Erstes Buch
Dynastien des nördl. Persiens, Armeniens, Georgiens u.
Kleinasiens.
Wir wenden uns nun zuletzt nach dem Norden und zwar zuerst
nach den nördlichen Landschaften Persiens, nach Taberistan und
Masenderan, wo seit der Hälfte des ersten Jahrhunderts der
Hidschret bis in die Hälfte des fünften die zwei Dynastien
Bawendije, auf einander folgend, geherrscht; aus der zweiten,
im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen
Zeitrechnung erloschenen, erstand in der Hälfte des
vierzehnten ein Zweig derselben in der Dynastie Dschelawije.
Das Stillschweigen der Geschichte durch diese anderthalb
Jahrhunderte beweiset, dass Taberistan während dieser Zeit
keine eigenen Herrscher hatte; in Gilan herrschten XXII. die
Beni Badusian schon seit dem vierzigsten Jahre der Hidschret
zu Rujan und Rustemdar; der Gründer Badusian war ein
Nachkömmling des Schmiedes Kjawe, des Befreiers seines
Vaterlandes von der Tyrannei, dessen Schurzfell erst
Freiheitsfahne, dann Reichspanier. Sie führten den besonderen
Titel Astandar, welches in der bisher ganz unbekannten Mundart
Taberistan's gleichbedeutend mit Scheichol Dschebal, d. i. des
Alten vom Berge wie der Grossmeister der Assassinen, hiess,
welcher diesen Namen von den früheren Herrschern Kuhistan's
aus der Dynastie Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs,
der von Alamut und der von Rustemdar, bekriegten sich um die
Hälfte des sechsten Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde;
aber nach dem Tode Keikawu's Ben Hesarsif's schlug sein Sohn
und Nachfolger Schehrnusch den entgegengesetzten Pfad ein, und
trat selbst in die Fussstapfen der Assassinen, seiner
Verbündeten. Nach Schehrnusch herrschte sein Bruder Isfendiar
Kerkud, nach ihm sein Neffe Serin Kemer, d. i. Goldgürtel, der
Erste der Sohn Hesarsif's, dann Goldgürtel der Zweite, der
Sohn Chassin's, der ein und zwanzigste Herrscher der Beni
Badusian; diesem war zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts
der christlichen Zeitrechnung sein Sohn Bisutun, diesem nach
zehnjähriger Regierung der Sohn Fachreddewlet, diesem nach
zwanzigjähriger Regierung der Sohn Hosameddewlet Ardeschir und
diesem der Bruder Iskender gefolgt. Sein Nachfolger Isfendiar
Schehrahim, der jüngste Fürst der Beni Badusian, regierte drei
und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und
Abaka's; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe
gelassen, und die Eroberung des Landes erst unter ihrem
Nachfolger Oldschaitu, dem achten Ilchane Persiens, versucht.
XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder Haithon I., der
vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und vierzig Jahre,
während welcher er in häufiger Berührung mit Hulagu und dem
Bruder desselben, dem Grosskaan Mengku; ein nicht minder
historisch wichtiger, in die Geschichte der Mongolen
eingreifender, grosser Herrschercharakter ist XXIV. die
Königin von Georgien, Russuldan, die Tochter der Tamar, nach
deren Tode das georgische Reich unter die beiden Davide,
welche bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen, nämlich
zwischen ihrem Vetter David Narin und ihrem Sohne David
Ssosslan, getheilet ward. Dieser erhielt das obere Georgien,
d. i. Karthli, Kachethi, Achal-ziche und Schewar; der andere
Niedergeorgien, d. i. Imerethi, Mingrelien, Sswanethi,
Dschikhethi und Abchasethi; nach Mengkukaan's Tode zeichnete
Hulagu den David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen
besonders aus. XXV. Das Reich der Seldschuken in Rum
beherrschte der zwölfte Sultan derselben, Iseddin Keikawus
II., erst allein, dann mit seinen Brüdern Rukneddin
Kilidscharslan IV. und Alaeddin Keikobad II., von welchen der
vorletzte bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen war. In
Nicäa endlich thronte XXVI. der griechische Kaiser Vataces,
dessen drei und dreissigjährige Regierung, ein Muster von
Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedereroberung
Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbereitete, und
dessen Gesandte sich mit denen Innocenz IV. am Hofe
Mengukaan's zusammenfanden. Der Papst und die Könige von
Frankreich und Ungarn verkehrten mit den Herrschern der
Mongolen durch Gesandtschaften; aber weder die fränkischen
Kaiser von Konstantinopel, noch die Reste der Kreuzfahrer in
Syrien kamen mit denselben in unmittelbare Berührung, wie die
hier aufgeführten sechs und zwanzig asiatischen Dynastien,
welche die Zeitgenossen Hulagu's. Wie an der Pforte Mohammed
Chuaresmschahs, des mächtigsten Herrschers Asiens vor
Tschengischan, sieben und zwanzig besiegte oder huldigende
Prinzen fünfmal des Tages die Heerpauken schlugen, so schlugen
diese sechs und zwanzig, dem Ursprunge des mongolischen Reichs
in Persien gleichzeitigen Dynastien, welche demselben
widerstanden, erlagen, gehorchten, huldigten oder vor
demselben zitterten, gleichsam an der Pforte desselben die
Heerpauke der Herrschaft. |