Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Folgen der Schlacht von Aindschalut für die Christen und das Haus Ejub's.

Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage, sowohl für die syrischen Christen, als für das Haus Ejub's. Während der Gegenwart der Mongolen zu Damaskus hatten die Christen die ihnen gewährte grössere Freiheit ihres Cultus gegen die Moslimen missbraucht; von allen Kirchen übertönte das Glockengeläute den Ruf der Muesine, und sie trieben den Uebermuth so weit, dass sie Wein in die grosse Moschee trugen. Schon am vierten Tage nach der Niederlage der Mongolen überfielen die Moslimen die grosse, der heiligen Jungfrau geweihte Kirche zu Damaskus und schleiften dieselbe. Dies war die Kirche, welche der Chalife Omar II. Ben Asis den Christen eingeräumt hatte, um sie für den Verlust der Kirche des heiligen Joannes zu entschädigen, welche ihnen laut der unter Omar I. (Ben Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt für immer hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid, dem Sohne Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee, das Meisterstück saracenischer Baukunst, verwandelt worden war. Kotos hatte bei seinem Auszuge die beiden Fürsten des Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref, und Said, einen Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne Asis, welcher von Hulagu mit dem Besitze von Sobeibe und Banias belehnt worden war, zur Hilfe wider die Mongolen auffordern lassen. Der Herr von Himss empfing den Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm auf, in seinem Namen die Erde vor den Füssen des Sultans zu küssen, in dem er den Retter des Islams verehre. Said hingegen entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan Kotos; er focht in den Reihen der Mongolen. Nach der Niederlage derselben nahte er sich huldigend dem Pferde des Sultans, um demselben die Hand zu küssen. Kotos, statt ihm die Hand zum Kusse zu gewähren, stiess ihm die Ferse in's Maul, dass das Blut herausschoss; er liess ihn dann enthaupten. Eben so tragisch war das Schicksal Melik Nassir's, des letzten Sultans von Haleb, der mit seinem Bruder sich in seiner alten Residenz befand, wo Hulagu die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's erhalten hatte. Hulagu überhäufte den vorigen Herrscher Haleb's mit Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren Unterwürfigkeit Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der Aegypter gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, in Syrien zu weilen, kein syrischer Soldat es gewagt haben würde, wider einen Mongolen das Schwert zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus beherrscht werden? – Hulagu, statt hierdurch besänftigt zu werden, nur noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil nach ihm, der ihn verwundete. Schone meiner! rief ihm der unglückliche Nassir zu; aber sein Bruder Sahir ermahnte ihn, nicht auf unwürdige Art zu sterben; und er erlag dem zweiten, von Hulagu auf ihn geschossenen Pfeile. Die anderen Prinzen und das Gefolge derselben, in Allem dreihundert Reiter, wurden von dreihundert mongolischen Reitern getödtet, bis auf Einen, den Astronomen Mohijeddin El Mahghribi, welchem das Ansehen, worin die Astronomie bei den Mongolen stand, das Leben rettete, und aus dessen Munde der syrische Geschichtschreiber die Umstände dieses Gemetzels erzählt. Mit Melik Nassir und seinem Bruder Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte Melik Ssalih, der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss, welcher die von seinem Vater dem Gesandten des Sultans gegebene unterwürfige Antwort jetzt mit dem Leben büsste. Nur das Leben Melikolasis, des unmündigen Sohnes Melikonnassir Jusuf's, wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf Ssalaheddin, gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater, hatte nicht nur über ganz Syrien, sondern auch über einen grossen Theil Mesopotamiens, über Haran, Roha, Rakka, Reis Ain, später über Damaskus und bis an Aegyptens Gränze geherrscht, wo er schon zum Sultan ausgerufen, als solcher wieder den Thron dem Hause Ssalaheddin's erworben hätte, wenn ihn nicht in der Schlacht zu Abbasa der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane Aibek, und die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen hätten. Er liebte den Aufwand, besonders den der Küche, in welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden; übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter seiner Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus hatte er die nach ihm genannte Moschee, zu Ssalihije sein Grabmal erbaut, in welches aber nicht er, sondern der mongolische Emir Kormun begraben werden sollte; der Dichtkunst nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte, aus denen Abulfeda das folgende erhalten:

Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktest
Und statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest,
So würdest du nur mehren meine Liebe,
Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe.

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