Drittes Buch
Folgen der Schlacht von Aindschalut für die Christen und
das Haus Ejub's.
Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage,
sowohl für die syrischen Christen, als für das Haus Ejub's.
Während der Gegenwart der Mongolen zu Damaskus hatten die
Christen die ihnen gewährte grössere Freiheit ihres Cultus
gegen die Moslimen missbraucht; von allen Kirchen übertönte
das Glockengeläute den Ruf der Muesine, und sie trieben den
Uebermuth so weit, dass sie Wein in die grosse Moschee trugen.
Schon am vierten Tage nach der Niederlage der Mongolen
überfielen die Moslimen die grosse, der heiligen Jungfrau
geweihte Kirche zu Damaskus und schleiften dieselbe. Dies war
die Kirche, welche der Chalife Omar II. Ben Asis den Christen
eingeräumt hatte, um sie für den Verlust der Kirche des
heiligen Joannes zu entschädigen, welche ihnen laut der unter
Omar I. (Ben Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt
für immer hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid,
dem Sohne Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee,
das Meisterstück saracenischer Baukunst, verwandelt worden
war. Kotos hatte bei seinem Auszuge die beiden Fürsten des
Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref, und Said, einen
Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne Asis, welcher von Hulagu
mit dem Besitze von Sobeibe und Banias belehnt worden war, zur
Hilfe wider die Mongolen auffordern lassen. Der Herr von Himss
empfing den Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm
auf, in seinem Namen die Erde vor den Füssen des Sultans zu
küssen, in dem er den Retter des Islams verehre. Said hingegen
entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan Kotos; er
focht in den Reihen der Mongolen. Nach der Niederlage
derselben nahte er sich huldigend dem Pferde des Sultans, um
demselben die Hand zu küssen. Kotos, statt ihm die Hand zum
Kusse zu gewähren, stiess ihm die Ferse in's Maul, dass das
Blut herausschoss; er liess ihn dann enthaupten. Eben so
tragisch war das Schicksal Melik Nassir's, des letzten Sultans
von Haleb, der mit seinem Bruder sich in seiner alten Residenz
befand, wo Hulagu die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's
erhalten hatte. Hulagu überhäufte den vorigen Herrscher
Haleb's mit Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren
Unterwürfigkeit Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der
Aegypter gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm
erlaubt gewesen wäre, in Syrien zu weilen, kein syrischer
Soldat es gewagt haben würde, wider einen Mongolen das Schwert
zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus beherrscht
werden? – Hulagu, statt hierdurch besänftigt zu werden, nur
noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil nach ihm, der ihn
verwundete. Schone meiner! rief ihm der unglückliche Nassir
zu; aber sein Bruder Sahir ermahnte ihn, nicht auf unwürdige
Art zu sterben; und er erlag dem zweiten, von Hulagu auf ihn
geschossenen Pfeile. Die anderen Prinzen und das Gefolge
derselben, in Allem dreihundert Reiter, wurden von dreihundert
mongolischen Reitern getödtet, bis auf Einen, den Astronomen
Mohijeddin El Mahghribi, welchem das Ansehen, worin die
Astronomie bei den Mongolen stand, das Leben rettete, und aus
dessen Munde der syrische Geschichtschreiber die Umstände
dieses Gemetzels erzählt. Mit Melik Nassir und seinem Bruder
Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte Melik Ssalih,
der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss, welcher die
von seinem Vater dem Gesandten des Sultans gegebene
unterwürfige Antwort jetzt mit dem Leben büsste. Nur das Leben
Melikolasis, des unmündigen Sohnes Melikonnassir Jusuf's,
wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf Ssalaheddin,
gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater, hatte nicht nur
über ganz Syrien, sondern auch über einen grossen Theil
Mesopotamiens, über Haran, Roha, Rakka, Reis Ain, später über
Damaskus und bis an Aegyptens Gränze geherrscht, wo er schon
zum Sultan ausgerufen, als solcher wieder den Thron dem Hause
Ssalaheddin's erworben hätte, wenn ihn nicht in der Schlacht
zu Abbasa der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane Aibek,
und die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen
hätten. Er liebte den Aufwand, besonders den der Küche, in
welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden;
übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter
seiner Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus
hatte er die nach ihm genannte Moschee, zu Ssalihije sein
Grabmal erbaut, in welches aber nicht er, sondern der
mongolische Emir Kormun begraben werden sollte; der Dichtkunst
nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte, aus denen
Abulfeda das folgende erhalten:
Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktest
Und statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest,
So würdest du nur mehren meine Liebe,
Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe.