Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Schlacht von Aindschalut.

Zu Ssalihije, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen Heeres, fand Kotos Widerwillen bei seinen Emiren, wider den Feind zu ziehen; mit den Worten: „Ich werde allein wider die Tataren ziehen“, schloss er den Kriegsrath, indem er bei einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche zu rühren befahl. Der Emir Beibars Bondokdari (der nachmalige Sultan der Mamluken) erhielt den Befehl, mit einer Truppenabtheilung vorauszueilen, um Erkundigung vom Feinde einzuziehen. Alsbald er vor den Mauern Ghasa's erschienen, wurde die Stadt geräumt. Kotos folgte ihm auf dem Fusse nach; aus Aka kamen ihm die Franken mit Anerbietung von Hilfe und Begleitung entgegen. Er lehnte den Antrag ab und forderte nur das Versprechen der strengsten Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen drohte. Zu Aindschalut, d. i. am Quelle Goliath's, zwischen Beisan und Nablus, kam es zur entscheidenden Schlacht. Keitbugha und Baidera, die beiden Feldherren, Statthalter Hulagu's zu Damaskus und Haleb, hatten alle in Syrien befindlichen tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten Freitag des Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das ganze weite Thal vom Pferdegewieher und Waffengetöse; das Geschrei der Dorfbewohner tönte in den unaufhörlich fortrollenden Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der Heermusik seiner Emire. Die Aegypter gebrauchten die Kriegslist, sich dem mongolischen Heere in weissen Burken, d. i. mongolischen Pelzen, zu nahen, so dass sie von den Mongolen für Schaaren Ihriger gehalten wurden. Einer der Flügel des ägyptischen Heeres war bereits in Unordnung und gebrochen; Sultan Kotos warf seinen Helm zur Erde und schrie aus allen Kräften: „o Islam!“ Er stürzte sich mit allen, die um ihn waren, auf den Feind und kämpfte mit äusserster Unerschrockenheit. Die Mongolen flüchteten in's Geröhricht des sumpfigen Thales; Kotos befahl, das Geröhricht anzuzünden, und sie gingen zwischen Feuer und Schwert elend zu Grunde. Der Emir Beibars that Wunder der Tapferkeit vor den Augen des Sultans. Als dieser mitten im Gemenge der Schlacht, spannte der mongolische Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner Jugend beim Gesandtenmorde das Leben gerettet hatte, seinen Bogen von rückwärts auf den Sultan, um durch dessen Tod das vergossene Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen wurde er auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen; nach Anderen, erst nachdem er denselben abgeschossen und damit das Pferd des Sultans verwundet hatte, welches denselben abwarf. Die Mongolen wurden von den Tataren bis in die Nähe von Beisan verfolgt, wo sie sich umwandten und noch einmal Stand machten zum hartnäckigsten Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie Sultan Kotos dreimal mit lauter Stimme: „o Islam! o Gott, schütze deinen Diener Kotos und verleihe mir Sieg über die Tataren!“ Als diese zum zweitenmale besiegt, stieg der Sultan vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und verrichtete ein Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi ward Keitbugha in der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen vor Kotos geführt. „Sei nicht stolz“, sagte der mongolische Feldherr dem Sultan der Mamluken, „auf deinen Sieg, dem die Rache auf dem Fusse folgen wird. Von Aserbeidschan nach Aegypten wird die Erde vom Hufe mongolischer Pferde gestampft, welche den Sand Aegyptens in Säcken davon tragen werden. Hulagu hat dreimalhunderttausend tapfere Reiter, von denen ich nur Einer.“ – „Prahle nicht“, sagte Kotos, „mit eueren Heeren, die nur durch Treulosigkeit siegen.“ – „Ich bin“, entgegnete Keitbugha, „meinem Herrn nur treu gewesen, nicht, wie du, ein Verräther am selben; mach' es kurz mit mir!“ Er wurde enthauptet. Das ganze mongolische Heer fiel in die Hände der Sieger, die nun ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die Vögte wurden getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft geschleppt, der Kopf Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf dem Thore Soweila aufgesteckt. Hulagu ward von der Kunde der verlorenen Schlacht und des getödteten Feldherrn tief betrübt; es war die erste Niederlage, welche seine Heere erlitten hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager auf. Melik Nassir Jusuf, der Sohn von Melik Asis, der ehemalige Fürst von Damaskus, war kurz vorher zu Hulagu gekommen, von ihm mit Ehren überhäuft, seiner innersten Gesellschaft beigezogen und neben ihm auf einen Thron gesetzt worden; mit einem Diplome zum Fürsten Syriens und Aegyptens eingesetzt, mit Ehrenkleidern und Geschenken überhäuft, hatte er die Strasse Syriens eingeschlagen; aber nachdem die Nachricht der Niederlage von Aindschalut eingetroffen, liess ihn Hulagu einholen und im Gebirge von Selmas hinrichten; dasselbe Schicksal theilte Melik Sahir Ghasi, Bruder Nassir's, Melik Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und andere Prinzen des Hauses Ejub; Tokus Chatun, die Gemahlin Hulagu's, hatte für Melik Asis, den Sohn Nassir's, fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus den bei Hulagu befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie diess sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht von Aindschalut für die Christen und das Haus Ejub's hatte, umständlicher erzählt werden soll. Sie erhielten den verdienten Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten, ihren Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den hereinbrechenden Feind des Islams zu verbünden, demselben gehuldigt hatten; eine oft wiederholte und dennoch nur selten fruchtende blutige Lehre der Geschichte.

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