vor Ende des moslimischen Jahres schlug Abatai bei
Schaburan den Nokai in die Flucht. Hulagu brach hierauf von
Schamachi gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin,
der Chodscha Asis der Georgier und Chodscha Medschdeddin von
Tebris ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort sammt dem
Astronomen Hosameddin hingerichtet. Melik Ssadreddin von
Tebris und Ali Melik, die Befehlshaber von Irak, schlugen sich
in theilweisen Gefechten durch; am siebenten December stand
das Heer Hulagu's vor den Mauern Derbend's. Nach dreitägigem
Kampfe wurde die Feste erobert und acht Tage hernach Nokai
geschlagen. Die Nujanen Schiramun und Abatai wollten den
Prinzen Abaka, den ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur
Hilfe gesendet, zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte
männlich den Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters.
Hulagu ertheilte sieben anderen Nujanen den Befehl, sich des
Lagers der Kipdschaken zu bemächtigen. Sie gingen über den
Terek und schleppten Zelte und Herden von allen Seiten
zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon in
Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem Heere aus
den Schneegefilden der Steppe auf sie los; einen ganzen Tag
ward an den Ufern des Terek gekämpft; als die persischen
Truppen sich über den Fluss zurückzogen, brach das Eis ein und
eine grosse Anzahl derselben ging zu Grunde; Abaka kam heil
nach Schaburan; Berke hielt sich inner Derbend und Hulagu kam
im Frühjahre nach Tebris zurück. Hulagu rächte sich für die
Unfälle des Feldzugs, wie nach dem syrischen, durch den Mord
von Unschuldigen. Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die
sich zu Tebris befanden, hinrichten und ihre Güter einziehen.
Berke, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess alle
persischen Kaufleute, die in Kipdschak, morden; und Hulagu
vergalt dieses Blutbad mit dem eines Theiles der Bewohner
Bochara's, welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben
begann. Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu
Bochara lagen, gehörten fünf dem Batu, drei der Frau
Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, die übrigen acht dem
grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's
liess Hulagu ausrücken und niederhauen. Im folgenden Jahre
erscholl abermal das Gerücht, dass ein Heer aus Kipdschak im
Anzuge. Hulagu sandte den Scheich Scherif Tebrisi auf die
Strasse von Lesgistan nach Kipdschak, um Erkundigung
einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai gebracht. Was
macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt er noch fort, aus Grimm
unsere Krieger und Edele, unsere Kaufleute und Derwische zu
morden? – Der Scheich entgegnete: Unser Padischah war vormals
erzürnt ob der Misshelligkeit mit seinen Brüdern (Kubilai und
Arigh) und das Feuer seines Grimms verbrannte, was trocken und
feucht; allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron beendigt
ist, übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich
Gesandte mit der Nachricht angekommen, dass Aiktokt, welcher
dem Bruder Kubilai den Thron streitig machen wollte, sich
unterworfen; dass Alghui, der Enkel Dschafer's, aus seinem
Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent, gestorben,
dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der Herrschaft von
den Ufern des Oxus bis an die äussersten Gränzen Syriens als
Ilchan und Padischah und obendrein dreissigtausend auserlesene
mongolische Jünglinge zur Hilfe gesendet. Diese Nachricht
lähmte die Kriegslust Nokai's, und der Scheich kehrte mit der
Nachricht, dass, wiewohl kein Friede, die Feindseligkeiten
aufgehört, zu Hulagu zurück. Das Interesse Hulagu's ist in die
Streitigkeiten der Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so
enge verflochten und er hat an denselben durch seinen
Gesandten so einwirkenden Antheil genommen, dass eine kurze
Erzählung jener Begebenheiten als unmittelbar in dessen
Geschichte gehörig hier unabweislich. |