Drittes Buch
Kaidu.
Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich reuig an
dem Hofe des Bruders eingestellt, an welchem er nach dem
mongolischen Gebrauche als Schuldiger eingeführt ward. Nach
dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht durch das gewöhnliche
Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt, sondern bei einer
heimlichen Pforte hineingestossen, und statt eines
Ehrenkleides mit Filz bekleidet. Das offene Bekenntniss der
Schuld ward gnädig aufgenommen; aber Dschingkum, der Gesandte
Hulagu's, welcher gegenwärtig, rieth im Namen seines Herrn,
nach der Strenge der Jasa zu verfahren und den Prinzen sammt
seinen Mitschuldigen vor Gericht zu stellen; auch Dschikar,
der Bruder Apuschka's, welcher durch die Hand des Prinzen
Suntai gefallen, warf dem Arikbugha hartes Wort, dass er
bereit sei, dessen Blut zu vergiessen, in's Gesicht. Am
folgenden Tage gingen die grossen Nujane mit den Prinzen in's
Gericht. Auf die wider sie vorgebrachte Klage schwiegen sie
alle; endlich redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so
von Gesicht als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr
Fürsten! Haben wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha
auf den Thron zu setzen, oder mit ihm zu sterben? Nun ist der
Tag gekommen, den zweiten Theil unseres gegebenen Wortes zu
lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des Aufruhrs und die
Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai wollte dennoch nicht zur
Vollstreckung des Urtheils schreiten, ohne zuvor das Gutachten
Berke's und Hulagu's und auch Alghui's, der damals noch am
Leben, eingeholt zu haben; nur die schuldigsten der Emire
wurden sogleich hingerichtet: Bulgha Nujan, der erste Hebel
des Aufruhrs, Ildschetai, welcher Gurundschi, den Sohn Kadan's,
verschwärzt, und Tokus, welcher das meiste Blut der Truppen
des Kaan's vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt;
nur um das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu
verhängende Loos wurden Berke, Hulagu und Alghui um ihr
Gutachten befragt. Alghui erklärte, dass er sich der Meinung
des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei, anschliesse.
Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des
Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim
Kurultai zu erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten
starb Arikbugha natürlichen Todes, und es brach der Krieg
zwischen Hulagu und Berke aus. Kubilai verlieh die Herrschaft
des Uluses Dschagatai, welche die Frau Hirghana ihrem Sohne
Mubarekschah zugewandt hatte, dem Beirak, dem Sohne Jesun
Tewa's, des zweiten Sohnes Muwatukjan's, welcher den
Mubarekschah zur Abdankung bewog und sich der Zügel der
Herrschaft des Uluses Dschagatai bemächtigte; aber nachdem
Arikbugha und Alghui, die beiden Thronanmasser aus dem Uluse
Tuli's und Dschagatai's, verschwunden, hatte Kubilai noch
einen dritten aus dem Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den Sohn
Kaschin's, zu bekämpfen. Kubilai sandte ihm ein von seinen
Söhnen Numughan und Kukistu befehligtes Heer entgegen, in
welchem sich Söhne Ogotai's und Arikbugha's befanden. Die
Prinzen Tokatimur und Schiregi (der Sohn Ogotai's) verschworen
sich mitsammen, ergriffen die beiden Prinzen, Söhne Kubilai's,
und sandten dieselben an Mengku Timur, den Herrn von Kipdschak,
aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus, dass die Söhne
Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache machten, das aber
nicht dem so. Zwar vereinten sich mit Schiregi und Tokatimur
auch Sarban, der achte Sohn Dschaghatai's; aber sie wurden vom
Heere Kubilai's geschlagen, und die beiden letzten entflohen
nach der Landschaft Narin, wo sie am Ufer des Irtisch weilten;
während Tokatimur im Lande der Kirgisen streifte, ward sein
Lager von den Truppen Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte
sich an Schiregi um Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte,
lockte er den Sarban mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er
früher den Schiregi damit verlockt hatte. Die beiden gleich
getäuschten Thronbewerber Sarban und Schiregi bekriegten sich
nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf, bis beide in
die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch Sumpfluft
verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl über eine
Abtheilung von Truppen gab. Melik Timur und der Sohn
Schiregi's begaben sich zu Kaidu, der, noch nach vierzig
Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai, im Verlaufe
dieser Geschichte noch mehr als einmal in die der Ilchane
eingreifend erscheinen wird. |