Erstes Buch
Hinrichtungen der Prinzen; Feldzug gegen Osten und Westen.
Während der Feste kam ein Soldat der Leibwache, welcher
sein Maulthier verloren, dasselbe zu suchen ausgegangen, in
grösster Eile (er hatte in Einem Tage den Marsch von dreien
durchmessen) mit der Kunde, dass die Prinzen des Uluses Ogotai,
Schiramun, Baghu und Kutuktu mit versteckten Waffen, die sie
in bedeckten Wägen mit sich führten, im Anzuge. Mingkasar ging
ihnen mit Truppen entgegen, überfiel sie und führte sie ins
Lager mit sich; hier brachten sie nach mongolischer Sitte ihre
Geschenke, neun verschiedene Dinge und von jedem neun Stücke,
dar; aber am dritten Tage wurden sie beim Eintritt in's Zelt
verhaftet und von Mengku selbst verhört. Der Hofmeister
Schiramun's gestand, geprügelt, den Auftrag, und Mengku
übertrug nun das Gericht über die Schuldigen dem Mingkasar;
dieser sprach über dieselben nach der Jasa die Todesstrafe
aus. Siebzig Prinzen und Nujanen wurden hingerichtet, unter
den letzten zwei Söhne Iltschikidai's, des Feldherrn in
Persien, deren Vater zu Badgis verhaftet, zu Batu geführt, von
diesem hingerichtet ward. Die Todesart der Nujanen war, dass
man ihnen den Mund mit Steinen füllte und sie so erstickte;
die der Prinzen, dass man sie in seidene Tapeten einwickelte
und darin zu Tode rollte. Katakasch, die Mutter Schiramun's,
die Nichte Altschi Nujan's, sandte Bitte an Sijurkukteni, die
Schuld ihres Sohnes bekennend und für denselben um Verzeihung
flehend; auf die Fürbitte der Mutter schenkte Mengku den
Aghlanen, d. i. den Prinzen Schiramun, Chodscha Aghul, Baghu
aus dem Uluse Ogotai, Jesenbuke aus dem Uluse Dschagatai, das
Leben, indem er sie nach China sandte, dem Chodscha Aghul
aber, welchem die Thronfolge gebührt hätte, einen Jurt an der
Selenga anwies; auch den beiden grossen Söhnen Ogotai's, Timur
und Melik, und denen Kutan's wurde das Leben geschenkt, aber
in der Folge, als Mengku selbst nach China zog, wurde der
Prinz Schiramun ertränkt. Seine Mutter Katakasch und
Oghulkaimisch, die Wittwe Gujuk's, wurden das Jahr hierauf vor
das Gericht Mingkasar's gestellt, beide als überwiesen, dass
sie die Söhne zur Widerspenstigkeit bei dem Kurultai der
Thronbesteigung aufgehetzt, zum Tode verurtheilt und in Filz
eingewickelt ersäuft. Kaidak und Tschinkai, die beiden Räthe
der Oghulkaimisch, wurden hingerichtet. Buri, der Enkel
Dschagatai's, wurde an Batu ausgeliefert, der ihn um einige
Schimpfreden, die er wider ihn ausgestossen, tödten liess. So
waren ausser siebzig Nujanen die Kaiserin Oghulkaimisch und
die Mutter Schiramun's, welcher von Ogotai zur Thronfolge
bestimmt worden war, als Opfer der Herrschaft des Uluses
Tuli's gefallen. Der Idikut, d. i. Fürst, der Uighuren,
welchem Turakina die Herrschaft über das Land verliehen,
wurde, von einem Moslim eines Mordplans wider alle Moslimen in
seinem Lande angeklagt, vor das Gericht des unerbittlichen
Mingkasar gestellt; von diesem auf die Folter gelegt, bekannte
er sich schuldig, wurde zur Todesstrafe verurtheilt und nach
Pischbaligh gesandt, um dieselbe zu erleiden; an einem
Freitage, als die Moslimen in die Moschee gingen, wurde er zu
ihrer grossen Freude geköpft; die Stelle des Scharfrichters
vertrat sein eigener Bruder, welchem Mengku die Herrschaft des
