Fünftes Buch
Antwort.
„Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen. Durch
Gottes des Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an Sultan
Ahmed: Lob sei Gott! welcher Uns den Pfad der Wahrheit
erhellt. In Uns ist die Hilfe und der Sieg Gottes gekommen,
und Er hat uns schaarweise in die Religion Gottes aufgenommen.
Gebet über Unseren Herrn Mohammed; Er, den Gott über Alles,
wodurch sein Volk gerettet ward, erhöht, und über alle
Propheten, welche retten, und über seine Familie und seine
Gefährten! Gebet, welches erleuchtet die finstere Nacht und
dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit und Ergebenheit vom
Imam Hakim biemrillah, dem Emirolmuminin, dem Abkömmlinge der
Chalifen, der den wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn
der Propheten, dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen.
Es ist angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren
gewährliche, enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte in
die Religion und dem Ausfalle wider Alle, welche dem wahren
Leben widerstreben. Nachdem geöffnet worden dieses Schreiben,
welches Kunde der Ueberlieferungen haucht, Ueberlieferungen,
welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten der
Ueberlieferungen, welche überlieferte Moslim, wurden die
Gesichter zu Gott dem Allmächtigen gewendet mit der Bitte,
dass er diess befestige mit dem Worte, dem festen, und dass
der Samen dieser Religion im Herzen sprosse, wie die schönsten
der Pflanzen aus dem härtesten Boden sprossen. In
nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche Betrachtung
über die Erwähnung der aufrichtigen Absicht, dass im Anfang
des Lebens und in der Frische jugendlichen Strebens die
Einheit Gottes verkündet und der Eintritt in das Volk
Mohammed's mit Wort und That und Einsicht und Rath begründet
werde. Gott sei Lob! dass er die Brust des Sultans für den
Islam erweitert und dieselbe mit der edelsten der Eingebungen
aufgeheitert; Gott sei Lob! dass er uns unter die Vorgehenden,
die ersten gesetzt zu diesem erhabenen Orte, und dass er
Unsere Füsse befestiget auf jedem Standorte des Kampfs, im
Feld und mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche
durch Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten und
des Bruders des Grössten, über die Ausgiessung dieser grossen
Gnaden auf den Sultan, wie derselbe den Gipfel der
Glaubensreinigung erklommen und den Titel der Herrschaft
angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt und ihn aus
seinen Dienern auserwählt durch die wahren Kunden von den
Wundern seiner Helfer und Diener; und weiters über die
Versammlung der Brüder und Kinder der Fürsten, der grossen,
der Führer des Heers, der Vorsteher der Truppen in der
Versammlung des Kuriltai, wo die Menge zusammengeflockt und
der Feuerstahl dem Kiesel die Funken der Meinungen entlockt,
und wie ihr Wort mit den Geboten des weiland grossen Bruders
übereingestimmt in der Sendung der Heere nach dieser Seite,
dass aber derselbe (der Ilchan) nachgedacht über das, was ihre
gesammte Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem
Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch gefunden
mit dem, was er selbst in seinem Innern ausgedacht, indem er
nur das Gute bezwecke und sich die Verbesserung zum Ziel
stecke, damit er lösche dieses Feuer und stille die Unruh, die
nicht geheuer. Diesen Schritt hat der König (Ilchan) aus Liebe
zu seinem Volke gemacht, indem er das Ende mit durchdringendem
Sinne erwägend bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten
sie die Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so
wäre dieser Kampf der Kämpfe letzter gewesen; allein der
Ilchan ist wie Einer, der die Stationen seines Herrn fürchtet,
der seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht der Rede
des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt. Was
nun das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt zum
Schlachtfeld, wo die Lanze Stösse austheilt, als nachdem er
das Nöthige erklärt, so weiss Gott der Allmächtige, und es
wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um dem Volke zu
helfen, und dass, wenn wir mit That und Worten streiten, es
nur Gottes wegen geschieht; und da nun der Ilchan mit uns
eingetreten in Gottes Religion, so ging die Feindschaft davon,
und indem die Abneigung aufgehoben, wird sich glücklicher
Erfolg erproben. Der Glaube ist wie ein Gebäude, in welchem
ein Theil den andern befestigt und hält; wer eine Minaret
aufgerichtet, dem fehlt es nicht an freien Bewohnern an jedem
Orte und an gesitteten Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters,
was die Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der
allgemeine, der Erwähnung des Scheichs des Islams, des Musters
