Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Arghun's Krankheit.

Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften ergeben, hatte indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt, durch welche Mittel sie sich ihr Leben so langwierig fristeten. Sie gaben ihm ein aus Schwefel und Merkur zusammengesetztes Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung an. Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und als ihm hierauf die Bachschi eine Quarantäne zu Tebris vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne Jemanden Anderen, als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer Ordu Kaja und Kadschan zu empfangen. Nach den vollendeten vierzig Tagen begab er sich in's Winterquartier nach Arran, wo er krank ward, vom Arzt Emineddewlet Arznei nahm; als diese nicht anschlug, gab ihm einer der Bachschi eines Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von Zipperlein hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, die Ursachen der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung Schuld gegeben ward, untersuchen zu lassen. Die Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und könne nur durch Almosen geheilet werden; die Kamen, welche nach mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus Schulterbeinen der Schafe erforschten, warfen den Verdacht von Zauberei auf. Die Prinzessin Tughandschak, die Tochter der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete Nichte Dschuschkab's, dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan vermählt, mit diesem die Tochter Tughandschak aus dessen Beischläferin Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus dem Harem Schadi Gurgan's in das Arghun's übergegangen, und Tughandschak erscheint hier als Nebenbuhlerin ihrer Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit anderen Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, dass sie, um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane geschrieben, und dass sie, um sein Leben zu retten, gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der Zauberei schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch die Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste bestürzt, indem er wohl einsah, dass sein Leben an das des Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu guten Werken die Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben, sogenannte Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner grössten Wohlthaten waren dreissigtausend Dukaten, womit er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk gemacht, und hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward, den Verwandten der Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern, Schwägern, das Geringste zu nehmen; hierdurch hoffte er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein die Emire, denen seine Herrschaft immer unerträglicher, verschworen sich zur Abschüttelung dieses Joches, und sie traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug der Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen vor zwei Jahren die Prinzen Huladschu und Karabukai und eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen aus dem Geblüte Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit Arghun's angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit ihren Vätern hingerichteten unschuldigen Kinder, Söhne Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun erschienen und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss ich nichts; nicht ich bin euer Mörder, sondern Sultan Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt, berief sich auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht darum. Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan diess gesagt haben, da ihm die Krankheit seit langem die Sprache benommen. Die Richter urtheilten, dass, wenn der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner Krankheit keine andere als das durch Aidadschi gegebene Bluturtheil sei, und verurtheilten ihn zum Tode. Am selben Tage (es war das Geburtsfest des Prinzen Chatai Aghul) wurde Dschudschi auf Tughan's Befehl ergriffen und in der Nacht hingerichtet; am folgenden Tage zog Taghadschar den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor Gericht, und Beide wurden getödtet; ihre Häuser wurden vom Heere geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu Baghdschei Arran  und zwei Tage später wurde sein Leichnam nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch nach dem alten Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten, bis es in der Folge von seiner Tochter entdeckt, mit einem Dome überwölbet ward.

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