Fünftes Buch
Ausbruch des Kriegs zwischen Teguder und Arghun.
Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den Thron
auch seiner Macht und seinem Leben gelte, bot Alles zur
Rüstung eines zahlreichen Heeres auf. Hunderttausend
auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen,
Mongolen, Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen das
Feld. Den Vortrab von fünfzehntausend befehligte Alinak. Ein
Ende Januars eingefallener tiefer Schnee verspätete den
Aufbruch des Heeres. Endlich zog der Vortrab unter dem
Befehle von Alinak, Baisar Aghul und Taghai Kokoltasch gegen
Kaswin, wo dreihundert dem Arghun eigen gehörige Familien von
Usen aufgehoben wurden. Arghun sandte, sobald er von dem
Anmarsche des Heeres Kunde erhalten, Boten an seinen Schatz in
Gurgan (Hyrkanien) und an die Werkstätten von Nischabur, Tus
und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, die
er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin von
Rei, der das Register darüber führte, hatte dasselbe:
Verzeichniss der unter das siegreiche Heer vertheilten Summen
überschrieben. Arghun, der zufällig zur Vertheilung gekommen
und das Register gesehen, nahm die Feder und schrieb das Wort:
siegreich mit ungemein schönem persischem Schriftzug, dessen
er vollkommen Meister war, hin. Kawameddin, der persische
Wesir, der zugegen, deutete diesen Umstand sogleich auf die
schönste Erfüllung des gehofften Sieges. Am folgenden Tage
traf die Nachricht von dem Unfalle Kaswins ein; Arghun sandte
den Vortrab unter dem Befehle Timur's voraus, liess den Sischi
Bachschi beim schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der
Strasse von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen,
d. i. mit achtzigtausend Mann, über die Ebene von Moghan
herangezogen und am ersten Mai zeigten sich seine Vorposten zu
Thalkan. Von Erdebil hatte er Kurmischi, den Sohn Alinak's, an
den Vater mit dem Befehle gesandt: die Schlacht nur zu wagen,
wenn er dem Feind an Macht überlegen, sonst aber seine Ankunft
abzuwarten. Er brach von Erdebil auf, nachdem er bei dem
Gepäcke den Abukjan zurückgelassen. Arghun hatte seinerseits
einen Boten an den Emir Newrus gesendet, um ihn mit einem
Tomane der Karawinas in's Feld zu laden, und zugleich den
Hindu Nujan zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte
mit achttausend Mann das Land. Zu Chiel büsürg stiessen die
Vorposten der beiden Heere auf einander und in der Ebene von
Ak Chodscha in der Nähe von Kaswin kam es zur Schlacht. Den
rechten Flügel Arghun's befehligten Jula Timur und Amakadschi,
den linken Bulughan; das Mitteltreffen Taulai. Auf der Seite
des Chans stand im Mitteltreffen Prinz Huladschu, der zwölfte
Sohn Hulagu's, der Bruder Teguder's; den linken Flügel
befehligte Basaraghul und den rechten Alinak. Arghun, wiewohl
ihm der Feind an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der
Tapferkeit, wie weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker
Flügel ward von Alinak geschlagen, während Jula Timur und
Amakadschi den Basaraghul's zurückdrängten. Jula Timur
verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis vor die Thore
Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf dauerte von
Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog sich von
Dschemelabad bis nach Ebher, zehn Parasangen, zurück; da seine
edle Stute in die Hände der Reiter Arghun's gefallen, sandte
ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre mir nie
eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, wie die
unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen fliehen und
dass dein edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet werden
würde. Als Arghun zu Rei und Tehran, riethen ihm seine Emire,
sich nach Kaliusch, das ober Dschadscherm, zurückzuziehen, wo
sie Meister vortheilhaften Schlachtfeldes und vor den Thoren
ihre Zelte sein würden. Als sie aber nach Demaghan kamen,
trafen sie keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie
gerechnet hatten, und erhielten die Nachricht, dass das Heer
Arghun's gänzlich geschlagen und zerstreut worden sei. Die
Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha angekommen, als
die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also blos das
Land und verbrannten Demaghan. |