Erstes Buch
Die sieben Kurultai, die Fürsten, welche gehuldigt.
Das Kurultai, das ist allgemeine Volksversammlung, der
Landtag, auf welchem Temudschin als Tschengischan, d. i.
gewaltiger Herrscher, der Fünf- und Neunfarbigen, der blauen
und anderen Mongolen ausgerufen worden, war das vierte der
sieben Kurultai, deren die Geschichte Tschengischan's erwähnt.
Das erste wurde unmittelbar vor dem Feldzuge wider die
Taidschut und der Niederlage der siebzig Kessel, das zweite
vor sieben Jahren bei der ersten Thronbesteigung als Herrscher
der unterworfenen Stämme der Konghurat und der mit denselben
Verwandten, das dritte nach der durch den Fürsten der Tunguten
erhaltenen Kundschaft von dem Ueberfalle der Naiman und der
Niederlage Tajangchan's, ihres Fürsten, das vierte wurde zur
Aufpflanzung der vier schwarzen und neun weissen Rossschweife
gehalten, das fünfte hat bald hierauf zur Berathung des
siebenjährigen chinesischen Kriegs, das sechste sieben Jahre
hernach zur Berathung des siebenjährigen persischen, und das
siebente und letzte sieben Jahre später und zwei Jahre vor
seinem Tode bei seiner letzten Rückkehr in die Heimath
stattgehabt. Diese Kurultai blieben sofort mongolischer
Reichsbrauch bei den Thronbesteigungen der Fürsten und anderen
grossen Begebenheiten, welche der Chan mit allen Stämmen
berieth. Tschengischan spricht in seiner Thronbesteigungsrede
an die versammelten Stämme von den zwölf unterworfenen
Reichen, worunter die Gebiete der besiegten, ihm unterworfenen
Feinde zu verstehen sein dürften; zuerst die sieben des ihm
nächsten verwandten, mächtigen Stammes der Konghurat mit
seinen sechs Zweigen, dann die des verwandten Stammes der
Kijat Burdschin, dann der Tataren und des ihnen engverbündeten
Stammes der Mekrin, dann der Taidschut und der Kerait; der
noch unbezwungene, mächtigste feindliche Stamm war der der
Naiman, wider welchen Tschengischan siebenmal zu Felde
gezogen, fünfmal vor seiner Thronbesteigung, zweimal als
gewaltiger Chan der Mongolen, und als Verbündeter Owangchan's.
Immer waren sie an der Spitze der wider Tschengis
verschworenen Stämme und ihre Niederlagen zu Kisiltasch, d. i.
am rothen Steine. nicht minder berühmt, als die der siebzig
Kessel der Taidschut zu Baldschusch, die der verbündeten
Stämme an den sieben Grabhügeln und die Tschengischan's
selbst, als er nach der wider Owangchan verlornen Schlacht von
wenigen Treuen begleitet zum Quelle Baldschuna geflohen.
Nachdem in der vierten Schlacht wider die Naimanen ihr grosser
Fürst Tajangchan geblieben, zog Tschengischan wider dessen
Bruder Bujuruk, d. i. den Befehlshaber, welcher ihm als Fürst
seines Volkes gefolgt, und schlug denselben an der Sudscha, in
der Nachbarschaft des Ulugtag, d. i. des grossen Bergs, die
Fortsetzung der Bergkette des kleinen Altai ober dem
Balchasch-See. Tajang's Sohn Kuschluk floh mit Tukta, dem
Fürsten der Merkit, nach den Ländern am Irtisch. Ihre
gefährliche Nachbarschaft mochte ein Hauptgrund des Untergangs
der Kirkis und Kemkemdschiut gewesen sein, welche am Irtisch
und Jenisei sassen, und welche nun dem gewaltigen Herrscher
huldigten; so huldigten ihm auch im Süden Idikut, der Fürst
der Uighuren, und die türkischen Fürsten der Hoeihe in der
kleinen Bucharei, der Gurchan von Karachatai, der Fürst des
Stammes der Karlik von Kajaligh und der von Almaligh.
Tschengis besiegelte den Bund der Huldigung durch
Verschwägerung, indem er dem letzten eine Tochter seines
ältesten Sohnes Dschudschi, dem Fürsten der Karlik eine andere
Prinzessin des Tschengischan'schen Hauses, und seine Tochter
Il Alti dem Fürsten Idikut zur Frau gab, den er seinen fünften
Sohn nannte. Er war nun mit nicht weniger als einem Dutzend
der mächtigsten Stämme verschwägert; die zwei Schwestern
Tatarinnen ausgenommen, war jede seiner grossen Frauen aus
einem anderen Stamme, und ebenso gab er nicht mehrere seiner
Töchter an Fürsten Eines Stammes, sondern jede an einen
anderen; nur mit dem Stamme der Konghurat war er gegenseitig
verschwägert, indem seine erste Gemahlin Burte Fudschin eine
Konghuratin und er seine Tochter Tumalun an den Prinzen der
Konghuraten vermählte, welcher, wie alle Eidame, den Titel
Gurchan führte. |