Drittes Buch
Miafarakain.
Ehe wir die Erzählung des syrischen Feldzugs weiter
verfolgen, wenden wir uns nach Mesopotamien zurück, wo Hulagu
auf seinem Durchzuge seinen Sohn Jaschmut mit einer
Heeresabtheilung belagernd vor der Stadt Miafarakain gelassen,
welche nordöstlich von Diarbekr gelegen. Miafarakain, das
südlich demselben gelegene Hossnkeif und das noch südlichere,
am Berge Dschudi oder Masius gelegene Mardin, das alte Merde,
drei der festesten Horte des arabischen Irak und
Gränzfestungen des byzantinischen und persischen Reichs,
wollen ihrer Wichtigkeit wegen vom Leser dieser Geschichte
näher gekannt sein. Das erste, auf armenisch Nefrgerd, auf
griechisch die Stadt der Martyrer geheissen, ist vielleicht
das alte Carcatiocerta, welche die Hauptstadt Sophiene's, wie
Miafarakain die Hauptstadt des Landes Bekr's war; sie liegt am
dritten Gränzflusse des byzantinischen und persischen Reichs,
am Nymphius, der heute der Goldfluss heisst und nördlich der
Stadt aus einer Quelle entspringt, welche die Quelle Bekr's
heisst. Die orientalischen Geographen nennen nur ein
einziges Denkmal der Stadt, aber dieses einzige macht viele
andere zum Ruhme der Stadt überflüssig und leuchtet hell
hervor aus dem Dunkel unbekannter Martyrer, von denen die
Stadt den armenischen und griechischen Namen hat; es ist das
Grabmal Seifeddewlet's, d. i. des Reichsschwerts, des grossen
Fürsten der Beni Hamdan, dessen zahlreiche glückliche und
unglückliche Kämpfe gegen das byzantinische Reich, dessen
Kriegsthaten in Asien von Haleb bis an die Ufer des Bosporos
die Geschichte erzählt und Motenebbi in unsterblichem Gedichte
verherrlicht hat. Hier ist das eigentliche Land Bekr's, von
welchem die spätere Hauptstadt desselben, Amid oder Diarbekr,
den heutigen Namen trägt. Ursprünglich der Sitz des Stammes
Bekr Ben Wail, dann der Könige von Kinde, aus welchen
Amrolkai's, einer der sieben grössten Dichter vor Mohammed, um
des von den Beni Esed erschlagenen Vaters Tod zu rächen,
Bundesgenosse des griechischen Kaisers, zuletzt von seinen
Feinden im Bade mittels vergifteten Kleides getödtet. Nach der
Eroberung unter dem Chalifate Omar's herrschten hier die
Dynastien der Beni Merwan und Beni Ortok, und als Hulagu's
Heer vor Miafarakain belagernd erschien, war dasselbe seit
siebzig Jahren in den Händen eines Zweiges der Beni Ejub,
deren vierter Herrscher, Melikol Kjamil, durch die Hinrichtung
des Gesandten und durch die Verweigerung der Unterwerfung
unter die Macht des Kaan's und Ilchan's gesichert. Als Prinz
Jaschmut mit den beiden ihm untergebenen Feldherren, Ilkai
Nujan und Suntai, zur Uebergabe aufforderte, antwortete er:
der Prinz möge nicht kaltes Eisen schmieden und Unmögliches
nicht erwarten. Ist er nicht der Sohn des Vaters, der dem
Chorschah (dem Fürsten der Assassinen), dem Chalifen von
Bagdad, dem Hosameddin Aka (dem Befehlshaber von Deriteng) und
dessen Sohne Tadscheddin (dem Befehlshaber von Irbil) das
gegebene Wort gebrochen und sie trotz des gewährten sicheren
Geleites getödtet hat? Da mich gleiches Loos erwarten würde,
wie sie, will ich mich bis auf den letzten Odemzug
vertheidigen. Er öffnete seine Schätze und Magazine der
Besatzung und sagte ihnen: Theilt euch darein, denn ich bin
nicht, Gott sei Dank! der Chalife Moteaassim, dessen Geiz die
Ursache von Bagdads Ruin. Wurfmaschinen wurden wider
Wurfmaschinen aufgepflanzt und zwar mit so grosser Genauigkeit
der Richtung der einen gegen die andere, dass die
geschleuderten Felsenstücke mehrmals in der Luft
zusammenstiessen und, durch den Zusammenstoss zerschmettert,
als Kies und Sand herunterregneten. Endlich gelang es den
Belagerten, die Wurfmaschinen der Belagerer mittels
geschleuderten Naphtafeuers zu verbrennen. |