Drittes Buch
Hulagu's Aufbruch von Haleb, Keitbuka zu Damaskus.
Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus, mit den
Plänen weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt, zu Haleb,
als er die Nachricht von dem Tode seines Bruders, des grossen
Kaan's Mengku, erhielt. Er brach sogleich auf, wie es scheint
in der Absicht, die oberste Herrschaft des Reichs im Kurultai
zu Karakorum für sich selbst anzusprechen, erfuhr aber schon
zu Tebris, dass sein Bruder Kubilai zum Kaan und Moilchan
ausgerufen worden, und kehrte in der Folge wieder nach Haleb
zurück. Ehe er Haleb verlassen, befahl er die Schleifung der
Mauern und des Schlosses von Haleb, was vollzogen ward; den
Oberbefehl über das Heer liess er in den Händen Keitbuka's,
des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im
zauberischen Thale von Ghuta gelagert, welches durch die
üppige Fülle seines Grüns und Baumwuchses eines der vier
Paradiese des Ostens (die drei anderen sind die Auen von
Obolla an der Mündung des Euphrats, das Zauberthal Schaab
Bewwan in Fars und die Ebene von Soghd im Lande jenseits des
Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die Paradiese des
Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen und eifrige
Moslimen deren acht, indem nach der Lehre des Koran's die Zahl
der Höllen sieben, die der Paradiese aber acht, indem Gottes
Grimm minder als seine Huld und jenseits wie diesseits
verdiente Strafe von unverdienter Gnade überwogen wird. Diese
vier anderen Paradiese sind das Thal von Tebris, das von
Mamschanrud zu Hamadan, der Sommeraufenthalt der Bewohner
Malatia's zu Sebusi, dem vom Flusse des Messias bewässerten
Thale, und endlich das des Bosporos, dessen Schönheiten nach
dem bekannten Distichon des türkischen Dichters Melhemi die
Schönheiten der vier ersten Paradiese weichen müssen. Im
schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka Gesandte
der Franken, welche ihm den Prinzen Sahir, den Bruder Jusuf
Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb, zuführten.
Keitbuka bestätigte ihn im Besitze seines Leibgedinges,
nämlich der Herrschaft von Ssarchad; eine Heeresabtheilung
wurde unter Kuschluchan's Befehl gegen Nablus (Neapolis)
gesandt, das alte, zwischen den Bergen Garazin und Tobal,
welche die Kibla der Samaritaner, gelegene Sichem, und die
Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen. Die Mongolen
kehrten das grosse syrische Gestade bis hinunter nach Ghasa
sengend und brennend aus. Panias, die anderthalb Tagreise
nordöstlich von Damaskus gelegene kleine Stadt, wurde
verheert. Während dieser Begebenheiten ward Keitbuka Herr von
Nassir's, des flüchtigen Sultan's von Haleb, Person. Nur von
seinem Bruder Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des
Herrn von Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen)
Emiren (gebornen Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach
Kathije an Aegyptens Gränze gekommen, von wo, sich nicht
weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und, alles seines
Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nach Kerek und von da
nach Belka begab. Durch zwei kurdische Hellebardiere an
Keitbuka verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen und vor
Keitbuka geführt, der belagernd vor Adschalun's Mauern stand.
Keitbuka zwang ihn, den Belagerten den Befehl der Uebergabe
zuzurufen; die Stadt ergab sich und die Mauern derselben,
welche Iseddin, einer der Emire Ssalaheddin's, erbaut[394],
wurden geschleift. Keitbuka sandte den Sultan Nassir mit
seinem Bruder Sahir, mit Ssalih, dem Sohne des Sultans von
Himss, und mit Asis, dem minderjährigen Sohne von Moghis, dem
Sultan von Kerek, nach Tebris in die Gegenwart Hulagu's.
Dieser empfing die vier Prinzen des Hauses Ejub gnädig und
versprach dem Sultan von Haleb, ihm sein väterliches Erbe
zurückzustellen, sobald Aegypten im Besitze des mongolischen
Heeres. |