der Erlernenden, Kemaleddin Abderrahman (Gott vergelte ihm's
mit seinem Segen!) zu danken sei, so haben Wir von keinem
Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir hoffen von
seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass jedes Haus
zum Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des Glaubens
erfüllet werde und der Islam umfasse die ganze Erde, Alles
umfassend, von den Bessten Nichts übrig lassend. Es ist kein
Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der Anfang dieser
Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit kehrt mit seinem
Segen zu ihrem Ursprung zurück. Weiters, was die Wirksamkeit
des entscheidendsten der Richter des Islams, des Glaubens und
des Reichs (Kutbeddin) und des Atabegs (Behaeddin), welche
Beide mit Ueberbringung dieses wohlberedten Sendschreibens
beauftragt waren, so sind dieselben Beide erschienen, bereit,
sich aller guten Worte zu bedienen, welche die Umstände
eingeben und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender
mag erwarten mit Lob und Dank von allen Arten, so dass sie im
Namen Ahmed's (des Ilchans) Ueberlieferungen sprachen,
festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten). Weiters, was
die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht des
geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die Anforderungen
vollkommener Liebe befriedigt würden und dass man betrachten
solle die Monumente, die er im Beginne der Ausübung seiner
Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit, übend mit Zung' und
Herzen, schon hervorgebracht, wie er auf die Verbesserung der
Wakfe, die Ausbesserung der Moscheen und Gränzposten, die
Erleichterung der Strassen der Wallfahrt und anderer
dergleichen bedacht, so sind diess Attribute, von denen
abhängt der Reiche Dauer, die gute. Wenn der König herrscht
mit Gerechtigkeit und so weder die Feinde begünstigt, noch den
Tadlern Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen und
gute Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen alle
Zungen des Gebotes auf Erden, so sind dieses Pflichten, die
man schuldig, zu entrichten; diess ist grösser, als dass es
hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass es durch
Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt werden
könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme gereicht, dass er
den Ländern und Schlössern Zeit gewährt zur Befestigung seines
Reichs (welches Gott wolle bewahren in Sicherheit!). Weiters,
was den Verbot betrifft an die Diener und Wachen und an die,
welche die Runde machen, dass sie Niemanden veruneinigen
wollen und die reine Tränke der Ankommenden und Abgehenden
nicht mit den Splittern von Plackereien verunreinigen sollen,
so haben Wir, sobald Uns dieser Vorgang zugegangen, ein
Gleiches Unseren Nowwaben (Nabob) zu Rahbe, Haleb, Bire,
Aintab befohlen, und liessen desshalb an die Führer Unserer
Armeen das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich in
Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden, so sind
die Gebote besiegelt, in denen sich die Vollziehung der
Befehle abspiegelt. Weiters, was den Kundschafter betrifft,
den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben ward (als ob
dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung von
Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen werden
würden), so ist diess ein Thor, das der Ilchan aufgemacht, und
ein Feuerstahl, an dem er den Funken angefacht. Denn wie viele
verkleidete Fakire sind nicht gekommen von jener Seite in
diese Reviere, um sich Einsicht zu verschaffen in die
Geschäfte und des Landes Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar
derselben ergriffen; es erhob sich über sie der Säbel,
geschliffen, und dennoch wurde nicht entdeckt, was die Kutte
des Fakirs versteckt, trotz aller angewandten Müh' mit Was und
Nein und Wie. Weiters, was die Andeutung betrifft, dass in der
Uebereinstimmung des Wortes das Wohl der Welt und dass
dasselbe die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird
nicht zurückgewiesen, wer da klopfet am Thor der Einigkeit,
und es wird keiner abgewiesen und abgewehrt, der gutes
Einvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen
abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum
Handschlag herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters, was die
Befestigung und Bekräftigung der Befehle betrifft, so ist es
nöthig, dass auf dieselben Regeln angewandt und dass aus dem
Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn die Geschäfte sind
gebunden an die Schrift, und es ist nothwendig, dass darin
jeder Fündige und Kündige darüber entschieden, ob Krieg oder
Frieden. Hernach ist es nothwendig, dass die Geschäfte werden
entschieden in der Reihe der Knoten der Verträge und ihrer
Belege, dass dieselben, mündlich vorgetragen, durch die
