Drittes Buch
Eroberung von Haleb und Harim.
Der Befehlshaber des Schlosses war Moaasem Turanschah, der
Sohn Nassir's, an welchen die Aufforderung der Mongolen
erging: Wir wollen euch Nichts Uebles, lautete die Botschaft,
wir suchen nur den König Nassir auf, um uns zu schlagen; nehmt
also zwei mongolische Vögte an, deren einer in der Stadt, der
andere im Schlosse residire, so lange noch das Kriegsglück
unentschieden; wenn wir das moslimische Heer geschlagen, seid
ihr uns ohnedies als Sklaven verfallen; schmiegt euch daher
lieber früher als später in's Joch; sollten wir besiegt
werden, so steht es euch immer frei, unsere Vögte hinaus zu
werfen, oder wenn ihr lieber wollt, sie zu tödten. Moaasem's
Antwort war eines Ejubiden würdig: er habe für die Mongolen
Nichts, als sein blankes Schwert. Auf diese Antwort
umzingelten die Mongolen die Stadt, besetzten die Brücken, bei
deren Vertheidigung Esededdin, der Sohn Soheir's, des Sohnes
Nassireddin's, fiel. Das Schwert wüthete durch fünf Tage, von
Sonntag bis Freitag, bis Hulagu's Befehl dem Morden Einhalt
that; nur sechs Gebäude waren durch besondere
Sicherheitsbriefe von der allgemeinen Plünderung ausgenommen,
nämlich vier Häuser von Prälaten, das Kloster der Ssofi und
die Synagoge der Juden, aber weder die griechische noch die
syrische Kirche. Während Abulfaradsch, der Syrer, welcher die
Geschichte dieses Feldzugs als Augenzeuge beschrieben, als
Abgesandter der Christen an Hulagu im Sternschloss aufgehalten
ward, drangen die Tataren in die Stadt ein und metzelten die
Christen nieder, die sich in die griechische Kirche
geflüchtet, bis auf wenige, welche der armenische Priester
Toros rettete. Das Blutbad war gross und grösser, als zu
Bagdad; die Zahl der in den verschonten Gebäuden Geretteten
belief sich auf fünfzigtausend; das Schloss ward mit
Wurfmaschinen beschossen. Die Emire Kurchan, Adschu Sukurdschi
und Ssadik Gurdschi wurden verwundet. Hulagu beschenkte sie
und sagte: Wie die rothe Farbe die Schminke der Weiber, so ist
die Schminke der Männer das Blut. In dem Schlosse wurden
Mehrere, als des Einverständnisses mit den Mongolen
verdächtig, getödtet; über zwei Monate hatte die Belagerung
gedauert, als der Besatzung freier Abzug gestattet ward. Die
Emire der ägyptischen Mamluken, welche sich unter der
Besatzung befanden, wurden der Sorge eines Kipdschaken
empfohlen, welcher vormals bei Nassir, dem Herrn Haleb's,
Schutz gesucht, von demselben gütig aufgenommen, jedoch, weil
es ihm in Syrien nicht gefiel, wieder zu den Mongolen
übergegangen war. Ausrufer verkündeten, dass es den Moslimen
erlaubt sei, in ihre Wohnungen zurückzukehren, und dass ihnen
Niemand Etwas in den Weg legen solle. Hulagu ernannte zum
Vogte Fachreddin, den Mundschenken, und Tokal Bachschi, liess
den ersten in der Folge, als sich die Einwohner über seine
Erpressungen beklagten, hinrichten, und gab die Stelle dem
Seineddin Hafis. Nun kam Melikol-Eschref Musa, der Herr von
Himss, welchem Nassir, wie vordem gesagt worden, die
väterliche Stadt weggenommen und ihm dafür Telbaschir gegeben
hatte, und der mit Nassir und dessen Bruder bei Annäherung der
Mongolen aus Haleb nach Aegypten geflohen, um sich dem
Eroberer huldigend zu Füssen zu werfen. Hulagu empfing ihn
gnädig und setzte ihn in das ihm entrissene Fürstenthum von
Himss wieder ein; auch erschien Mohijeddin, der Sohn Seki's,
der Richter von Damaskus, um ihm die Huldigung der Stadt
darzubringen; Hulagu empfing ihn ehrenvoll und sandte ihn nach
Damaskus mit goldenen Ehrenkleidern für die Gesetzgelehrten
zurück. Er theilte dieselben dort in öffentlicher Versammlung
aus und las das Jerligh vor, welches ihm die Stelle als
Richter von Damaskus verlieh. Nachdem Haleb's Einrichtung
getroffen war, wandte sich Hulagu gegen Harun, welches unter
dem Namen Harim aus der Geschichte der Kreuzzüge bisher besser
als seine Lage bekannt, durch mehrere Schlachten berühmt; von
den Christen eingenommen, von Nureddin belagert und erstürmt,
fiel es wieder in der Kreuzfahrer Hände, denen es Ssalaheddin
entriss. Es liegt zwischen Haleb und Antiochien, zwei
Tagreisen von jenem und eine von diesem entfernt, und ist
besonders seiner herrlichen Granatäpfel willen berühmt, welche
die saftigsten Syriens. Die Besatzung erklärte, sie wolle sich
an Niemanden als an Fachreddin, den Naib (Stellvertreter des
Richters) von Haleb, ergeben, welcher, herbeigerufen, ihre
Uebergabe im Namen Hulagu's empfing; diesen aber wurmte der
ihm hierdurch zugefügte Schimpf so sehr, dass er trotz des
zugesicherten Lebens alle Einwohner mit Weib und Kind erwürgen
liess. Den Sultan von Himss, Melikol Eschref, sandte er nach
Hama, dessen Emire, nachdem ihr Sultan Melik Manssur sich nach
Damaskus geflüchtet hatte, dem Hulagu die Schlüssel der Stadt
überbracht und um einen mongolischen Vogt gebeten. Er sandte
ihnen den Wesir Chosrewschah, der seinen Stamm vom Schwerte
des Islams von Chalid, dem Sohne Welid's, dem berühmten
Feldherrn der beiden ersten Chalifen, dem Eroberer Syriens,
herleitete. Melik Eschref erhielt von Hulagu den Auftrag, die
Mauern Hama's und die seiner eigenen Stadt Himss zu zerstören.
Melikol Eschref verfuhr schonungslos zu Hama, wo er die Mauern
des Schlosses schleifte, das Arsenal verbrannte, die schöne
Bibliothek versteigerte und auch die Mauern der Stadt
gebrochen haben würde, wenn nicht ein Franke dem mongolischen
Zerstörer, dem Perser Chosrewschah, vorgestellt, dass die
Nachbarschaft der Christen zu Hossnol Ekrad es nicht rathsam
mache, die Stadt ihres Walles zu entmanteln. Nicht so genau
vollzog Melikol Eschref die Befehle Hulagu's in seiner eigenen
Stadt Himss, wo er nur Weniges zum Scheine abbrach, sein
übriges Erbe verschonend. |