Landes der Uighuren verlieh. Berke Aghul und Buka Timur, die
beiden Söhne Batu's, wurden mit Ehren nach Kipdschak, so auch
Kara Hulagu, der Enkel Dschagatai's, aus dessen vor Bamian's
Mauern gefallenem Sohne Muwatukan, mit der Oberherrschaft
seines Uluses entlassen; Mohammed Jelwadsch, welcher, als
Mengku einen Augenblick über die Strafe der schuldigen Prinzen
unschlüssig, denselben nach der aus der römischen Geschichte
bekannten Anekdote, der vom Vater Tarquinius als Antwort auf
des Sohnes anfragende Botschaft stillschweigend abgehauenen
höheren Pflanzen, zur Todesstrafe bestimmt hatte, ward wieder
die Finanzverwaltung von China, und seinem Sohne Mesud die
Statthalterschaft über die Länder zwischen dem Oxus und
Irtisch anvertraut, dem Aghun die Statthalterschaft über ganz
Persien, von Chorasan bis nach Armenien und an die syrische
Gränze bestätiget. Mingkasar war der Oberrichter, der Christ
Bulghai stand an der Spitze der Staatskanzlei, in welcher
Sekretäre für die Ausfertigungen in sieben Sprachen: Perser,
Uighuren, Araber, Chinesen, Tibeter, Mandschu und Tanguten
angestellt waren. Kuikur, der Sohn Dchudschi Kasar's, des
Bruders Tschengischan's, erhielt die Befehlshaberschaft der
Residenz Karakorum; Befehle wurden erlassen, um dem Misbrauche
der von Ogotai eingesetzten Posten Jam zu steuern, indem die
Kuriere und Gesandten den Bauern die Pferde wegnahmen; die
Abgabe Kuntschur von den Herden wurde auf Eines vom Hundert
bestimmt; die Herde, die nicht Hundert zählte, war davon frei.
In Persien wurde nach dem Fusse der von Jelwadsch in
Transoxana eingeführten Besteuerung der Kopfsteuer, je nach
dem Vermögen von Einem bis zehn, in China von Einem bis
fünfzehn Dukaten festgesetzt. Forderungen von Kaufleuten,
welche für die unter Gujuk gelieferten Waaren keine Bezahlung
erhalten hatten, wurden mit fünfzigtausend Silberbalischen
befriedigt; hingegen zog er alle Ländereien ein, deren sich
nach dem Tode Gujuk's seine Wittwe Oghulkaimisch und ihre
Söhne Chodscha und Baghu bemächtigt hatten, welche
siebzehntausend Balische Gold eintrugen. Der Bruder Kubilai
wurde mit einem Heere nach China befehligt, und bei dem
Aufbruche desselben hielt der Kaan ein Kurultai, von Festen
aller Art begleitet; auf diesem erschienen der Richter
Schemseddin von Kaswin, welcher wider die ihn aufsuchenden
Dolche der Assassinen zum Throne des Kaans flüchtete, und
Abgeordnete Baidschu Nujan's, des Befehlshabers in Irak,
welcher sich über den Chalifen von Bagdad beklagte. Da
beschloss Mengku den Krieg wider die Assassinen und den
Chalifen und übertrug die Führung desselben seinem Bruder
Hulagu. Da einige Geschichtschreiber den Anfang der Herrschaft
der Mongolen in Persien von diesem Jahre an rechnen, wiewohl
Hulagu erst drei Jahre später dort als Eroberer einzog, so
wird auch das folgende Buch am bessten mit dem Feldzuge,
dessen angekündigter Zweck die Zerstörung der Herrschaft der
Assassinen und des Chalifats, beginnen, aber zuvor thut noch
zur Orientirung des Lesers vonnöthen ein Ueberblick der
damals, das ist in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts der
christlichen Zeitrechnung, in Asien dem Reiche der Mongolen
gleichzeitigen asiatischen Dynastien. |