Drittes Buch
Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb,
Miafarakain; Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor Damaskus;
Schlachten von Aindschalut und Himss; das Chalifat der Beni
Abbas in Aegypten; Anlass des Krieges mit Berke; Feldzug gegen
Kipdschak; Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's,
Arikbuka, Alghui, Kaidu; Vertheilung der Länder und
Statthalterschaften; Dynastie der Beni Aamaret und
Schebankjare von Fars.
Verhältniss Hulagu's mit den gleichzeitigen asiatischen
Dynastien.
Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen, der
Thron des Chalifats war umgestürzt, die Fürsten von Fars und
Mossul, von Gross- und Klein-Armenien, von Gross- und
Klein-Luristan, hatten freiwillig oder gezwungen gehuldigt,
das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu denen des Tigris
war der Herrschaft des Ilchan's unterworfen, aber hierdurch
der Auftrag, welchen der Eroberer Hulagu vom Bruder Kaan
erhalten, ganz Asien bis an den äussersten Westen zu erobern,
nur zur Hälfte erfüllt; noch blieb Mesopotamien und Syrien bis
nach Aegypten hin zu erobern übrig. In dem letzten dieser drei
Länder war der Hauptstamm der Herrschaft der Ejubiden, welche
sich zu Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit der
der Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung
gebrochen worden und die Stelle der Herren aus dem Hause Ejub
hatten ihre Sklaven, die Mamluken, auf dem Throne als
Herrscher eingenommen; aber von dem hohen und mächtigen Baume
dieses grossen Herrschergeschlechtes wurzelten noch sieben
Zweige im arabischen Irak und in Syrien, vom Jenseits der
Wüste an, welche Mesopotamien von Syrien, bis zu der, welche
Syrien von Aegypten trennt, Miafarakain und Hossnkeif, bis
nach Damaskus und Karak; inmitten derselben die von Haleb,
Hama und Himss. Wären diese sieben Strahlen der Herrschaft in
dem Brennpunkte Eines einzigen starken Volkes und Muthes
vereint gewesen, hätte die sieben Herrscher nur das Band
aufrichtiger, zusammenwirkender politischer Eintracht
verbunden, so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber
auch immer aufrichtig vereinte Macht der Hulagu's
wahrscheinlich siegreich widerstanden haben, da sogar Einzelne
derselben männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht und
den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang
gehemmt; aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im
Herrscherhause Ejub nur unter der ruhmwürdigen Regierung
Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von ihm gegründete Reich
befestigte. Nach seinem Tode war die Macht vielgetheilt und
durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt, nicht im
Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer
Herrschaft zu gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig im
Osten und Westen Asien's emporgestiegene Herrschaft des Hauses
Tschengischan's und Ejub's zeigt im hellsten Lichte die
Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses und
Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht, ohne dessen
strenge Beobachtung die Herrschaft der Mongolen nie zu solcher
Macht gediehen wäre. Zwar zeigten sich auch schon bald nach
Tschengischan's Tode Symptome der Uneinigkeit und des
Familienzwistes in den Ansprüchen auf die oberste Herrschaft,
aber das Schwert rottete bei Mengku's Thronbesteigung in dem
blutigen Sinne der Jasa siebzig Prinzen auf einmal aus, und
das Reich erhob sich unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai
zu einer Ausdehnung von Macht und Grösse, dergleichen die
Geschichte vor- und nachdem nie gesehen. Erst als die Bande
der Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der
Familieneinigkeit sich lockerten, begannen auch die Thronen
der mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder
Uebermacht, wie jetzt der mongolischen die Grösse des
Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz gedrillten Faden der
Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu gleichzeitigen
Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf, wo wir denselben im
ersten Buche dieser Geschichte verlassen haben.