Erstes Buch
Mengku's Thronbesteigung.
Der Tod Gujuk's ward nach der von Tschengischan
herrührenden Staatsmaxime geheim gehalten, bis der Aelteste
der Familie (dies war Batu, der Herrscher von Kipdschak) davon
verständigt; er war auf Sijurkukteni's Warnung vom Marsche
Gujuk's demselben entgegengezogen und bis nach Kialik
gekommen, als er die Kunde des Todes erhielt. Die Regentin,
die Frau Oghulkaimisch, sandte an ihn Botschaft im Namen ihrer
Söhne, von denen der älteste, Chodscha Aghul, den Thron
vermöge der Jasa und des noch bei der Thronbesteigung seines
Vaters unterzeichneten Familienvertrags in Anspruch nahm; aber
auch die Frau Sijurkukteni, Wittwe Tuli's, die Mutter vier
seiner neun Söhne, nämlich: Mengku's, Kubilai's, Hulagu's und
Arik Buka's, sandte Botschaft, um seine Stimme für den
ältesten derselben zu gewinnen. Sijurkukteni war die Nichte
Owangchan's, eine Frau von ausserordentlichem Geiste und
Verstande, unstreitig die grösste aller Frauen, von denen die
mongolische Geschichte ein Paar Hundert, in die der Herrscher
verflochten, erwähnt. Hochangesehen durch ihre Geburt als die
Nichte des grossen Herrschers der Kerait aus seinem Bruder
Hakembo, war sie es noch mehr durch die Verschwägerung mittels
ihrer drei Schwestern, von denen Begtutmisch eine der vier
grossen Frauen Dschudschi's und also die Stiefmutter Batu's,
und vermöge der mongolischen Sitte, nach welcher die Söhne
nach des Vaters Tod die Stiefmütter zu Gemahlinnen nahmen,
eine der Frauen Batu's oder doch wenigstens von grossem
Einflusse in seinem Frauengemach; ausser diesen Vortheilen
ihrer Geburt und Verschwägerung genoss sie des höchsten
Ansehens als die grosse Frau Tuli's, des Herdhüters des Hauses
Tschengischan's, als die Mutter seiner vier obgenannten Söhne
und als eine Frau von grosser Staatsklugheit. Durch diese
hatte sie immer den Herrscher Batu sich und ihren Söhnen
günstig zu erhalten gewusst; als Batu den kranken Fuss
vorgeschützt, um sich der Gegenwart beim Kurultai der
Thronbesteigung Gujuk's zu entheben, hatte sie ihre Söhne an
ihn gesandt, um sich nach seiner Gesundheit an erkundigen; als
Gujuk gegen die Gränze marschirte, hatte sie ihm die früheste
Kunde und Warnung gegeben, und fand ihn also ihren Wünschen
geneigt; ausserdem hatte sie als grosse Menschenkennerin die
durch Talente oder Heldenmuth ausgezeichnetsten Männer der
verschiedenen Stämme als Erzieher oder Umgebungen ihrer Söhne
an sich zu ziehen gewusst und sich mit dem Bollwerke ihres
Kopfs und Arms umgeben. Die zahlreichsten Prinzen auf diesem
Kurultai waren die der Uluse Dschudschi und Tuli. Iltschikidai
der Dschelaire, der Befehlshaber in Persien, brachte den
versammelten Prinzen den bei der Thronbesteigung Gujuk's
unterschriebenen Familienvertrag in Erinnerung: dass, so lang
ein Stück Fleisch von seinem Hause übrig wäre, sie aus
keinem anderen den Herrscher wählen würden. Ihr habt,
entgegnete Kubilai, zuerst die Jasa Tschengischan's gebrochen,
indem ihr seine Tochter Atalun (die Gemahlin Dschawer
Satschan's des Olkoniten) getödtet, indem ihr die durch
Ogotai's letzten Willen seinem Enkel Schiramun bestimmte
Thronfolge dem Gujuk zugewendet. Diese Einwendung unterstützte
das Ansehen Batu's und der Oberrichter Mingkasar Nujan,
welcher den Heldenmuth Mengku's, des ältesten Sohnes Tuli's,
und die von ihm in dem chinesischen Feldzuge noch unter dem
Grossvater Tschengischan und dann im siebenjährigen westlichen
Kriege wider Europa geleisteten grossen Dienste anpries. Die
Prinzen trugen den Thron Batu als dem Aeltesten des Hauses an;
da dieser denselben aber ausschlug, übertrugen sie ihm die
Ernennung des Herrschers, und Batu ernannte dazu Mengku, den
ältesten Sohn Tuli's. Mengku entschuldigte sich, aber sein
Bruder Muke bemerkte, dass, da Alle versprochen, sich dem
Ausspruche Batu's zu fügen, so sei hier Unterwerfung auch für
Mengku Pflicht; demnach ward ihm als künftigem Herrscher
gehuldigt und Batu selbst brachte ihm den Becher dar; zugleich
ward ausgemacht, dass, da die Versammlung nicht vollständig,
nächsten Frühling im Stammgebiete Keluran auf vollzähligem
Kurultai die Thronbesteigung gefeiert werden, unterdessen die
Frau Oghulkaimisch die Regentschaft führen solle. Die Söhne
Gujuk's ziehen ihren Stellvertreter, der hiezu beigestimmt,
überschrittener Vollmacht, die Prinzen des Uluses Dschagatai
und Ogotai weigerten sich, auf dem Kurultai zu erscheinen; da
sandte Batu seine beiden Brüder, Berke und Tokatimur, mit
zahlreichem Heere, um den Mengku trotz ihrer Abwesenheit als
Kaan auszurufen. Drei Jahre nach dem Tode Gujuk's wurde Mengku
unter den gewöhnlichen Feierlichkeiten als Kaan und Moilkan
ausgerufen. Es wurde ein Regierungsbefehl erlassen, vermöge
dessen befohlen ward, nicht nur der Menschen, sondern auch der
Lastthiere zu schonen, verboten, die Thiere, deren Fleisch
gegessen, anders als nach mongolischer Sitte zu erwürgen, die
Reinheit des Wassers zu trüben. Sieben Tage dauerte das
Krönungsfest, an deren jedem neues Kleid von anderen Farben
angezogen, täglich das Fleisch von hundert Pferden und Ochsen,
fünftausend Schafen verzehrt, die Ladung von zweitausend Wägen
Weins und Kumis ausgetrunken ward. |