Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Arghun's Thronbesteigung, Gemahlinnen, Söhne, Töchter.

Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung Teguder's heraufgeführt, hatte die Thronbesteigung Arghun's mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in dem Jurte Suktu statt. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi die linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem die Prinzen und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel um den Hals, die Mützen in die Luft warfen und ihm den Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu Kamsiun, welches zwischen Heschtrud und Kurban schire, statt. Drei Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen Kinschu und Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und unterschrieben die Urkunde der Krönung. Abukjan, der Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des Befehlshabers in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i. Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's hingerichtet; allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte ein Jerligh das Leben und Ruhe; die Prinzen Dschuschkab und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's) wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, der Oheim Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum gesendet. Georgien erhielt der Oheim Adschai (der achte Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die Statthalterschaft der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und Rei übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, dem Hebel der Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst findiger, zum Regieren tüchtiger Kopf. Nach der Sitte mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er unter der angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun konnte bei seiner Thronbesteigung nicht älter als beiläufig dreissig Jahre sein, da sein Vater, Abaka, vor zwei Jahren, acht und vierzig alt, gestorben war. Seine Mutter war die Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen: 1. Die Frau Kotlogh, die Tochter Tengir's des Uiraten, welcher ein doppelter Gurgan, d. i. dem Herrscherhaus Verschwägerter, indem er selbst mit der vierten Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's Schwiegervater. 2. Oldschatai, die Tochter der Tudukasch, aber nicht aus Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, aus einer anderen Frau, nach des Vaters Tod mongolischer Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die nach dem Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek Gurgan, also von ihrem Enkel, geheirathet ward. 3. Die Frau Uruk, die Tochter Sarudsche's, der Schwester Emir Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau Seldschuk, die Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache seines Vaters nahm er 5. die Frau Bulughan, die Verwandte des Buka Jarghudschi, und nach ihrem Tode 6. die Frau Bulughan, die Tochter Utaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten. So war 7. die Frau Mertai die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das Harem seines Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als Frau übergegangen, so dass dieselbe Stief- und Grossmutter ihres Gemahls. 8. Tudai Chatun, die Tochter Musa Gurgan's (des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder Tudai geliebt, hatte ihn über die Gefahren, die seinem Throne drohten, verblendet. Tudai, die Enkelin Hulagu's, die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's), war also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. 9. Kultak Ikadschi, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, dessen drei Brüder Jesu Timur, Oldschaitu (beide aus der Frau Uruk) und Chatai Aghul aus der Frau Kotlogh; dann vier Töchter, Oldschatai, Oldschai Timur, Kotlogh Timur (alle drei Töchter der Frau Uruk) und Dilendschi, Tochter der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten Bulughai.

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