Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Verkehr zwischen Kipdschak und Aegypten.

Der Umschwung der Verhältnisse zwischen Berke und Hulagu hatte natürlicherweise die Politik des ersten gegen den Sultan der Mamluken, als Beherrscher Syriens und Aegyptens, wesentlich umgestimmt und die feindlichen Gesinnungen wider denselben in freundliche verwandelt. Gewiss hatte die äussere Politik wenigstens eben so grossen Einfluss als die innere auf die Bekehrung Berke's vom mongolischen Heidenthume zum Islam. Im Sommer desselben Jahres, mit dessen Beginn der Feldzug nach Persien beschlossen ward, begab sich eine Gesandtschaft Berke's auf den Weg nach Aegypten, um die Mitwirkung des Sultans in Anspruch zu nehmen; Botschafter waren Emir Dschelaleddin, Sohn des Richters, und der Scheich Nureddin Ali, von grossem Gefolge begleitet; sie waren Ueberbringer eines am ersten Redscheb des laufenden Jahres datirten Beglaubigungsschreibens, in welchem Berke seine Annahme des Islams kündete. Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft des byzantinischen Kaisers Lascaris erschienen; sie wurden gemeinschaftlich mit einem Gastmahle bewirthet, und jeden Mittwoch und Sonnabend, wo der Sultan sich in die Maillebahn begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt. Am letzten Freitage des Monats Schaaban, welcher der erste des August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses Abbas, Hakimbiemrillah, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen des Sultans Beibars, Herrschers von Syrien und Aegypten, als auf den Berke's, des Herrschers Kipdschak's. Vier Tage hernach hatte die Ceremonie der Investitur des Ritterthums für den Chalifen Hakimbiemrillah statt. Futuwwet bedeutet nicht sowohl den Adel, welcher auf arabisch Scherf heisst, als das Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als den Inbegriff grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger Gesinnungen und Handlungen. Das bekannte Wort La Feta illa Ali kann nur mit den Worten: Es gibt keinen Helden oder keinen Ritter als Ali, übersetzt werden, und nicht als: Es ist kein Adeliger als Ali. Das Symbol des Heldenthums oder vielmehr ritterlicher Gesinnungen bestand aber nicht in Schild und Schwert, Panzer oder Helm, welche im Abendlande die Insignien des Ritterthums, sondern in einem Paar von – Beinkleidern. Tags darauf, nach der Ceremonie der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden die Botschafter Berke's im Bergschlosse durch den Atabeg (Obersthofmeister) mit Ehrenkleidern ausgezeichnet. Das Antwortschreiben war so weitläufig gewortet und geschrieben, dass es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates aus den Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben, Mohijeddin Abdes-sahir, las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart der Emire vor, und es ward mit einem herrlichen Geschenke den zwei ägyptischen Botschaftern, dem Emir Fariseddin Akusch Mesudi und dem Scherif Imadeddin Haschimi, übergeben. Auch zu Mekka und Medina wurde das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet. Um den Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer Verhältnisse nicht durch den Bericht des nordischen Feldzuges, welchem der nächste Abschnitt gewidmet ist, zu unterbrechen, reihen sich hier noch die folgenden Begebenheiten ein, welche das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und Mongolen betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate nach dem Abgange der Botschaft an Berke verflossen, als eine grosse Anzahl mongolischer Emire ankamen, um dem Sultane ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er ritt ihnen zum Empfange entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen sie vom Pferde und küssten die Erde vor dem Sultane, der im Sattel sitzen blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft, kehrte er in's Schloss zurück. Hosameddin, der Sohn Berke's, welcher als ein Beweis der Freundschaft seines Vaters für den Sultan nach Kairo gekommen, starb allda; drei Tage hernach wurden die Botschafter mit Ehrenkleidern angethan und der Sultan besuchte das Grabmal des Sohnes Berke's. Bald darauf kam eine zweite Schaar und endlich eine dritte tatarischer Edelen; der Sultan verlieh den Vornehmsten derselben den Rang eines Emirs und sie bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam. Kairo war damals von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl von der Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen jene öffentlich als Freunde, die sich meistens zum Islam bekehrten, diese aber nur heimlich als Kundschafter, die, wenn entdeckt, ergriffen wurden. Unter die Emire der bekehrten Tataren sowohl, als die Franken, welche sich zum Islam bekehret hatten, wurden an Einem Tage vom Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig Pferde vertheilt. Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch gegenseitige Botschaften erklärt die Verpflanzung mongolischer Hofwürden nach Aegypten, wo sich dieselben mit ihren ursprünglichen türkischen Namen erhielten, und erklärt die bei Makrisi erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei der Betrachtung des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der beiden Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen Verhältnisse mit Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer damals nicht gegen alle Tataren gleiche Gesinnungen hegen und dieselben insgesammt als Feinde des Sultans von Aegypten und also als natürliche Freunde und Verbündete betrachten konnten. Dieses waren für die Kreuzfahrer nur die Mongolen Persiens, während die Mongolen Kipdschak's als die Freunde und Verbündete von Beibars auch die Feinde der Christen im gelobten Lande. Da der Krieg zwischen Berke und Hulagu dem Sultan in Aegypten und Syrien so freiere Hand liess, so konnte derselbe den Kreuzfahrern nur höchst unerwünscht sein.

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