Drittes Buch
Schlacht von Aindschalut.
Zu Ssalihije, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen
Heeres, fand Kotos Widerwillen bei seinen Emiren, wider den
Feind zu ziehen; mit den Worten: „Ich werde allein wider die
Tataren ziehen“, schloss er den Kriegsrath, indem er bei
einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche zu rühren
befahl. Der Emir Beibars Bondokdari (der nachmalige Sultan der
Mamluken) erhielt den Befehl, mit einer Truppenabtheilung
vorauszueilen, um Erkundigung vom Feinde einzuziehen. Alsbald
er vor den Mauern Ghasa's erschienen, wurde die Stadt geräumt.
Kotos folgte ihm auf dem Fusse nach; aus Aka kamen ihm die
Franken mit Anerbietung von Hilfe und Begleitung entgegen. Er
lehnte den Antrag ab und forderte nur das Versprechen der
strengsten Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen
drohte. Zu Aindschalut, d. i. am Quelle Goliath's, zwischen
Beisan und Nablus, kam es zur entscheidenden Schlacht.
Keitbugha und Baidera, die beiden Feldherren, Statthalter
Hulagu's zu Damaskus und Haleb, hatten alle in Syrien
befindlichen tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten
Freitag des Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das
ganze weite Thal vom Pferdegewieher und Waffengetöse; das
Geschrei der Dorfbewohner tönte in den unaufhörlich
fortrollenden Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der
Heermusik seiner Emire. Die Aegypter gebrauchten die
Kriegslist, sich dem mongolischen Heere in weissen Burken, d.
i. mongolischen Pelzen, zu nahen, so dass sie von den Mongolen
für Schaaren Ihriger gehalten wurden. Einer der Flügel des
ägyptischen Heeres war bereits in Unordnung und gebrochen;
Sultan Kotos warf seinen Helm zur Erde und schrie aus allen
Kräften: „o Islam!“ Er stürzte sich mit allen, die um ihn
waren, auf den Feind und kämpfte mit äusserster
Unerschrockenheit. Die Mongolen flüchteten in's Geröhricht des
sumpfigen Thales; Kotos befahl, das Geröhricht anzuzünden, und
sie gingen zwischen Feuer und Schwert elend zu Grunde. Der
Emir Beibars that Wunder der Tapferkeit vor den Augen des
Sultans. Als dieser mitten im Gemenge der Schlacht, spannte
der mongolische Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner
Jugend beim Gesandtenmorde das Leben gerettet hatte, seinen
Bogen von rückwärts auf den Sultan, um durch dessen Tod das
vergossene Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen wurde er
auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens
gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen; nach
Anderen, erst nachdem er denselben abgeschossen und damit das
Pferd des Sultans verwundet hatte, welches denselben abwarf.
Die Mongolen wurden von den Tataren bis in die Nähe von Beisan
verfolgt, wo sie sich umwandten und noch einmal Stand machten
zum hartnäckigsten Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie
Sultan Kotos dreimal mit lauter Stimme: „o Islam! o Gott,
schütze deinen Diener Kotos und verleihe mir Sieg über die
Tataren!“ Als diese zum zweitenmale besiegt, stieg der Sultan
vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und verrichtete ein
Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi ward Keitbugha
in der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen vor Kotos
geführt. „Sei nicht stolz“, sagte der mongolische Feldherr dem
Sultan der Mamluken, „auf deinen Sieg, dem die Rache auf dem
Fusse folgen wird. Von Aserbeidschan nach Aegypten wird die
Erde vom Hufe mongolischer Pferde gestampft, welche den Sand
Aegyptens in Säcken davon tragen werden. Hulagu hat
dreimalhunderttausend tapfere Reiter, von denen ich nur
Einer.“ – „Prahle nicht“, sagte Kotos, „mit eueren Heeren, die
nur durch Treulosigkeit siegen.“ – „Ich bin“, entgegnete
Keitbugha, „meinem Herrn nur treu gewesen, nicht, wie du, ein
Verräther am selben; mach' es kurz mit mir!“ Er wurde
enthauptet. Das ganze mongolische Heer fiel in die Hände der
Sieger, die nun ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die
Vögte wurden getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft
geschleppt, der Kopf Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf
dem Thore Soweila aufgesteckt. Hulagu ward von der Kunde der
verlorenen Schlacht und des getödteten Feldherrn tief betrübt;
es war die erste Niederlage, welche seine Heere erlitten
hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager auf.
Melik Nassir Jusuf, der Sohn von Melik Asis, der ehemalige
Fürst von Damaskus, war kurz vorher zu Hulagu gekommen, von
ihm mit Ehren überhäuft, seiner innersten Gesellschaft
beigezogen und neben ihm auf einen Thron gesetzt worden; mit
einem Diplome zum Fürsten Syriens und Aegyptens eingesetzt,
mit Ehrenkleidern und Geschenken überhäuft, hatte er die
Strasse Syriens eingeschlagen; aber nachdem die Nachricht der
Niederlage von Aindschalut eingetroffen, liess ihn Hulagu
einholen und im Gebirge von Selmas hinrichten; dasselbe
Schicksal theilte Melik Sahir Ghasi, Bruder Nassir's, Melik
Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und andere Prinzen des Hauses Ejub;
Tokus Chatun, die Gemahlin Hulagu's, hatte für Melik Asis, den
Sohn Nassir's, fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus den
bei Hulagu befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie
diess sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht von
Aindschalut für die Christen und das Haus Ejub's hatte,
umständlicher erzählt werden soll. Sie erhielten den
verdienten Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten,
ihren Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den
hereinbrechenden Feind des Islams zu verbünden, demselben
gehuldigt hatten; eine oft wiederholte und dennoch nur selten
fruchtende blutige Lehre der Geschichte. |