Fünftes Buch
Arghun's Krankheit.
Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften
ergeben, hatte indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt,
durch welche Mittel sie sich ihr Leben so langwierig
fristeten. Sie gaben ihm ein aus Schwefel und Merkur
zusammengesetztes Mittel als die Panacee der
Lebensverlängerung an. Arghun nahm dasselbe durch acht Monate,
und als ihm hierauf die Bachschi eine Quarantäne zu Tebris
vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne Jemanden Anderen,
als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer Ordu Kaja und
Kadschan zu empfangen. Nach den vollendeten vierzig Tagen
begab er sich in's Winterquartier nach Arran, wo er krank
ward, vom Arzt Emineddewlet Arznei nahm; als diese nicht
anschlug, gab ihm einer der Bachschi eines Tages drei Becher
Weins, worauf er einen Anfall von Zipperlein hatte. Nach
zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, die Ursachen der
Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung Schuld gegeben
ward, untersuchen zu lassen. Die Einen sagten, sie rühre von
bösen Wesen her und könne nur durch Almosen geheilet werden;
die Kamen, welche nach mongolischer Art das Geheime und
Verborgene aus Schulterbeinen der Schafe erforschten, warfen
den Verdacht von Zauberei auf. Die Prinzessin Tughandschak,
die Tochter der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete Nichte
Dschuschkab's, dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan
vermählt, mit diesem die Tochter Tughandschak aus dessen
Beischläferin Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also
aus dem Harem Schadi Gurgan's in das Arghun's übergegangen,
und Tughandschak erscheint hier als Nebenbuhlerin ihrer Mutter
um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit anderen Frauen ihres
Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, dass sie, um sich
der Liebe des Chans zu versichern, Talismane geschrieben, und
dass sie, um sein Leben zu retten, gerne das ihrige opfern
wolle. Sie wurde der Zauberei schuldig erkannt und mit allen
ihren Zofen ertränkt. Durch die Krankheit des Chans war
Seaadeddewlet auf's äusserste bestürzt, indem er wohl einsah,
dass sein Leben an das des Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu
guten Werken die Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig
Schreiben, sogenannte Gerechtigkeitsbefehle, welche die
Ausübung der Gerechtigkeit einschärften und Almosen
anordneten. Eine seiner grössten Wohlthaten waren
dreissigtausend Dukaten, womit er den Bewohnern Bagdads ein
Geschenk gemacht, und hunderttausend, die er den Armen und
Frommen von Schiras zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch
verboten ward, den Verwandten der Majestät, den Frauen,
Söhnen, Töchtern, Schwägern, das Geringste zu nehmen;
hierdurch hoffte er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu
versöhnen; allein die Emire, denen seine Herrschaft immer
unerträglicher, verschworen sich zur Abschüttelung dieses
Joches, und sie traten zuerst als öffentliche Ankläger wider
das Werkzeug der Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch
welchen vor zwei Jahren die Prinzen Huladschu und Karabukai
und eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen aus dem Geblüte
Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese
Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit
Arghun's angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit ihren
Vätern hingerichteten unschuldigen Kinder, Söhne Huladschu's
und Karabukai's, seien dem Arghun erschienen und hätten ihm
Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung gemacht; er habe
ihnen geantwortet: Davon weiss ich nichts; nicht ich bin euer
Mörder, sondern Sultan Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede
gestellt, berief sich auf des Chans Befehl. Die Antwort kam:
er wisse nicht darum. Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne
der Chan diess gesagt haben, da ihm die Krankheit seit langem
die Sprache benommen. Die Richter urtheilten, dass, wenn der
Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner Krankheit
keine andere als das durch Aidadschi gegebene Bluturtheil sei,
und verurtheilten ihn zum Tode. Am selben Tage (es war das
Geburtsfest des Prinzen Chatai Aghul) wurde Dschudschi auf
Tughan's Befehl ergriffen und in der Nacht hingerichtet; am
folgenden Tage zog Taghadschar den Seaadeddewlet und seinen
Helfer Ordu Kaja vor Gericht, und Beide wurden getödtet; ihre
Häuser wurden vom Heere geplündert. Sechs Tage hernach starb
Arghun zu Baghdschei Arran und zwei Tage später wurde
sein Leichnam nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab
noch nach dem alten Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten,
bis es in der Folge von seiner Tochter entdeckt, mit einem
Dome überwölbet ward. |