Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Antwort.

„Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen. Durch Gottes des Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an Sultan Ahmed: Lob sei Gott! welcher Uns den Pfad der Wahrheit erhellt. In Uns ist die Hilfe und der Sieg Gottes gekommen, und Er hat uns schaarweise in die Religion Gottes aufgenommen. Gebet über Unseren Herrn Mohammed; Er, den Gott über Alles, wodurch sein Volk gerettet ward, erhöht, und über alle Propheten, welche retten, und über seine Familie und seine Gefährten! Gebet, welches erleuchtet die finstere Nacht und dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit und Ergebenheit vom Imam Hakim biemrillah, dem Emirolmuminin, dem Abkömmlinge der Chalifen, der den wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn der Propheten, dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen. Es ist angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren gewährliche, enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte in die Religion und dem Ausfalle wider Alle, welche dem wahren Leben widerstreben. Nachdem geöffnet worden dieses Schreiben, welches Kunde der Ueberlieferungen haucht, Ueberlieferungen, welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten der Ueberlieferungen, welche überlieferte Moslim, wurden die Gesichter zu Gott dem Allmächtigen gewendet mit der Bitte, dass er diess befestige mit dem Worte, dem festen, und dass der Samen dieser Religion im Herzen sprosse, wie die schönsten der Pflanzen aus dem härtesten Boden sprossen. In nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche Betrachtung über die Erwähnung der aufrichtigen Absicht, dass im Anfang des Lebens und in der Frische jugendlichen Strebens die Einheit Gottes verkündet und der Eintritt in das Volk Mohammed's mit Wort und That und Einsicht und Rath begründet werde. Gott sei Lob! dass er die Brust des Sultans für den Islam erweitert und dieselbe mit der edelsten der Eingebungen aufgeheitert; Gott sei Lob! dass er uns unter die Vorgehenden, die ersten gesetzt zu diesem erhabenen Orte, und dass er Unsere Füsse befestiget auf jedem Standorte des Kampfs, im Feld und mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche durch Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten und des Bruders des Grössten, über die Ausgiessung dieser grossen Gnaden auf den Sultan, wie derselbe den Gipfel der Glaubensreinigung erklommen und den Titel der Herrschaft angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt und ihn aus seinen Dienern auserwählt durch die wahren Kunden von den Wundern seiner Helfer und Diener; und weiters über die Versammlung der Brüder und Kinder der Fürsten, der grossen, der Führer des Heers, der Vorsteher der Truppen in der Versammlung des Kuriltai, wo die Menge zusammengeflockt und der Feuerstahl dem Kiesel die Funken der Meinungen entlockt, und wie ihr Wort mit den Geboten des weiland grossen Bruders übereingestimmt in der Sendung der Heere nach dieser Seite, dass aber derselbe (der Ilchan) nachgedacht über das, was ihre gesammte Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch gefunden mit dem, was er selbst in seinem Innern ausgedacht, indem er nur das Gute bezwecke und sich die Verbesserung zum Ziel stecke, damit er lösche dieses Feuer und stille die Unruh, die nicht geheuer. Diesen Schritt hat der König (Ilchan) aus Liebe zu seinem Volke gemacht, indem er das Ende mit durchdringendem Sinne erwägend bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten sie die Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so wäre dieser Kampf der Kämpfe letzter gewesen; allein der Ilchan ist wie Einer, der die Stationen seines Herrn fürchtet, der seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht der Rede des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt. Was nun das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt zum Schlachtfeld, wo die Lanze Stösse austheilt, als nachdem er das Nöthige erklärt, so weiss Gott der Allmächtige, und es wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um dem Volke zu helfen, und dass, wenn wir mit That und Worten streiten, es nur Gottes wegen geschieht; und da nun der Ilchan mit uns eingetreten in Gottes Religion, so ging die Feindschaft davon, und indem die Abneigung aufgehoben, wird sich glücklicher Erfolg erproben. Der Glaube ist wie ein Gebäude, in welchem ein Theil den andern befestigt und hält; wer eine Minaret aufgerichtet, dem fehlt es nicht an freien Bewohnern an jedem Orte und an gesitteten Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters, was die Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der allgemeine, der Erwähnung des Scheichs des Islams, des Musters