Erstes Buch
Dynastien i. arab. Irak, in Syrien, Aegypten und Arabien.
Im arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen zu
Bagdad, in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch drei
Dynastien, deren Fürsten den Titel von Atabegen, das ist von
Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem Dutzend von
Dynastien, welche in der morgenländischen Geschichte unter
diesem Namen berühmt, waren die von Damaskus, Haleb,
Aserbeidschan und Irbil bereits erloschen, und es bestanden
nur noch die schon erwähnten persischen der Atabege von Jesd,
Darabscherd, Schiras, Gross- und Klein-Luristan, und die nun
zu erwähnenden von Mossul, Dschesire und Sindschar. XI. Zu
Mossul herrschten seit einem Jahrhunderte sechszehn Atabege
aus der Familie Amadeddin Sengi's, deren Thron vom Chalifen
Bagdad's dem Bedreddin Lulu, Obersthofmeister der beiden
letzten Fürsten, verliehen worden; dieser füllte den Thron
rühmlich vierzig Jahre lang und ward von Hulagu, dem er nach
Bagdad's Eroberung zu huldigen kam, gnädig aufgenommen. XII.
Die Dynastie der Atabege von Sindschar, deren Herrschaft vor
einem Jahrhunderte begonnen, hatte nur durch ein halbes
Jahrhundert geherrscht, und ihre Herrschaft war nach Bedreddin
Lulu's, des Atabegen von Mossul, Tode dem Sohne desselben,
Mosaffer von Beibars, dem Sultane Aegyptens, zugesprochen
worden; eben so war die Linie der Atabegen Mossul's, welche
seit acht und vierzig Jahren XIII. zu Dschesire geherrscht,
erloschen, und an ihre Stelle Modschahid, ein anderer Sohn
Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, getreten, so dass
Bedreddin Lulu und seine drei Söhne (der dritte folgte ihm als
Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher in die
Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. Zu Mardin
herrschte ein Zweig der Beni Ortok, deren Hauptlinie von
Diarbekr seit zwanzig Jahren erloschen war; aber aus derselben
Familie herrschten zu Mardin schon seit hundert sechs und
achtzig Jahren Fürsten, deren Dynastie erst im Beginne des
fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung
erlosch. Ilghasi, der Gründer dieser Dynastie, Sultan
Melekschah's des Seldschukiden Statthalter zu Bagdad, hatte
sich Nissibin's und Mardin's bemächtigt; ihm war sein Sohn
Hosameddin Timurtasch und sein Sohn Nedschmeddin, diesen die
beiden Söhne Hosameddin II. und Nassireddin und diesem der
Sohn Melik Said gefolgt, welcher der sechste Herrscher dieser
Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz trotzend, der
Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu Miafarakain hatte noch
vor dreissig Jahren Suleiman, ein Sohn Ilghasi's Ortok,
geherrscht, aber zur Zeit Hulagu's war diese Stadt im Besitze
Kjamil's des Ejubiden. XV. Miafarakain's Fürstenthum ist also
das zehnte des zehnzweigigen mächtigen Herrscherstammes der
Beni Ejub (die neun anderen, die von Kairo, Damaskus, Haleb,
Hama, Himss, Kerek, Baalbek, Hossnkeif und Jemen); von diesen
zehn Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte des
dreizehnten Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die von
Miafarakain und Hossnkeif, und in Syrien die vier von Haleb,
Hama, Himss und Kerek. Kjamil war der fünfte Herrscher der
Beni Ejub zu Miafarakain; seine Vorfahren Melikol-aadil, der
Bruder Ssalaheddin's, dann Melik el-eschref, Melik el-ewhad,
Melik el-mosaffer, die drei Söhne Melik el-aadil's; der Sohn
des letzten war Melik Kjamil, der Grossneffe Ssalaheddin's,
welcher den Versuch, den Waffen der Mongolen zu widerstehen,
mit dem Verluste seiner Hauptstadt und des Lebens bezahlte.
XVI. Die Dynastie der Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig
Jahren begonnen, indem Melik Ssalih Nedschmeddin von seinem
Vater Kjamil die Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem
Kjamil, um Aegyptens und Syriens Herrschaft zu übernehmen,
sich dahin begeben, blieb sein Sohn Melik Moaasem Turanschah
im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser dem
Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die
Herrschaft von Amid und Hossnkeif seinem Sohne Melik Mowahid,
der wie sein Vetter von Miafarakain ein Opfer seines
Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen fiel. Vier andere
Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien. XVII. Zu Hama Melik
Manssur II., der bei Annäherung der Mongolen nach Aegypten
flüchtete. Der Gründer des Hauses war Takjeddin, der Enkel
Ejub's, aus dessen Sohn Schehinschah, von seinem Oheim
Ssalaheddin als Herr von Hama installirt, sein Sohn Nachfolger
Melik Manssur I. ob seiner wider die Kreuzfahrer erfochtenen
Siege und des Schutzes, den er Gelehrten und Dichtern
angedeihen liess, von jenen in zahlreichen ihm gewidmeten
Werken, von diesen in Siegeshymnen und Elegien gepriesen.
XVIII. Die Dynastie der Beni Ejub zu Himss leitet ihren
Ursprung von Esededdin Schirkuh, dem jüngeren Bruder Ejub's,
ab, welcher vom grossen Nureddin zum Statthalter vom Himss
bestellt worden war. Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und
getreuen Begleiter auf allen Feldzügen Melik Nassireddin
Mohammed des Vaters Statthalterschaft als Eigenthum; nach
dessen schnellem Tode verlieh er die Herrschaft zwar dem Sohne
desselben Melik Modschahid Schirkuh, zog aber das väterliche
Vermögen ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen Neffen
citirten Koransvers gemahnet, zurückgab; dem Modschahid folgte
sein Sohn Manssur Ibrahim, der den Chuaresmern tapferen
Widerstand geleistet, und nach ihm sein Sohn Melik Eschref
Mosafereddin Musa, der Zeitgenosse Hulagu's, von diesem, weil
er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt. XIX. Die
Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unter Melik Aadil
Seifeddin Ebubekr, welcher vom Bruder Ssalaheddin die eroberte
Stadt erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft von
Damaskus berufen, übergab er Kerek seinem Sohne Melik Moaasem
Isa, welchem der Sohn Melik Nassir Daud und diesem Melik
Moghis Fetheddin Omar folgte, der Zeitgenosse Hulagu's, von
diesem ob des Briefwechsels mit Beibars getödtet. Beibars war
der vierte Sultan der Mamluken in XX. Aegypten, deren Dynastie
gleichzeitig mit der persischen Hulagu's in Persien
emporstieg, und als eine Nebenbuhlerin derselben um Syriens
Herrschaft in der Folge genauere Kunde erfordern wird. So
herrschte auch zu Mekka der vierte Herrscher der XXI. Dynastie
der Beni Kitade, welcher nach den erloschenen drei Dynastien
der Beni Ochaissar, Musa sani und Beni Haschim seit einem
halben Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte
Herrscher Ebu Nemi Mohammed durch sieben und vierzig Jahre
gefüllt. |