Erstes Buch
Die Dynastien von Gross- und Klein-Luristan.
Mit der Familie Fasluje's, welche zu Schebankjare
herrschte, sind die sogenannten grossen Fasluje nicht zu
vermengen, welche in Gross-Luristan unter dem Namen der
grossen Atabege, so wie die Familie Chorschid in
Klein-Luristan unter dem Namen der kleinen Atabege herrschten.
Die beiden Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern, Lor
oder Lur, welche dort Statthalter im dritten Jahrhunderte der
Hidschret, später über die Stämme herrschten, welche um's Jahr
fünfhundert der Hidschret vom Berge Saumal im nördlichen
Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Persiens
eingewandert, sich unter Anführung Chorschid's in
Klein-Luristan niederliessen; von ihrer westlichen Abstammung
heissen sie die Könige des Westens. VIII. In Gross-Luristan
dienten die Anführer dieser ausgewanderten Stämme Ali und
dessen Sohn Mohammed den Atabegen Salghuren, und Abu Tahir,
der Sohn Mohammed's, stand dem Atabegen Sonkar wider die
Schebankjare bei. Sonkar, der Salghure, sagte zum Abu Tahir:
er möge sich eine Gnade erbitten; Abu Tahir begehrte erst den
Pfeil, dann das Pferd des Atabegen, und als ihn dieser noch
mehr begehren hiess, die Erlaubniss, Luristan von den Feinden
der Atabege zu reinigen; er eroberte es, erklärte aber sich
selbst zum unabhängigen Fürsten und Atabegen. Bei dieser
Gelegenheit siedelten sich zahlreiche Stämme aus Syrien in
Luristan an, und vertrieben die Scholen oder Schulen, welche
die Ureinwohner des Landes. Abu Tahir hatte fünf Söhne, deren
ältester Hesarsif in beständigem Kriege mit Tikle dem Atabegen
Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Gebiet der
Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf vier Farasangen
von Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen Sohn Tikle, welcher
denselben Namen trug wie der Atabege Salghure von Fars, weil
er von mütterlicher Seite ein Enkel desselben, ein
Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir; der Salghure Saad sandte
Heere wider Tikle, welcher dieselben schlug, und auch wider
Hosameddin Chalil, den Neffen Schudschaaeddin's von
Klein-Luristan, siegreich Krieg führte; endlich kamen aus
Chusistan zwei Feldherren des Chalifen, welche den Bruder
Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete den einen, nahm den
anderen gefangen und löste denselben für den Bruder aus. Tikle
war der Beherrscher Gross-Luristan's, als Hulagu wider Bagdad
zog. Zur selben Zeit herrschte in Klein-Luristan der kleine
Atabege Bedreddin Mesud, welcher sich dem Dienste der Mongolen
stellte. IX. Die Dynastie der kleinen Atabege in
Klein-Luristan begann ein halbes Jahrhundert später als die
der Atabege von Gross-Luristan. Schudschaaeddin Chorschid, d.
i. der Tapfere der Religion, die Sonne, eroberte das Land,
nahm, der erste, den Titel Atabeg an, und starb nach
vierzigjähriger Regierung über hundert Jahre alt; ihm folgte
sein Neffe Rustem, ein gerechter aber strenger Fürst, den sein
Bruder Scherefeddin Ebubekr ermordete; dieser wurde von seinem
Weibe vergiftet; sein Bruder Iseddin Kerschasif nahm den Thron
ein und die Frau Melike, seines Bruders Gemahlin, die Tochter
Schihabeddin Suleimanschah's, zur Frau; in langwierigen Krieg
mit Hosameddin Chalil, dem Neffen Schudschaaeddin's,
verwickelt, schloss er mit demselben Frieden, ward aber von
ihm erschlagen. Die Wittwe Melike Chatun sandte ihre drei
Söhne (Schudschaaeddin Chorschid, Ssafeddin Rustem und
Nureddin Mohammed) zu ihrem Bruder Suleimanschah, der mit
Hosameddin den Krieg so erbittert führte, dass sie sich in
Einem Monate ein und dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren
kam es in der Ebene von Schabur zu einer entscheidenden
Schlacht, in welcher Suleimanschah von sechzigtausend Reitern
des Chalifen unterstützt ward, während das Heer Hosameddin's
nur aus dreitausend Reitern und neuntausend Fussgängern
bestand; dennoch wurde Suleiman Anfangs in die Flucht
geschlagen, trug aber den Sieg davon, und improvisirte, als
man ihm den Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse
darauf, in denen eben so viele Wortspiele:
Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst,
Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust;
Ein Diw, begehrte er das Reich von Suleiman,
Zuletzt im Diwan Salomoni's abgethan.
Die Herrschaft kam an den obengenannten Bedreddin Mesud,
den Bruder Iseddin Kerschasif's.