Drittes Buch
Turkjan's tragisches Ende; Fars, dem mongolisch. Reiche
einverleibt.
Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke
an Hulagu und erhielt von demselben das Diplom der Herrschaft
auf den Namen ihres Sohnes, welcher schon nach zwei Jahren und
sieben Monaten sein Leben durch einen Sturz vom Dache endete.
Der Leiter ihrer Geschäfte war der von Saadi im Gülistan
gepriesene Grosswesir Nisameddin Ebubekr, der als Gesandter an
Hulagu ging, ihr bekannter Günstling aber der schöne Sklave
Schemseddin Miak, ein Mamluke des Atabegen Saad; nach
Mohammed's Tod wurde sein Vetter Mohammed, der Sohn Salghur's,
zum Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan zwar ihre Tochter
Selgham vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn bei
Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's (der
Bruder Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im Geleite des
Ilchan's vor Bagdad durch Proben seiner Tapferkeit sich bei
Hulagu in Kredit gesetzt, aber als er zur Regierung gelangt,
sich der Weichlichkeit ergab. Sein im Schlosse von Istachr
eingesperrter Bruder bat ihn vergebens in Versen um Befreiung.
Da verschwor sich die Frau Turkjan wider ihren Schwiegersohn
mit den Emiren der Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme
ergreifen und sandte ihn nach viermonatlicher Regierung, als
der Regierung unfähig, an Hulagu. Die Emire der Schulen
befreiten den gefangenen Bruder Seldschuk und setzten
denselben auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre Hand
gereicht und so sehr darauf gerechnet, seinen Arm zu leiten,
als er in ihre Schönheit verliebt war; aber bei einem
Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die Charaktere der
sieben berühmtesten Liebespaare arabischer und persischer
Romane vorstellten, nämlich: Koseir und Osa, Amrol Kais und
Oneise, Irwet und Aafra, Emher und Wefa, Leila und Medschnun,
Weise und Gilschad, Schirin und Ferkad, scheint den schon
Trunkenen die Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde,
aufgestachelt zu haben; auf den von ihm einem
gegenüberstehenden Neger gegebenen Wink hieb dieser der Frau
Turkjan den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf
goldenem Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen
der Ohrgehänge weg und warf sie den Sängern vor, wie es
scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu solcher That
begeisterte. Die beiden mongolischen Vögte Oghlobeg und
Kotlogh Bitekdschi, die Mordthat missbilligend, suchten zu
Schiff zu entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr,
eilte ihnen im Hemde, nur mit goldener Keule bewaffnet, nach,
erschlug den einen und liess den anderen ermorden. Miak war an
den Hof Hulagu's gegangen, wo Mohammed noch gefangen gehalten,
erst in Freiheit gesetzt und nach Fars bestimmt, bald aber
darauf hingerichtet ward. Hulagu sandte seine Generale
Altadschu und Timur nach Fars, den Atabegen zu züchtigen; da
dieser trotz der an ihn ergangenen Aufforderung zur Reue, auf
welche Verzeihung folgen sollte, den Boten misshandelte,
rückte Altadschu, verstärkt von den Truppen des Sultans von
Kerman und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in
Fars ein. Seldschuk flüchtete nach Chorschif. Zu Kjarsun kam
es zur Schlacht; geschlagen, suchte Seldschuk vergebens am
Grabmale des Schwagers Morschid Rettung und ward am Fusse des
weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet und Münze wurden nun
auf den Namen des einzigen übrigen Sprösslings der Atabegen,
der Tochter Turkjan's, Abisch (aus Saad Ebubekr), verrichtet.
Nach der Niederlage Seldschuk's hatte der General Timur auf
ein allgemeines Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen,
aber Altadschu gab hierzu seine Einwilligung nicht, und wurde
in der Folge, als der Seid Scherefeddin neuen Aufruhr zu
Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht gestellt und, weil
er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe
verurtheilt. Schon im ersten Jahre nach dem Tode Seldschuk's
wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit Mengu Timur, dem
eilften Sohne Hulagu's, vermählt; statt des Heirathsgutes, das
sie dem Prinzen mitbringen sollte, wurde ein Sechstel der
Besitzungen von Schiras mit den Einkünften von jährlichen
achttausend Dukaten ausgeschieden, und Abisch blieb bei ihrem
Gemahle im Lager, wo sie noch zwanzig Jahre als Atabeg von
Fars geehrt, ihr Land aber von mongolischen Vögten (Baskak)
und Intendenten (Melik) verwaltet ward, von denen in der Folge
dieser Geschichte noch mehrmal die Rede sein wird. Dieser
Erwerb des Kerns ganz Persiens, der Landschaft Fars, welche,
wie Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel, das achte der
Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu Ende
seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der Assassinen
und Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone des Ilchan's und
Padischah's von Iran durfte die schönste Juwele derselben
nicht fehlen, welche die Landschaft Fars. |