Erstes Buch
Dynastien im Osten Asiens
China, dessen nördliche Hälfte unter Mengukaan, dessen
südliche unter Kubilai zu dauerndem Besitze und zur Gründung
der Dynastie Juan, d. i. der Mongolen, erobert worden, liegt
hier eben so, wie das indische Reich von Dehli, dessen grosse
Stadt Lahur noch unter Gujuk's Regierung von den Mongolen
belagert und für kurze Zeit erobert worden war, ausser dem
Bereiche dieses Ueberblicks, welcher blos die unmittelbar mit
der mongolischen Dynastie in Persien bei der Eroberung
desselben oder später verflochtenen asiatischen Reiche und
Dynastien ins Auge nimmt. Wir wenden den Blick nach sechs
Seiten, so dass derselbe Persien selbst und seine Gränzländer
in Osten, Westen, Süden, Norden, sammt dem äussersten des
westlichen Asiens, bis wohin sich das Reich und die Macht der
Ilchane erstreckte, in sich begreift. Im Osten zuerst nach dem
indischen Gränzreiche, nach Chorasan, d. i. dem Ostlande, dem
persischen Oesterreich und dem daran stossenden Kuhistan; im
Süden gegen Kerman und Jesd, dann nach Persien im engsten
Sinne, nach Fars, dem persischen Irak und den beiden dazu
gehörigen Luristan; im Westen nach dem arabischen Irak, dem
Sitze des Chalifats, und nach dem Reiche der Seldschuken in
Rum; im Norden nach Gilan, Georgien und Armenien; endlich nach
dem entfernten Syrien und Aegypten und dem byzantinischen
Reiche:
I. An der indischen Gränze, von deren Deckung gleich beim
ersten Feldzuge Hulagu's die Rede sein wird, herrschte die in
der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts gegründete
Dynastie der Chuldschen, d. i. die fünfte der Ghur, nachdem
die drei früheren dieses Namens zu Ghasna, Bamian und Kabul
erloschen, während die vierte, nämlich die der Ulugschahe, mit
ihnen gleichzeitig zu Dehli herrschte. Die Benennung der
zweiten tatarischen Dynastie, unter welcher Ferischte, der
grosse Geschichtschreiber der moslimischen Reiche in Indien,
die Chuldschen aufführt, könnte gelten, wenn es wahr wäre,
dass sie von einem Eidam Tschengischan's, Namens Choldsch,
abstammen; aber keiner der Eidame Tschengischan's trägt diesen
Namen und keine derselben waren Choldsche oder Challadsche
(das indische Choldsch ist blos eine Verstümmelung des Namens
der Challadsch oder Kaladsch), welche, wiewohl Türken von
Abkunft, von Reschideddin den uneigentlichen Mongolen
beigesellt werden. In der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts
herrschte aus dieser Dynastie Dschelaleddin Firus, welcher
sich der Stadt Dehli bemächtigte, und dessen vier glänzende
Siege der grosse persische Dichter Chosrew von Dehli, in einem
besonderen: die Eroberung der Eroberungen betitelten Werke
beschrieben, und dessen Sohne Alaeddin ein anderes seiner
Werke, nämlich die Vereinigung der beiden glücklichen
Gestirne, gewidmet. Chosrew von Dehli war der Lobredner
Dschelaleddin's und Alaeddin's, der beiden grossen Herrscher
der Chuldschen, wie ein halbes Jahrhundert später Wassaf, der
Lobredner der beiden Herrscher der Ilchane, Chodabende und Ebu
Said. II. In Chorasan war erst vor einigen Jahren zu Herat die
Dynastie der Kert durch Schemseddin Mohammed gegründet worden,
welchem Tschengischan bei der Eroberung Herats den Besitz
desselben eingeräumt, Mengku, welchem er mit reichen
Geschenken seine Huldigung darbrachte, die Herrschaft von
Herat und Ghardschistan bestätigte. In dem unmittelbar an
Herat anstossenden und längs der südlichen Gränze von Chorasan
sich hinziehenden Kuhistan, das ist dem Gebirgslande, sandten:
III. die Assassinen von ihren hundert Schlössern den
Meuchelmord wider alle ihre Feinde aus. Der siebente
Grossmeister dieser Meuchelmörder, Alaeddin Mohammed Gurschah,
sass seit zwanzig Jahren als Alter vom Berge auf dem Stuhle,
auf welchen den neunjährigen Knaben die nächsten Verwandten,
welche den Vater vergiftet, gesetzt und dem er, vom eigenen
Sohne gemordet, entsank.