Drittes Buch
Ssalih's, des Sohnes Bedreddin Lulu's, Empfang und Ende.
Bedreddin Lulu, der sechs und neunzigjährige Greis, der
vierzigjährige Herrscher von Mossul, welchen Hulagu in
Anbetracht seines hohen Alters der Pflicht, im letzten
Feldzuge persönlich zu erscheinen, enthoben und seiner statt
seinem ältesten Sohn Ssalih der Belagerung Miafarakain's
beizuwohnen, aufgetragen hatte, war während derselben
gestorben. Bedreddin Lulu, d. i. Vollmond-Perle, erst Sklave
des sechzehnten Atabegen von Mossul, dann Obersthofmeister von
dessen beiden Söhnen Mesud und Mahmud, eignete sich, nachdem
sie bald auf einander gestorben, den Thron selbst an und mass
seine Macht mit der der Fürsten aus dem Hause Ejub; zuerst mit
Ssalih Nedschmeddin, dem Sohne Kjamil's, dem Herrn von
Sindschar, das er zweimal belagerte; das erstemal war er durch
das dem Sultan zu Hilfe eilende Heer Chuaresmschah's die
Belagerung aufzuheben gezwungen; das zweitemal aber entriss er
die Stadt dem Enkel Melikol aadil's, Dschewad; hierauf die
festen Städte Nissibin und Dara den Händen der Chuaresmier,
den Sohn Melik Ssalih's, den nachmaligen letzten Herrscher der
Beni Ejub in Aegypten, aus der Gefangenschaft der Chuaresmier
befreiend. Zehn Jahre hernach wurden ihm diese Städte von dem
wider ihn gesandten Heere Nassir's von Haleb wieder
abgenommen. Seiner Unterwürfigkeit und Huldigung gegen Hulagu
ist schon oben Erwähnung geschehen. Nach seinem Tode wurden
seine drei Söhne, Ssalih, Mosaffer Ali und Melik Modschahid,
von Bondokdar, dem Sultane Aegyptens, mit den Fürstenthümern
von Mossul, Sindschar und Dschesiret Ben Omar belehnt. Ssalih
wurde in's Lager gefordert und die Tochter Dschelaleddin
Chuaresmschah's, welche ihm Hulagu früher vermählt, wurde zur
Huldigung nach Syrien gefordert; dort nahm sich seiner
Rokneddin Beidak an; aber Hulagu sandte den Senedarghun Nujan
mit einem Tomane mongolischen Heeres, um Mossul zu besetzen
und die Schätze auszuliefern. Als Ssalih in seine Stadt
zurückeilte, fand er alle Wege von Mongolen besetzt; er
verweilte zu Dschewsak, wo ihn die mongolische
Schlachttrompete aus weichlichem Wohlleben aufschreckte; da
eilte er nach Mossul und rüstete die Stadt zur Verteidigung
wider die Mongolen, die Einwohner mit der Hoffnung tröstend,
dass sein Beschützer, Beidak der Syrer, bald zum Entsatze
erscheinen werde. Von beiden Seiten flogen Felsenstücke und
feuerbeschwingte Pfeile; mehrere wackere Mongolen, welche
bereits die Mauern erstiegen hatten, wurden getödtet und ihre
Köpfe in's mongolische Lager gepfeilt. Melik Ssalih, von einem
Pfeile verwundet, eilte in's Lager zu Hulagu, um ihm von
dieser halsstarrigen Empörung Ssalih's Kunde zu geben. Beidak,
von der üblen Lage seines Schützlings unterrichtet, sandte ihm
Truppen zu Hilfe, die von Sindschar aus durch Taubenpost von
ihrer nächsten Ankunft Wort sandten. Die Taube ward von einem
Mongolen geschossen, der Brief dem Senedarghun Nujan gebracht.
Er legte sich in Hinterhalt, schlug die von Beidak zu Hilfe
gesandten syrischen Truppen und steckte die Mongolen in ihre
erbeuteten Kleider; unter dieser Verlarvung erschienen sie vor
den Mauern Mossul's, dessen Einwohner, sie für den syrischen
Entsatz haltend, ihnen entgegen gingen, aber alle
niedergemacht wurden; dennoch hielt sich die Stadt noch sechs
Monate, bis die Sonne in ihrer höchsten Hitze, im Löwen, und
die Hungersnoth in der Stadt aufs Höchste gestiegen. Da
verliessen die Vertheidiger Mossul's, durch Hunger gezwungen,
die Stadt und wurden vom Schwerte der Mongolen gefressen.
Ssalih unterhandelte nun die Uebergabe um Schonung des Lebens
und sicheres Geleite an Hulagu. Senedarghun verhiess und
gewährte beides, aber nur der Person Ssalih's, denn die
Besatzung wurde bis auf Wenige zusammengehauen. Neun Tage
dauerte das Morden, die Stadt ward entvölkert, nur nach Abzug
der Mongolen kamen etwa Tausend, die sich in's Gebirg gerettet
hatten, wieder in die Stadt zurück. Hulagu war über Ssalih's
Empörung so ergrimmt, dass er an demselben ein Beispiel mehr
als gewöhnlicher, ekelhafter, unmenschlicher Grausamkeit
aufstellte; er wurde, das Gesicht auf die Schaam gebunden, in
einen Filz gewickelt und in die Sonne geworfen; so musste er
elend verschmachten; sein dreijähriger Sohn wurde nach Mossul
gesendet, am Ufer des Tigris entzweigehauen und die zwei
Hälften auf den beiden Seiten des Flusses aufgehangen, bis sie
verfault, abfielen. Solche echt mongolische Grausamkeit
schändet den Ruhm Hulagu's, welchem sein Volk den Ehrennamen
Ssain Adschu, d. i. der Schwierigkeitenlöser, beilegte,
welcher mit seinen Söhnen für das Hemd des mongolischen Reichs
galt, während alle anderen Prinzen nur als Oberkleider
angesehen wurden. |