Fünftes Buch
Arghun's Verhältniss mit Aegypten und den europäischen
Fürsten.
Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's die
Darstellung seiner Verhältnisse mit Aegypten und mit
christlichen Fürsten nachzutragen. Bereits unter der Regierung
Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der Gesandte
desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, im
Kerker gestorben sei. Nähere Umstände über diesen Botschafter
finden sich bei den ägyptischen Geschichtschreibern. Kilawun
hatte auf seinem Wege von Kairo nach Damaskus zu Ghasa den Tod
Ahmed Teguder's und die Thronbesteigung Arghun's erfahren.
Einen Monat hernach gewährte er der persischen Botschaft zu
Damaskus Audienz. Sie bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem
Emir Samdaghu und dem Wesir des Fürsten von Mardin; der
Scheich war in den Habit der Derwische als Fakir gekleidet;
als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er gewaltsam
zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte ihn keines
Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's und liess die
Botschafter mit Kaftanen bekleiden. Das Schreiben Ahmed's
begann mit der gewöhnlichen Formel mongolischer Befehle: Unser
Wort an den Sultan Aegyptens. Unter den Geschenken zeichneten
sich sechzig grosse Perlen, ein Topas im Gewichte von
zweihundert Miskalen und ein Rubinbalasse von zwei und zwanzig
Drachmen aus. Kilawun liess sie dreimal in seine Gegenwart
kommen, und verständigte sie das drittemal von Arghun's
Thronbesteigung. Sie wurden alle ihres Gepäckes beraubt und
eingekerkert. Der Scheich starb noch vor Ende des Jahres und
seine Begleiter wurden dann in Freiheit gesetzt. Während
dieser feierlichen, zur Schliessung festen Friedens gesandten
Botschaft hatte sich Sultan Kilawun zweier beträchtlichen
festen Plätze bemächtigt. Der eine, Katibe, in der Landschaft
Amid, in der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von
Biret, Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, Kachta,
dessen aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete und
das Schloss verrätherischer Weise an den Befehlshaber von
Haleb übergab. Diesem fertigte im selben Jahre Arghun den
Befehl eines Streifzuges nach Cilicien zu, um die Armenier
dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher sich mit
den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die grosse Moschee
eingeäschert. Sie drangen bis Ajas vor, schlugen die
armenischen Truppen im Passe von Iskenderun, verfolgten sie
bis Tell Hamdun und zogen sich dann zurück. Zwei Jahre später
streiften tausend Mann der Besatzung von Haleb nach Mardin und
Sindschar und schlugen von Mossul die Besatzung, welche einen
Ausfall gemacht, mit dem Verluste von zweihundert Mann zurück.
Mit Papst Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von
Gesandten, deren einer, Buscarell, ein Kuridschi, d. i. von
seiner Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an
Eduard, König von England, und Philipp den Schönen von
Frankreich. Die Gesandten versprachen Hilfe wider die
Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die
Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach
Jerusalems Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen; der
Papst belehrte ihn in seinem Schreiben über die Dogmen und
Pflichten des Christenthums. Nikolaus schrieb nicht nur an den
Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen Sohn
Oldschaitu, welchen die Mutter (Urukchan) getauft und Niklas
genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin Ilkotlogh,
die er zur Verbreitung des Christenthums, nachdem sie
beigetreten, aufmunterte; die Frau Uruk, welche von jeher
Christin, bat er, auch die Prinzen Ghasan und Chatai Aghul,
welche von anderen Müttern, zur Annahme des Christenthums zu
bewegen. An König Eduard I. nahm der Gesandte Buscarell ein
Schreiben des Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem Empfange
und geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb Arghun
im fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution,
dass er im folgenden mit seinen Truppen vor Damaskus zu lagern
hoffe, ihm das eroberte Jerusalem schenken werde. Der erste
dieser Gesandten Arghun's an den Papst war um ein Jahr früher
angelangt; diess ist im selben, wo der Jude Seaadeddewlet zur
vollsten Macht gekommen. Diese Botschaften Arghun's sind also
wohl weniger dem Christenthume der Frauen und der Taufe der
Prinzen zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher
durch die Hilfe des Papstes die Könige von Frankreich und
England, die Aegypter von Syrien abzuhalten hoffte. Sie
umfassen die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis zu seinem,
Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine
Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn und an
Eduard, König von England, gerichtete Schreiben datirte, waren
Seaadeddewlet und Arghun schon fünf Monate todt. |