Fünftes Buch
Arghun's Bewegungen; Tod der Frauen Bulughan und Kotlogh;
Hochzeit Tudai's.
Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der
Thronbesteigung an den Oheim Kaan gesendet hatte, kam jetzt
mit der Bestätigung derselben und mit dem Dschingsangtitel für
Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum zweitenmale
gefeiert. Zehn Tage darnach wurden sechzehntausend vom Emir
Masuk Kuschdschi, d. i. dem Vogelfänger, und vom Dschelairen
Nurinaga befehligte Reiter wider die Kurden Hakari gesandt,
und der Aufruhr derselben gedämpft. Die Frau Bulghan starb am
Ufer des Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge
Sedschas übergeführt. Im Frühlinge kam Arghun nach Tebris und
ward von Buka festlich bewirthet. 23. Ssafer/
20. April Ende Mai's brach er von da über Meragha nach
Sughurluk auf. Hier wartete ihm während des Sommerlagers der
Emir Aruk, der Bruder Buka's, mit den mongolischen Sekretären
(Bitekdschi) von Bagdad auf; in seinem Geleite befand sich
Harun, der Sohn Schemseddin Dschuweini's. Aruk, auf die Macht
seines Bruders Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin,
Bruder Fachreddin's, und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne
vom Chan hierzu begewaltigt zu sein, hinrichten lassen.
Medschdeddin gehörte einem der Krongüter Kendschatu's (des
Bruders Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert,
welchem auch Jesu Gurgan (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch,
der vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen
Bruder wider Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten wurde
hinterbracht: Aruk habe den Sohn Esir's auf Harun's Anstiften
hinrichten lassen, wesshalb dieser dem Vater und den Brüdern
in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu Gurgan bald hernach
starb, zog das Ungewitter, welches wider Buka's Macht brauste,
diessmal unschädlich vorüber. Arghun Chan kam nach Tebris.
Zwei Monate hernach kämmte er sich eines Tages zu Arran, als
ihm ungewöhnlich viele Haare durch den Kamm ausgingen. Diess
galt nach mongolischen Begriffen für ein Zeichen von gegebenem
Gifte, und Wedschih, der Sohn Iseddin's, wurde der Beibringung
von Gift verdächtig hingerichtet. Vierzehn Tage hernach hatte
die Krönung der Frau Tudai Chatun, der Konghuratin, statt,
welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes
übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin
Hulagu's, Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke der
königlichen Gemahlinnen (Baghtak) geschmücket ward. Zwei
Monate hernach im Frühling begab er sich nach Pil Suwar, nach
Tebris und von da in's Sommerquartier von Alatagh, und im
Herbste in's Winterquartier von Arran. Im nächsten Frühjahr
brachten Gesandte aus Chorasan die Nachricht, dass Kinschu
(der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und der
Emir Newrus (der Sohn des Uiraten Arghun, des Statthalters
Chorasans unter Hulagu) an der Spitze von dreissigtausend
Reitern des Heeres Kaidu's (des Enkels Ogotai's) im Anmarsche
gegen Persien, dass sie das Land um Balch, Merw und Schaburkan
verheert, bis Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. Drei
Wochen hierauf starb die Frau Kotlogh, die Tochter Tengir
Gurgan's, des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des jüngsten
der Söhne Arghun's. Einen Monat hernach brachten Buka's
Gesandte eine von den Bekennern der Lehre Schakamuni's hoch
verehrte Reliquie, welche sie Scharil nennen, nämlich ein
verknöchertes Menschenherz. Nach ihrer Ueberlieferung war
Schakamuni's Herz nicht Fleisch, sondern Bein, welches im
Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind
verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher nicht
Moslim, wie sein Oheim Teguder gewesen, sondern Götzendiener,
ging dieser Reliquie mit den grössten Ehrenbezeugungen
entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, und es wurden Feste
veranstaltet. Drei Wochen hernach, als sich Arghun zu Pil
Suwar befand, traf die Nachricht ein, dass Nokai, der Feldherr
des Herrschers von Kipdschak, mit fünftausend Reitern aus
Derbend ausgebrochen, alle Kaufleute der Gegend geplündert
habe; und Arghun brach schon am nächsten Morgen an der Spitze
des Heeres gegen Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu
Schamachi stehen. Buka und Kundschukbal, mit einigen Prinzen
als Vortrab vorausgesandt, kamen nach einigen Tagen mit der
guten Nachricht zurück, dass die Feinde abgezogen.