Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Arghun's Verhältniss mit Aegypten und den europäischen Fürsten.

Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's die Darstellung seiner Verhältnisse mit Aegypten und mit christlichen Fürsten nachzutragen. Bereits unter der Regierung Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, im Kerker gestorben sei. Nähere Umstände über diesen Botschafter finden sich bei den ägyptischen Geschichtschreibern. Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo nach Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die Thronbesteigung Arghun's erfahren. Einen Monat hernach gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz. Sie bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu und dem Wesir des Fürsten von Mardin; der Scheich war in den Habit der Derwische als Fakir gekleidet; als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er gewaltsam zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte ihn keines Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's und liess die Botschafter mit Kaftanen bekleiden. Das Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen Formel mongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens. Unter den Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen, ein Topas im Gewichte von zweihundert Miskalen und ein Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen aus. Kilawun liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie wurden alle ihres Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der Scheich starb noch vor Ende des Jahres und seine Begleiter wurden dann in Freiheit gesetzt. Während dieser feierlichen, zur Schliessung festen Friedens gesandten Botschaft hatte sich Sultan Kilawun zweier beträchtlichen festen Plätze bemächtigt. Der eine, Katibe, in der Landschaft Amid, in der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret, Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, Kachta, dessen aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete und das Schloss verrätherischer Weise an den Befehlshaber von Haleb übergab. Diesem fertigte im selben Jahre Arghun den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien zu, um die Armenier dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die grosse Moschee eingeäschert. Sie drangen bis Ajas vor, schlugen die armenischen Truppen im Passe von Iskenderun, verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann zurück. Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung von Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen von Mossul die Besatzung, welche einen Ausfall gemacht, mit dem Verluste von zweihundert Mann zurück. Mit Papst Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von Gesandten, deren einer, Buscarell, ein Kuridschi, d. i. von seiner Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an Eduard, König von England, und Philipp den Schönen von Frankreich. Die Gesandten versprachen Hilfe wider die Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach Jerusalems Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen; der Papst belehrte ihn in seinem Schreiben über die Dogmen und Pflichten des Christenthums. Nikolaus schrieb nicht nur an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen Sohn Oldschaitu, welchen die Mutter (Urukchan) getauft und Niklas genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin Ilkotlogh, die er zur Verbreitung des Christenthums, nachdem sie beigetreten, aufmunterte; die Frau Uruk, welche von jeher Christin, bat er, auch die Prinzen Ghasan und Chatai Aghul, welche von anderen Müttern, zur Annahme des Christenthums zu bewegen. An König Eduard I. nahm der Gesandte Buscarell ein Schreiben des Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem Empfange und geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb Arghun im fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution, dass er im folgenden mit seinen Truppen vor Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte Jerusalem schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an den Papst war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im selben, wo der Jude Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen. Diese Botschaften Arghun's sind also wohl weniger dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch die Hilfe des Papstes die Könige von Frankreich und England, die Aegypter von Syrien abzuhalten hoffte. Sie umfassen die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis zu seinem, Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn und an Eduard, König von England, gerichtete Schreiben datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun schon fünf Monate todt.

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