der Erlernenden, Kemaleddin Abderrahman (Gott vergelte ihm's mit seinem Segen!) zu danken sei, so haben Wir von keinem Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir hoffen von seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass jedes Haus zum Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des Glaubens erfüllet werde und der Islam umfasse die ganze Erde, Alles umfassend, von den Bessten Nichts übrig lassend. Es ist kein Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der Anfang dieser Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit kehrt mit seinem Segen zu ihrem Ursprung zurück. Weiters, was die Wirksamkeit des entscheidendsten der Richter des Islams, des Glaubens und des Reichs (Kutbeddin) und des Atabegs (Behaeddin), welche Beide mit Ueberbringung dieses wohlberedten Sendschreibens beauftragt waren, so sind dieselben Beide erschienen, bereit, sich aller guten Worte zu bedienen, welche die Umstände eingeben und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender mag erwarten mit Lob und Dank von allen Arten, so dass sie im Namen Ahmed's (des Ilchans) Ueberlieferungen sprachen, festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten). Weiters, was die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht des geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die Anforderungen vollkommener Liebe befriedigt würden und dass man betrachten solle die Monumente, die er im Beginne der Ausübung seiner Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit, übend mit Zung' und Herzen, schon hervorgebracht, wie er auf die Verbesserung der Wakfe, die Ausbesserung der Moscheen und Gränzposten, die Erleichterung der Strassen der Wallfahrt und anderer dergleichen bedacht, so sind diess Attribute, von denen abhängt der Reiche Dauer, die gute. Wenn der König herrscht mit Gerechtigkeit und so weder die Feinde begünstigt, noch den Tadlern Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen und gute Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen alle Zungen des Gebotes auf Erden, so sind dieses Pflichten, die man schuldig, zu entrichten; diess ist grösser, als dass es hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass es durch Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt werden könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme gereicht, dass er den Ländern und Schlössern Zeit gewährt zur Befestigung seines Reichs (welches Gott wolle bewahren in Sicherheit!). Weiters, was den Verbot betrifft an die Diener und Wachen und an die, welche die Runde machen, dass sie Niemanden veruneinigen wollen und die reine Tränke der Ankommenden und Abgehenden nicht mit den Splittern von Plackereien verunreinigen sollen, so haben Wir, sobald Uns dieser Vorgang zugegangen, ein Gleiches Unseren Nowwaben (Nabob) zu Rahbe, Haleb, Bire, Aintab befohlen, und liessen desshalb an die Führer Unserer Armeen das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich in Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden, so sind die Gebote besiegelt, in denen sich die Vollziehung der Befehle abspiegelt. Weiters, was den Kundschafter betrifft, den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben ward (als ob dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung von Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen werden würden), so ist diess ein Thor, das der Ilchan aufgemacht, und ein Feuerstahl, an dem er den Funken angefacht. Denn wie viele verkleidete Fakire sind nicht gekommen von jener Seite in diese Reviere, um sich Einsicht zu verschaffen in die Geschäfte und des Landes Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar derselben ergriffen; es erhob sich über sie der Säbel, geschliffen, und dennoch wurde nicht entdeckt, was die Kutte des Fakirs versteckt, trotz aller angewandten Müh' mit Was und Nein und Wie. Weiters, was die Andeutung betrifft, dass in der Uebereinstimmung des Wortes das Wohl der Welt und dass dasselbe die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird nicht zurückgewiesen, wer da klopfet am Thor der Einigkeit, und es wird keiner abgewiesen und abgewehrt, der gutes Einvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum Handschlag herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters, was die Befestigung und Bekräftigung der Befehle betrifft, so ist es nöthig, dass auf dieselben Regeln angewandt und dass aus dem Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn die Geschäfte sind gebunden an die Schrift, und es ist nothwendig, dass darin jeder Fündige und Kündige darüber entschieden, ob Krieg oder Frieden. Hernach ist es nothwendig, dass die Geschäfte werden entschieden in der Reihe der Knoten der Verträge und ihrer Belege, dass