Fünftes Buch
Arghun's Bewegungen; Tod Alaeddin Dschuweini's.
Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte
indessen Wolken über dem Haupte Schemseddin's und Teguder's
zum Gewitter, aus welchen der den Herrscher und seinen Wesir
verzehrende Wetterstrahl fahren sollte. Nachdem Arghun auf
wiederholtes Begehren des Chans demselben den Emir Buka
gesendet, welcher die Hand Kutui Chatun's (der Wittwe Abaka
Chan's) ehrenvoll empfing, brach Arghun von Ssughurluk nach
Chorasan auf. Ahmed suchte den Oheim Konghuratai für sich zu
gewinnen, indem er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's
(die Nichte der grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit
einem grossen Heere zur Gränzhuth nach Rum abordnete, nach
vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka nachsandte. Ahmed war
von zwei moslimischen Gesetzgelehrten, dem schon erwähnten
Abderrahman von Mossul, berathen, welcher, Sohn eines Sklaven
des letzten Chalifen der Beni Abbas, vom Blutbade nach Mossul
gerettet, dort eine Zeit lang Tischler, dann von Iseddin, dem
Herrn Amadia's, bei dem er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka
überlassen worden, und bald durch angebliche Kenntniss von
Schatzentdeckungskunde und geheimen Wissenschaften sich dessen
Vertrauen erwarb. Teguder hiess denselben nicht anders, als
Vater, und einen zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht
anders, als Sohn; diese und Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr
verständige und zur Regierung tüchtige Frau, lenkten die Zügel
derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak, wiewohl
denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf den Thron
dankte, zur Seite gesetzt wurden. Zwei treulose Diener
Atamülk's Dschuweini erschienen vor Arghun, bei demselben
ihren Herrn anzuschwärzen, dass er dem Wedschiheddin Sengi,
dem Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt, den Prinzen
Arghun zu vergiften. Arghun liess denselben sogleich in den
Kerker werfen, zog das ganze Habe desselben ein und schenkte
ihm das Leben nur auf Fürbitte der Frau Bulughan Chatun, der
geliebtesten Gemahlin Abaka's, welche nach dessen Tod in das
Harem seines Sohnes Arghun übergegangen. Arghun zog gegen
Bagdad, um dort zu überwintern. Zu Rei empfing er den Melik
Fachreddin ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft
des Landes; Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte
Gesandte, um den Fachreddin aufzuheben und nach Schirwan zu
bringen, wo er die von Arghun empfangenen Ehrenbezeugungen mit
der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet, sandte
Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin, den Inhaber des
Diwans, des Inhaltes: Sein Vater, Abaka, habe ihm den Melik
Fachreddin überlassen, er werde die demselben zugefügte
Schmach und Pein rächen. Als er nach Bagdad gekommen, forderte
er von Nedschmeddin Assfer, dem Stellvertreter Alaeddin
Dschuweini's, dass er die vom Vater, Abaka, geforderten, von
Alaeddin nie bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den
Staub geworfen, und als Alaeddin davon die Nachricht erhielt,
traf ihn in Arran der Schlag; seine Stelle erhielt sein Neffe
Harun. Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht und
während desselben zehntausend der Karawinas, welche nach den
Worten Wassaf's: „eine Art von Dämonen, die fürchterlichsten
der mongolischen Nationen“, sich angeeignet. Von den Prinzen
des Hauses standen der Bruder Kendschatu und der Vetter Baidu,
der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, ihm zur
Seite; von den Emiren waren ihm mehrere zugefallen, deren
mächtigster Taghadschar, der ehemalige Befehlshaber in Fars,
dem er die Befehlshaberschaft eines Tomans mit den Insignien
der Standarte und Pauken verlieh. Der mit ihm einverstandene
Prinz Dschuschkab (der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes
Hulagu's) überwinterte zu Diarbekr. Auch Alinak, der
Statthalter Georgiens, welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der
Einladung zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben
gewonnen worden und hatte sich mit ihm verbündet; als er aber
an den Hof Ahmed's zurückkam, ward derselbe durch
Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne durchschaute,
wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste der
Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt ward. Als
Arghun im Frühjahre von Bagdad nach Chorasan zurückkehrte,
liess er den Prinzen Dschuschkab an der Spitze seines Lagers
als Vorhuth zurück. |