Annahme dem Antrage zusagen; denn viele Fragen, welche die
Gesandten mündlich sagen, werden besser erörtert, als wenn
dieselben in verwischten Papieren werden überschlagen. Was
endlich die Berufung auf das Wort Gottes betrifft: Wir senden
keine Pein, eh' Wir nicht gesandt einen Gesandten, so wird
nicht auf diese Art der Stoff der Liebe gewebt und nicht auf
diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern vielmehr wegen Unseres
Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten und Begehren
zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich vorgetragen die
Zunge des entscheidendsten der Richter, des Pols des Glaubens
und des Volks (Kutbeddin), und es entsprach dem, was das
Schreiben versprach von dem Eintritte des Ilchans in die wahre
Religion, und dass er sich angekettet auf der Moslimen
Station, was er geübet durch Wohlthätigkeit und Gerechtigkeit,
durch seine Sitte und seinen Wandel, der berühmt weit und
breit. Gott sei Dank für die Gnade, welche durch keinen
Vorwurf gehindert und vermindert wird; Gott der Herr hat
seinem Propheten den Vers des Korans gegeben Betreff derer,
welche ihm den Islam vorwarfen: Sage, werfet mir Euren Islam
nicht vor; Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum
Glauben geleitet, und mündlich trug er vor, dass Gott der
Allmächtige dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn darüber
hinaussetzt, seine Blicke zu richten auf das, was Andere haben
an Gut und Land. Wenn also festgesetzt nach der Eintracht das
Begehren, so ist es leicht, zu gewähren, und Unsere Antwort
folgt hierauf nach der Geschäfte Lauf. Wann die
Uebereinstimmung ist erreicht, so ist auch das gute
Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die Menschen sehen, wie
Wir aufrichtig zu Werke und Unseren Feinden zu Leibe gehen und
in Unseren Kämpfen stehen. Wie mancher Freund wird nicht
gefunden, der besser als Vater, Bruder und Verwandter wird
befunden? Die mohammedanische Religion wird nicht vollendet
und dem Islam nicht die Befestigung zugewendet, als nur durch
die Gefährten, die werthen. Wenn also das Verlangen des
Ilchans gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes Vernehmen,
auf gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der
Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum
Widerstände stemmen, so wollen Wir Uns herzlich gern dazu
bequemen. Weiters, was mündlich vorgebracht: dass, wenn Unser
Verlangen sich erstreckte auf das, was der Ilchan besitzt von
Land und Gut, so bedarf es nicht der Einwirkung der Aneiferer,
welche die Moslimen nutzlos beleidigen. Hierauf antworten Wir:
Wenn die Hand der Feindschaft zurückgezogen wird und die
Länder moslimischer Könige geleert werden, so wird gedämpft
die Gluth und gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass
Alles, was Uns von denselben verboten wird, in der Natur ganz
so zu treffen ist, und dass man das, was geboten wird, selbst
zu thun vergisst. So befindet sich nun Konghuratai dermalen im
Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet und an euch
Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger Blutvergiessen,
Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung vor Allem,
ausgenommen vor der Verlängerung dieser Schäden. Endlich ward
mündlich vorgetragen, dass, wenn man entschlossen sei, diese
Streifzüge nicht aufzuheben und diese Spuren nicht aufzugeben,
so solle man einen Ort bestimmen auf der Erde, wo man sich
treffen und schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg
verleihen werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter),
wo die beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind noch
heil, und wer von diesem Volke (den Mongolen) davon gekommen
mit Heil, fürchtet sich, dahin zurückzukehren, und kann sich
durch folgenden Vers beehren:
Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war!
Er, welchen „Himss“ besiegt, nun widersteht und kriegt.
Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen,
Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen.
Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott,
welcher die Bestimmung des Looses macht. Und es ist keine
Hilfe, als bei Gott! dem Allgeehrten, dem Allweisen! er sendet
sie dem und verleihet die Macht, und nicht dem, der selbst die
Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir sind nicht von jenen,
welche auf Gelegenheit und Vorwand lauern, und nicht von
denen, welche sich abwenden und niederkauern; und die Stunde
der siegreichen Schlacht ist nicht anders als die Stunde (des
jüngsten Tages), in welcher Alles schnell wird abgemacht. Bei
Gott! er führt nur zum Guten dieses Volk, und er ist der
Mächtige, im Stande, jede Kunde und Gnade zu vollenden.
Geschrieben im Neumonde des Ramasan des obgedachten Jahres.“