Drittes Buch
Keitbuka's Stellung gegen die Kreuzfahrer in Aegypten.
Wiewohl Keitbuka wie Hulagu die Christen als die Feinde
seiner Feinde, der Moslimen, begünstigte, so ergrimmte er doch
wider die Franken von Sidon und Beaufort, welche einige den
Mongolen zinsbare, im Gebiete von Beaufort gelegene
saracenische Ortschaften geplündert, mehrere der Bewohner
getödtet, andere in Gefangenschaft geschleppt, einen Neffen
Keitbuka's, welcher an sie gesendet worden, um die gemachte
Beute zurückzubegehren, erschlagen hatten und dem Keitbuka
Zurückstellung der Beute und Genugthuung verweigerten.
Keitbuka züchtigte sie dafür durch die Eroberung von Sidon und
die Schleifung eines Theiles der Stadtmauer. Die Einwohner
flüchteten in die nächst der Stadt auf einer Insel gelegene
Burg. Durch diese Feindseligkeit wurde das bisherige Zutrauen
der syrischen Christen und Mongolen für immer zerstört. Die
politische Zuneigung Hulagu's für die Christen ward
hauptsächlich durch die Frauen, durch die Frau Tokus, die
erste Gemahlin und grosse Frau Hulagu's, seine Begleiterin auf
diesem Feldzuge, und durch Hethum, den König Kleinarmeniens,
bestärkt. Diesem dankte sein Eidam, der Prinz von Antiochien,
einzig seine Rettung, indem sonst nach Haleb's Ruin der
Antiochien's wohl unvermeidlich gewesen wäre. Hulagu sandte
ihm aber Geschenke und Diplom, wodurch der Fürst von
Antiochien wieder in den Besitz aller, zu seinem Fürstenthume
gehörigen, ihm von den Saracenen entrissenen Ortschaften
eingesetzt ward. Der grössere Theil des mongolischen Heeres
war theils in Mesopotamien, mit der Belagerung oder Huth der
dortigen Städte beschäftigt, theils in Syrien zu Grunde
gegangen, theils dem Hulagu bei seinem Aufbruche von Haleb
gefolgt; Keitbuka blieb mit nicht mehr als zehntausend
Mongolen zur Eroberung Aegyptens oder doch wenigstens zur Huth
Syriens wider Aegypten zurück. Keitbuka war zu Damaskus auf
die Vertheidigung und den Schutz Syriens bedacht, als er die
Nachricht von dem Anmarsche des Sultans von Aegypten, Mois
Seifeddin Kotos, erhielt, in dessen Gefolge sich Melik el
Manssur, der Sultan von Hama, mit seinem Enkel Efdhal, dem
Vater Abulfeda's, des grossen Geographen, Geschichtschreibers,
und andere moslimische Fürsten befanden, welche sich bei der
Annäherung der Mongolen nach Aegypten geflüchtet und bei dem
Sultane der Mamluken vom Nile den Schutz gesucht, den ihnen
ihre Uneinigkeit wider die Mongolen nicht gewährte. Kotos, der
erst seit einem halben Jahre auf dem Throne sass, war der
dritte der Sultane Mamluken, welche denselben seit dem, der
Gefangenschaft des heiligen Ludwig gleichzeitigen, Ruine des
Hauses Ejub gefüllt; denn nachdem Melikolmoaasem Turanschah in
dem Aufruhre der Mamluken zwischen Gluth und Fluth, halb
versengt und halb ertränkt, endlich von den Pfeilen der
Rebellen ereilt, geendet hatte, war die Herrschaft Aegyptens
erst in den Händen der Frau Schedschreteddurr, d. i.
Perlenbaum, der Gemahlin Ssalih's, des vorletzten Sultans der
Beni Ejub, und ihres Gemahls, des Turkmanen Iseddin Aibek
Dschaschnegir, d. i. Glaubensehre, Mondfürst, Truchsess, den
sie aber selbst durch ihre Sklavinnen im Bade ersticken liess,
als sie vernommen, dass er die Tochter Bedreddin Lulu's von
Mossul zur Gemahlin nehmen wolle. Seine Mamluken setzten
dessen fünfzehnjährigen Sohn auf den Thron und rächten des
Vaters Mord durch den der Frau Perlenbaum, deren Leichnam aus
der rothen Burg, in der sie unumschränkt befahl,
hervorgezogen, nackt in den Graben geworfen ward. An der
Spitze der Bluträcher stand der Emir Atabeg, Oberbefehlshaber
des Heeres Seifeddin Kotos, welcher unter dem scheinbaren
Grunde, dass der Mongolen drohende Gefahr statt des
unerfahrenen Jünglings einen kräftigen Mann zum Herrscher
Aegyptens dringend fordere, den Sohn Aibek's schon nach
dritthalb Jahren des Thrones, worauf er ihn gesetzt, entsetzte
und diesen selbst als Sultan Aegyptens einnahm. |