Drittes Buch
Vertheilung der Statthalterschaften; Tod Hulagu's.
Hulagu beschäftigte sich nach beendigtem Feldzuge wider
Kipdschak mit dem Baue zweier Schlösser, das eine in der Ebene
von Alatak, das andere zu Chui, und begab sich dann von Tebris
an den Goldfluss, welchen die Mongolen Tschaghatuwunghatu
nannten, bei Meragha, dort mit der Vollendung der Sternwarte
und mit wissenschaftlichen Versammlungen beschäftigt; nebst
der Astronomie war er vorzüglich der Alchymie ergeben und
verschwendete grosse Summen an Alchemiker, deren
Vorspiegelungen so, wie die ihnen zugewandten grossen Summen,
in Rauch aufgingen. Zugleich ordnete er die Verwaltung des
durch seine Eroberungen gegründeten neuen Reichs. Seinem
ältesten Sohne, Abaka, übertrug er die Statthalterschaft von
Chorasan; seinem dritten Sohne, Jaschmut, dem Eroberer
Mesopotamiens, die Statthalterschaft von Arran und
Aserbeidschan; dann die von Jaschmut eroberten Landschaften
Mesopotamiens: Diari Bekr und Rebiaa, von dem Ufer des Tigris
bis an das des Euphrats, dem Emir Tudan, und die der Länder
Rum's dem Emir Moineddin Perwane; die Verwaltung von Tebris
vertraute er den Händen Melik Ssadreddin's, die Kerman's der
Frau Turkjan Chatun an. Nach der, während des Feldzugs von
Kipdschak vollzogenen, oben erwähnten Hinrichtung des
Staatskanzlers Seifeddin Bitekdschi ward dieses höchste
Staatsamt dem Schemseddin Mohammed Dschuweini, als Herrn und
Vorsteher des Diwan's, und der Vorsitz des Diwan's zu Bagdad
seinem Bruder Atamülk, dem Geschichtschreiber, verliehen.
Besonderes Vertrauen schenkte er dem Sohne des vormaligen
kleinen Diwitdar von Bagdad, dem Dschelaleddin; dieser
täuschte das Vertrauen Hulagu's nicht minder, als sein Vater
das des letzten Chalifen getäuscht. Er trug ihm vor, dass sich
in der Landschaft Bagdad's mehrere Tausend Kipdschaken
befänden, die, wenn Hulagu hierzu den Befehl ertheilen wolle,
er zu sammeln bereit sei, um dieselben zum Vortrab im nächsten
Feldzuge wider Kipdschak zu verwenden. Hulagu, durch seinen
Vorschlag verblendet, gab ihm Diplom und Löwenkopf und
unumschränkte Vollmacht über alle Truppen und Waffen der
Landschaft Bagdad's. Er warb die Kipdschaken und Andere an,
wiegelte sie aber gegen Hulagu auf, indem er sie heimlich
versicherte, dass er nicht gesonnen, sie wider ihre Landsleute
auf die Schlachtbank zu führen, sie vielmehr retten wolle.
Nachdem er sie aus den Zeughäusern Bagdad's bewaffnet, führte
er sie unter dem gegen den Statthalter Bagdad's vorgeschützten
Vorwande, dass er mit ihnen nach Derbend und Schirwan
ausziehe, in's Gebiet des arabischen Stammes Chafadsche, das
er plündernd durchzog und dann mit der ganzen Truppe längs des
Euphrats bis Aana und Hadise vorbeiziehend nach Syrien und
Aegypten aufbrach. Der Aerger, so schändlich vom Günstlinge
getäuscht worden zu sein, nagte als giftiger Wurm in der Brust
Hulagu's und beschleunigte seinen Tod, der ihn nach kurzer
Krankheit hingerafft. Er ward auf dem Gipfel des Berges
Schahu, gegenüber von Destchawakan, bestattet. Nach
mongolischem Gebrauche wurden ihm Gold und Edelsteine in den
Sarg gegeben und die schönsten seiner Beischläferinnen
geschlachtet, um ihm die Einsamkeit des Grabes zu versüssen.
Aber ausser den geschlachteten Beischläferinnen folgten ihm
bald zwei seiner Frauen natürlichen Todes in's Grab nach, die
Frau Irtekan, die Mutter seines achten Sohnes Adschai, schon
am neunten Tage nach dem Tode ihres Gemahls, und vier Monate
und eilf Tage später, drei Tage vor der Thronbesteigung
Abaka's, die Frau Tokus Chatun, die Christin, die grosse
Beschützerin ihrer Glaubensgenossen. Auf ihren Einfluss
gründete sich vermuthlich die Hoffnung des Papstes, dass
Hulagu sich nächstens zum Christenthume bekehren werde, wovon
ihm der Ungar Joannes die Kunde gebracht und worüber sich der
Papst in seinem Schreiben an Hulagu so hoch erfreut. Eine
grosse Frau, deren Wirken stiller und wohlthätiger, als das
zweier der berühmtesten Frauen persischer Geschichte, nämlich
der Frau Turkjan und der Atabegin Abisch aus der Dynastie der
Salghuren, welche Persien beherrschten, und deren Geschichte
in die Hulagu's enge verflochten, nun zum Schlusse dieses
Buches besonders erzählt werden soll. |