Erstes Buch
Dynastien im Süden Persiens
IV. Kerman, die südliche Landschaft Persiens, kam nach dem
Untergange der Herrschaft der Bujiden in die Macht der
Seldschuken, von deren fünfgetheilten Herrschergeschlechte ein
Zweig den Namen von Kerman führt, und blieb im Besitze der
Söhne Kaurdin's bis zur Regierung Dscheladdin Chuaresmschahs,
zu dessen Zeit der Kämmerer Borrak, zum Islam bekehrt, vom
Chalifen mit der Herrschaft dieses Landes belehnet und mit dem
Ehrentitel Kotlogh Sultan, d. i. der gute Sultan,
ausgezeichnet ward. Kotlogh Sultan war mit dem Atabegen von
Jesd Ghajaseddin in vielfältige und langwierige Streitigkeiten
verwickelt, welche in der welteröffnenden Geschichte
Dschuweini's erzählet sind. Der Sohn Kotlogh Sultan's
Rukneddin erhielt trotz der Empörung Kutbeddin's, des Neffen
Borrak's, vom ersten Nachfolger Tschengischan's von Ogotai die
Belehnung von Kerman, Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz
am Hofe des Kaan, indem er seine Schwester dem Kasar Beke und
eine Tochter dem Ssahib Habesch Amid vermählte; zwei Söhne aus
dieser Ehe waren in der Folge die Stützen des Throns von
Kerman wider Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt,
durch den Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von
Mengkutaan das Diplom der Herrschaft Kerman's erhielt.
Kutbeddin schickte mit der Botschaft der Belehnung einen
Gesandten an Rukneddin, der, als er beim Atabegen von Fars
Mosaffereddin Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch beim
Chalifen Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden
Jahre nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der
Nebenbuhler um den Thron Kutbeddin mit ihm zugleich
eingetroffen. Diesem bestätigte Mengku, und später auch Hulagu
die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre später
erfolgten Tode behielt. Fast noch weniger als die Geschichte
der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der
Atabegen von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäischen
Geschichtschreibern bekannt. V. Die Atabege von Jesd leiten
ihren Ursprung vom Dilemiten Ebu Dschaafer Mohammed Kakuje ab,
dessen Namen die Araber in Kakeweih, so wie den der Buje in
Boweih, und den der Fasluje in Fasleweih verstümmeln; er war
der Oheim Side Chatun's, der Mutter Medschdeddewlets des
Bujiden und Statthalters von Issfahan; sein Sohn Ebu Manssur
Firamurs hatte vom Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte
die Herrschaft von Jesd erhalten; ihm war in derselben sein
Sohn Emir Ali Ben Firamurs gefolgt, welcher im Kriege wider
die Karachitanen fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher
der persischen Seldschuken, verlieh die Herrschaft von Jesd
dem Sam Ben Wirdan, einem Abkömmlinge aus einer Tochter Emir
Ali's, als Stellvertreter desselben. Sam Ben Wirdan umfing das
Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und verherrlichte Jesd
durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess die
Herrschaft seinem Bruder Iseddin Beschker, welcher, ein
tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit der
Statthalterschaft von Schiras und Issfahan betraut worden, zu
Anfang des Jahrhunderts starb; ihm folgte sein Bruder
Wirdansor durch zwölf Jahre, und dann dessen Bruder Ebu
Manssur, beigenannt Kutbeddin der Choldsche, nach ihm dessen
Sohn Mahmud durch dreizehn Jahre, und nach diesem dessen Sohn
Salghurschah, der Erbauer der nach ihm genannten Stadt
Salghurabad, und dann dessen Sohn Toghanschah, der neunte der
Herrscher der Familie Kakuje, der Zeitgenosse Hulagu's,
welcher das Dasein dieser Herrscherfamilie duldete, bis nach
zwei späteren Herrschern (Alaeddewlet und dessen Bruder
Jusufschah), zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts, Jesd von
Ghasan erobert und dessen Ertrag den Einkünften des Diwans
einverleibt ward. |