Erstes Buch
Chinesische Ehrentitel, der chinesische und persische
Krieg.
Stark durch Verbindung und Verschwägerung mit den
mächtigsten Stämmen und Fürsten, vernichtete er so leichter
den Fürsten der Naimanen, Kutschluk, in dem siebenten und
letzten wider denselben geführten Krieg in der Schlacht am Kem,
und wagte nun den Krieg wider den Herrscher von China selbst,
wider Altan Chan, d. i. den goldenen, welcher ihm gleich
Anfangs seines Auftritts für die dem Tschingsang (chinesischen
Staatsminister) wider empörte Tataren geleistete Hilfe den
Ehrentitel eines Grossfürsten, sowie damals der Herrscher der
Kerait dem Owangchan und dem Fürsten der Naiman den Ehrentitel
Tajang verliehen hatte. Die Seele dieses siebenjährigen
chinesischen Krieges, welcher mit der Besiegung Altanchan's,
des vormaligen Oberherrn der Tataren und Mongolen, endete, war
der Dschelaire Mokli, welcher zur Belohnung seiner Dienste den
auszeichnenden chinesischen Titel Kojang, das ist Herrscher
Eines Distrikts, erhielt. Der Kaiser von China war der
mächtigste Feind des mongolischen Reichs im Osten, sowie
Chuaresmschah, dessen Herrschaft sich über ganz Mittel- und
Vorderasien erstreckte, der mächtigste und gefährlichste
Nachbar im Westen. Nach dem glücklich vollendeten
siebenjährigen chinesischen Feldzuge und der Einschüchterung
des Ostens wandte Tschengischan seine ganze Macht wider den
Herrscher des Westens, wider Mohammed Tekesch, zur Blutrache
einer Karawane mongolischer Kaufleute, welche Ghairchan, der
Statthalter von Otrar, hatte ermorden lassen. In diesem
siebenjährigen Kriege befehligten die zur Eroberung des
Westens bestimmten Heere theils Tschengischan in Person,
theils seine vier Söhne, theils seine beiden grossen
Feldherren Dschebe Nujan und Subutai Behadir; sie eroberten
eben so viele Länder: Transoxana, Chuaresm, Chorasan, das
persische Irak, Masenderan, Ghasna und Kipdschak, und die
mongolischen Heere verheerten die Länder von den Ufern des
Indus bis an die der Wolga. Ogotai und Dschaghatai belagerten
Otrar, worin sich Ghairchan, dessen Gewaltthat der Anlass und
die Rechtfertigung des Kriegs, sich zwei Jahre lang tapfer
vertheidigte. Dschudschi, welcher gegen Chodschend befehligt
war, kehrte nach einiger Uneinigkeit mit seinen Brüdern wieder
nach Kipdschak zurück. Tschengischan befehligte in eigener
Person die Verheerung von Samarkand und Bochara, der beiden
grössten und bevölkertsten Städte Transoxana's, in deren jeder
dreissigtausend Schlachtopfer bluteten, was nicht unglaublich,
wie die Zahl derer, welche in den Städten Chorasan's bluteten,
mit dessen Eroberung der vierte Sohn, Tuli, betraut war. Zu
Nischabur soll eine Million, zu Sebsewar siebzigtausend
gemetzelt worden sein. Glaublicher ist die Entvölkerung
Chuaresm's, aus dessen Hauptstadt allein einmalhunderttausend
Künstler und Handwerker in die östlichen Länder geschleppt
worden. Bamian, vor dessen Mauern ein Enkel Tschengischan's,
aus seinem Sohne Dschaghatai, fiel, erhielt den Namen Mobaligh,
d. i. verfluchte Ballei, und musste den Mord mit dem Blute
seiner Einwohner sühnen. Die beiden Feldherren Dschebe Nujan
und Subutai Behadir durchstäupten Persien bis an die Ufer des
Sees von Urmia, drangen dann durch die Pässe des Kaukasus nach
Russland und Kipdschak vor und wurden durch die Niederlage der
Russen Herrscher an der Kalka, die sich in den Donesch
ergiesst, wie sie Herrscher an der Kalka, die in den Bujursee
mündet. Tschengischan selbst verfolgte am Indus den Sultan
Dschelaleddin Mankburni, den Sohn des Mohammed Tekesch, der in
einer Insel des kaspischen Meeres sein Leben geendet, und
konnte dem Sohne seine Bewunderung nicht versagen, als
derselbe, bis an das Ufer des Indus verfolgt, vom steilen Ufer
sich ganz bewaffnet mit dem Pferde in den Indus stürzte und
denselben durchschwamm: Ein Sohn, würdig seines Vaters, rief
Tschengischan, ihm mit Bewunderung nachsehend, aus. Beim
Kurultai, welches Tschengischan am Karagöl (Schwarzsee) zur
grossen Jagd an alle Uluse ausgeschrieben hatte, erschien der
älteste, Dschudschi, nicht, doch sandte er seinerstatt
kostbare Geschenke an Pferden. Tschengischan unternahm von da
den vierten Feldzug wider das empörte Tanghut und starb auf
demselben, nachdem er durch letztwillige Anordnung zu seinem
Nachfolger im Reiche weder den ältesten Dschudschi, noch den
zweiten Dschagatai, sondern den dritten Ogotai ernannt hatte. |