dieselben, mündlich vorgetragen, durch die Annahme dem Antrage zusagen; denn viele Fragen, welche die Gesandten mündlich sagen, werden besser erörtert, als wenn dieselben in verwischten Papieren werden überschlagen. Was endlich die Berufung auf das Wort Gottes betrifft: Wir senden keine Pein, eh' Wir nicht gesandt einen Gesandten, so wird nicht auf diese Art der Stoff der Liebe gewebt und nicht auf diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern vielmehr wegen Unseres Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten und Begehren zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich vorgetragen die Zunge des entscheidendsten der Richter, des Pols des Glaubens und des Volks (Kutbeddin), und es entsprach dem, was das Schreiben versprach von dem Eintritte des Ilchans in die wahre Religion, und dass er sich angekettet auf der Moslimen Station, was er geübet durch Wohlthätigkeit und Gerechtigkeit, durch seine Sitte und seinen Wandel, der berühmt weit und breit. Gott sei Dank für die Gnade, welche durch keinen Vorwurf gehindert und vermindert wird; Gott der Herr hat seinem Propheten den Vers des Korans gegeben Betreff derer, welche ihm den Islam vorwarfen: Sage, werfet mir Euren Islam nicht vor; Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum Glauben geleitet, und mündlich trug er vor, dass Gott der Allmächtige dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn darüber hinaussetzt, seine Blicke zu richten auf das, was Andere haben an Gut und Land. Wenn also festgesetzt nach der Eintracht das Begehren, so ist es leicht, zu gewähren, und Unsere Antwort folgt hierauf nach der Geschäfte Lauf. Wann die Uebereinstimmung ist erreicht, so ist auch das gute Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die Menschen sehen, wie Wir aufrichtig zu Werke und Unseren Feinden zu Leibe gehen und in Unseren Kämpfen stehen. Wie mancher Freund wird nicht gefunden, der besser als Vater, Bruder und Verwandter wird befunden? Die mohammedanische Religion wird nicht vollendet und dem Islam nicht die Befestigung zugewendet, als nur durch die Gefährten, die werthen. Wenn also das Verlangen des Ilchans gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes Vernehmen, auf gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum Widerstände stemmen, so wollen Wir Uns herzlich gern dazu bequemen. Weiters, was mündlich vorgebracht: dass, wenn Unser Verlangen sich erstreckte auf das, was der Ilchan besitzt von Land und Gut, so bedarf es nicht der Einwirkung der Aneiferer, welche die Moslimen nutzlos beleidigen. Hierauf antworten Wir: Wenn die Hand der Feindschaft zurückgezogen wird und die Länder moslimischer Könige geleert werden, so wird gedämpft die Gluth und gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass Alles, was Uns von denselben verboten wird, in der Natur ganz so zu treffen ist, und dass man das, was geboten wird, selbst zu thun vergisst. So befindet sich nun Konghuratai dermalen im Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet und an euch Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger Blutvergiessen, Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung vor Allem, ausgenommen vor der Verlängerung dieser Schäden. Endlich ward mündlich vorgetragen, dass, wenn man entschlossen sei, diese Streifzüge nicht aufzuheben und diese Spuren nicht aufzugeben, so solle man einen Ort bestimmen auf der Erde, wo man sich treffen und schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg verleihen werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter), wo die beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind noch heil, und wer von diesem Volke (den Mongolen) davon gekommen mit Heil, fürchtet sich, dahin zurückzukehren, und kann sich durch folgenden Vers beehren:

Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war!
Er, welchen „Himss“ besiegt, nun widersteht und kriegt.
Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen,
Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen.

Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott, welcher die Bestimmung des Looses macht. Und es ist keine Hilfe, als bei Gott! dem Allgeehrten, dem Allweisen! er sendet sie dem und verleihet die Macht, und nicht dem, der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir sind nicht von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand lauern, und nicht von denen, welche sich abwenden und niederkauern; und die Stunde der siegreichen Schlacht ist nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur zum Guten dieses Volk, und er ist der Mächtige, im Stande, jede Kunde und Gnade zu vollenden. Geschrieben im Neumonde des Ramasan des obgedachten Jahres.“

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