Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Turkjan's tragisches Ende; Fars, dem mongolisch. Reiche einverleibt.

Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke an Hulagu und erhielt von demselben das Diplom der Herrschaft auf den Namen ihres Sohnes, welcher schon nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte war der von Saadi im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin Ebubekr, der als Gesandter an Hulagu ging, ihr bekannter Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin Miak, ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod wurde sein Vetter Mohammed, der Sohn Salghur's, zum Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan zwar ihre Tochter Selgham vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn bei Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's (der Bruder Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im Geleite des Ilchan's vor Bagdad durch Proben seiner Tapferkeit sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als er zur Regierung gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im Schlosse von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens in Versen um Befreiung. Da verschwor sich die Frau Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren der Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen und sandte ihn nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung unfähig, an Hulagu. Die Emire der Schulen befreiten den gefangenen Bruder Seldschuk und setzten denselben auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre Hand gereicht und so sehr darauf gerechnet, seinen Arm zu leiten, als er in ihre Schönheit verliebt war; aber bei einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer und persischer Romane vorstellten, nämlich: Koseir und Osa, Amrol Kais und Oneise, Irwet und Aafra, Emher und Wefa, Leila und Medschnun, Weise und Gilschad, Schirin und Ferkad, scheint den schon Trunkenen die Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt zu haben; auf den von ihm einem gegenüberstehenden Neger gegebenen Wink hieb dieser der Frau Turkjan den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der Ohrgehänge weg und warf sie den Sängern vor, wie es scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu solcher That begeisterte. Die beiden mongolischen Vögte Oghlobeg und Kotlogh Bitekdschi, die Mordthat missbilligend, suchten zu Schiff zu entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr, eilte ihnen im Hemde, nur mit goldener Keule bewaffnet, nach, erschlug den einen und liess den anderen ermorden. Miak war an den Hof Hulagu's gegangen, wo Mohammed noch gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt und nach Fars bestimmt, bald aber darauf hingerichtet ward. Hulagu sandte seine Generale Altadschu und Timur nach Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an ihn ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung folgen sollte, den Boten misshandelte, rückte Altadschu, verstärkt von den Truppen des Sultans von Kerman und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in Fars ein. Seldschuk flüchtete nach Chorschif. Zu Kjarsun kam es zur Schlacht; geschlagen, suchte Seldschuk vergebens am Grabmale des Schwagers Morschid Rettung und ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet und Münze wurden nun auf den Namen des einzigen übrigen Sprösslings der Atabegen, der Tochter Turkjan's, Abisch (aus Saad Ebubekr), verrichtet. Nach der Niederlage Seldschuk's hatte der General Timur auf ein allgemeines Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen, aber Altadschu gab hierzu seine Einwilligung nicht, und wurde in der Folge, als der Seid Scherefeddin neuen Aufruhr zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht gestellt und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe verurtheilt. Schon im ersten Jahre nach dem Tode Seldschuk's wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit Mengu Timur, dem eilften Sohne Hulagu's, vermählt; statt des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen sollte, wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den Einkünften von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden, und Abisch blieb bei ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch zwanzig Jahre als Atabeg von Fars geehrt, ihr Land aber von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten (Melik) verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte noch mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des Kerns ganz Persiens, der Landschaft Fars, welche, wie Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel, das achte der Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der Assassinen und Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone des Ilchan's und Padischah's von Iran durfte die schönste Juwele derselben nicht fehlen, welche die Landschaft Fars.

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