Drittes Buch
Verkehr zwischen Kipdschak und Aegypten.
Der Umschwung der Verhältnisse zwischen Berke und Hulagu
hatte natürlicherweise die Politik des ersten gegen den Sultan
der Mamluken, als Beherrscher Syriens und Aegyptens,
wesentlich umgestimmt und die feindlichen Gesinnungen wider
denselben in freundliche verwandelt. Gewiss hatte die äussere
Politik wenigstens eben so grossen Einfluss als die innere auf
die Bekehrung Berke's vom mongolischen Heidenthume zum Islam.
Im Sommer desselben Jahres, mit dessen Beginn der Feldzug nach
Persien beschlossen ward, begab sich eine Gesandtschaft
Berke's auf den Weg nach Aegypten, um die Mitwirkung des
Sultans in Anspruch zu nehmen; Botschafter waren Emir
Dschelaleddin, Sohn des Richters, und der Scheich Nureddin
Ali, von grossem Gefolge begleitet; sie waren Ueberbringer
eines am ersten Redscheb des laufenden Jahres datirten
Beglaubigungsschreibens, in welchem Berke seine Annahme des
Islams kündete. Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft
des byzantinischen Kaisers Lascaris erschienen; sie wurden
gemeinschaftlich mit einem Gastmahle bewirthet, und jeden
Mittwoch und Sonnabend, wo der Sultan sich in die Maillebahn
begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt. Am
letzten Freitage des Monats Schaaban, welcher der erste des
August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses Abbas,
Hakimbiemrillah, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen des
Sultans Beibars, Herrschers von Syrien und Aegypten, als auf
den Berke's, des Herrschers Kipdschak's. Vier Tage hernach
hatte die Ceremonie der Investitur des Ritterthums für den
Chalifen Hakimbiemrillah statt. Futuwwet bedeutet nicht sowohl
den Adel, welcher auf arabisch Scherf heisst, als das
Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als den Inbegriff
grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger Gesinnungen und
Handlungen. Das bekannte Wort La Feta illa Ali kann nur mit
den Worten: Es gibt keinen Helden oder keinen Ritter als Ali,
übersetzt werden, und nicht als: Es ist kein Adeliger als Ali.
Das Symbol des Heldenthums oder vielmehr ritterlicher
Gesinnungen bestand aber nicht in Schild und Schwert, Panzer
oder Helm, welche im Abendlande die Insignien des Ritterthums,
sondern in einem Paar von – Beinkleidern. Tags darauf, nach
der Ceremonie der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden
die Botschafter Berke's im Bergschlosse durch den Atabeg
(Obersthofmeister) mit Ehrenkleidern ausgezeichnet. Das
Antwortschreiben war so weitläufig gewortet und geschrieben,
dass es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates aus
den Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben, Mohijeddin
Abdes-sahir, las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart der
Emire vor, und es ward mit einem herrlichen Geschenke den zwei
ägyptischen Botschaftern, dem Emir Fariseddin Akusch Mesudi
und dem Scherif Imadeddin Haschimi, übergeben. Auch zu Mekka
und Medina wurde das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet.
Um den Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer
Verhältnisse nicht durch den Bericht des nordischen Feldzuges,
welchem der nächste Abschnitt gewidmet ist, zu unterbrechen,
reihen sich hier noch die folgenden Begebenheiten ein, welche
das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und Mongolen
betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate nach dem Abgange
der Botschaft an Berke verflossen, als eine grosse Anzahl
mongolischer Emire ankamen, um dem Sultane ihre
Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er ritt ihnen zum Empfange
entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen sie vom Pferde
und küssten die Erde vor dem Sultane, der im Sattel sitzen
blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft, kehrte er in's
Schloss zurück. Hosameddin, der Sohn Berke's, welcher als ein
Beweis der Freundschaft seines Vaters für den Sultan nach
Kairo gekommen, starb allda; drei Tage hernach wurden die
Botschafter mit Ehrenkleidern angethan und der Sultan besuchte
das Grabmal des Sohnes Berke's. Bald darauf kam eine zweite
Schaar und endlich eine dritte tatarischer Edelen; der Sultan
verlieh den Vornehmsten derselben den Rang eines Emirs und sie
bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam. Kairo war damals
von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl von der
Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen jene öffentlich
als Freunde, die sich meistens zum Islam bekehrten, diese aber
nur heimlich als Kundschafter, die, wenn entdeckt, ergriffen
wurden. Unter die Emire der bekehrten Tataren sowohl, als die
Franken, welche sich zum Islam bekehret hatten, wurden an
Einem Tage vom Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig Pferde
vertheilt. Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch
gegenseitige Botschaften erklärt die Verpflanzung mongolischer
Hofwürden nach Aegypten, wo sich dieselben mit ihren
ursprünglichen türkischen Namen erhielten, und erklärt die bei
Makrisi erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei der
Betrachtung des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der
beiden Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen
Verhältnisse mit Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer
damals nicht gegen alle Tataren gleiche Gesinnungen hegen und
dieselben insgesammt als Feinde des Sultans von Aegypten und
also als natürliche Freunde und Verbündete betrachten konnten.
Dieses waren für die Kreuzfahrer nur die Mongolen Persiens,
während die Mongolen Kipdschak's als die Freunde und
Verbündete von Beibars auch die Feinde der Christen im
gelobten Lande. Da der Krieg zwischen Berke und Hulagu dem
Sultan in Aegypten und Syrien so freiere Hand liess, so konnte
derselbe den Kreuzfahrern nur höchst unerwünscht sein. |