Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Kaidu.

Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich reuig an dem Hofe des Bruders eingestellt, an welchem er nach dem mongolischen Gebrauche als Schuldiger eingeführt ward. Nach dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht durch das gewöhnliche Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt, sondern bei einer heimlichen Pforte hineingestossen, und statt eines Ehrenkleides mit Filz bekleidet. Das offene Bekenntniss der Schuld ward gnädig aufgenommen; aber Dschingkum, der Gesandte Hulagu's, welcher gegenwärtig, rieth im Namen seines Herrn, nach der Strenge der Jasa zu verfahren und den Prinzen sammt seinen Mitschuldigen vor Gericht zu stellen; auch Dschikar, der Bruder Apuschka's, welcher durch die Hand des Prinzen Suntai gefallen, warf dem Arikbugha hartes Wort, dass er bereit sei, dessen Blut zu vergiessen, in's Gesicht. Am folgenden Tage gingen die grossen Nujane mit den Prinzen in's Gericht. Auf die wider sie vorgebrachte Klage schwiegen sie alle; endlich redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so von Gesicht als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr Fürsten! Haben wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha auf den Thron zu setzen, oder mit ihm zu sterben? Nun ist der Tag gekommen, den zweiten Theil unseres gegebenen Wortes zu lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des Aufruhrs und die Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai wollte dennoch nicht zur Vollstreckung des Urtheils schreiten, ohne zuvor das Gutachten Berke's und Hulagu's und auch Alghui's, der damals noch am Leben, eingeholt zu haben; nur die schuldigsten der Emire wurden sogleich hingerichtet: Bulgha Nujan, der erste Hebel des Aufruhrs, Ildschetai, welcher Gurundschi, den Sohn Kadan's, verschwärzt, und Tokus, welcher das meiste Blut der Truppen des Kaan's vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt; nur um das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu verhängende Loos wurden Berke, Hulagu und Alghui um ihr Gutachten befragt. Alghui erklärte, dass er sich der Meinung des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei, anschliesse. Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim Kurultai zu erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten starb Arikbugha natürlichen Todes, und es brach der Krieg zwischen Hulagu und Berke aus. Kubilai verlieh die Herrschaft des Uluses Dschagatai, welche die Frau Hirghana ihrem Sohne Mubarekschah zugewandt hatte, dem Beirak, dem Sohne Jesun Tewa's, des zweiten Sohnes Muwatukjan's, welcher den Mubarekschah zur Abdankung bewog und sich der Zügel der Herrschaft des Uluses Dschagatai bemächtigte; aber nachdem Arikbugha und Alghui, die beiden Thronanmasser aus dem Uluse Tuli's und Dschagatai's, verschwunden, hatte Kubilai noch einen dritten aus dem Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den Sohn Kaschin's, zu bekämpfen. Kubilai sandte ihm ein von seinen Söhnen Numughan und Kukistu befehligtes Heer entgegen, in welchem sich Söhne Ogotai's und Arikbugha's befanden. Die Prinzen Tokatimur und Schiregi (der Sohn Ogotai's) verschworen sich mitsammen, ergriffen die beiden Prinzen, Söhne Kubilai's, und sandten dieselben an Mengku Timur, den Herrn von Kipdschak, aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus, dass die Söhne Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache machten, das aber nicht dem so. Zwar vereinten sich mit Schiregi und Tokatimur auch Sarban, der achte Sohn Dschaghatai's; aber sie wurden vom Heere Kubilai's geschlagen, und die beiden letzten entflohen nach der Landschaft Narin, wo sie am Ufer des Irtisch weilten; während Tokatimur im Lande der Kirgisen streifte, ward sein Lager von den Truppen Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte sich an Schiregi um Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte, lockte er den Sarban mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er früher den Schiregi damit verlockt hatte. Die beiden gleich getäuschten Thronbewerber Sarban und Schiregi bekriegten sich nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf, bis beide in die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch Sumpfluft verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl über eine Abtheilung von Truppen gab. Melik Timur und der Sohn Schiregi's begaben sich zu Kaidu, der, noch nach vierzig Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai, im Verlaufe dieser Geschichte noch mehr als einmal in die der Ilchane eingreifend erscheinen wird.

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