Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Ausbruch des Kriegs zwischen Teguder und Arghun.

Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den Thron auch seiner Macht und seinem Leben gelte, bot Alles zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf. Hunderttausend auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen, Mongolen, Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen das Feld. Den Vortrab von fünfzehntausend befehligte Alinak. Ein Ende Januars eingefallener tiefer Schnee verspätete den Aufbruch des Heeres.  Endlich zog der Vortrab unter dem Befehle von Alinak, Baisar Aghul und Taghai Kokoltasch gegen Kaswin, wo dreihundert dem Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden. Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des Heeres Kunde erhalten, Boten an seinen Schatz in Gurgan (Hyrkanien) und an die Werkstätten von Nischabur, Tus und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, die er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin von Rei, der das Register darüber führte, hatte dasselbe: Verzeichniss der unter das siegreiche Heer vertheilten Summen überschrieben. Arghun, der zufällig zur Vertheilung gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder und schrieb das Wort: siegreich mit ungemein schönem persischem Schriftzug, dessen er vollkommen Meister war, hin. Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen, deutete diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von dem Unfalle Kaswins ein; Arghun sandte den Vortrab unter dem Befehle Timur's voraus, liess den Sischi Bachschi beim schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der Strasse von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen, d. i. mit achtzigtausend Mann, über die Ebene von Moghan herangezogen und am ersten Mai zeigten sich seine Vorposten zu Thalkan. Von Erdebil hatte er Kurmischi, den Sohn Alinak's, an den Vater mit dem Befehle gesandt: die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an Macht überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach von Erdebil auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjan zurückgelassen. Arghun hatte seinerseits einen Boten an den Emir Newrus gesendet, um ihn mit einem Tomane der Karawinas in's Feld zu laden, und zugleich den Hindu Nujan zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte mit achttausend Mann das Land. Zu Chiel büsürg stiessen die Vorposten der beiden Heere auf einander und in der Ebene von Ak Chodscha in der Nähe von Kaswin kam es zur Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligten Jula Timur und Amakadschi, den linken Bulughan; das Mitteltreffen Taulai. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen Prinz Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, der Bruder Teguder's; den linken Flügel befehligte Basaraghul und den rechten Alinak. Arghun, wiewohl ihm der Feind an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit, wie weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker Flügel ward von Alinak geschlagen, während Jula Timur und Amakadschi den Basaraghul's zurückdrängten. Jula Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis vor die Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf dauerte von Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog sich von Dschemelabad bis nach Ebher, zehn Parasangen, zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter Arghun's gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre mir nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, wie die unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen fliehen und dass dein edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet werden würde. Als Arghun zu Rei und Tehran, riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober Dschadscherm, zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften Schlachtfeldes und vor den Thoren ihre Zelte sein würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet hatten, und erhielten die Nachricht, dass das Heer Arghun's gänzlich geschlagen und zerstreut worden sei. Die Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha angekommen, als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also blos das Land und verbrannten Demaghan.

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