Fünftes Buch
Buka, der strenge Wesir.
Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad erreicht;
er hatte mit dem Titel eines Dschingsang noch ein Diplom
ausserordentlicher Privilegien vom Kaan erhalten; vermöge
derselben konnte er erst, wenn er neun Staatsverbrechen
begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch dann vor kein
anderes Gericht, als das des Chans selbst, gestellt werden;
kein Befehl des Chans konnte in Vollzug gesetzt werden, wenn
demselben nicht das Siegel Buka's beigesetzt, während seine
Befehle zur Vollstreckung des Siegels des Chans nicht
bedurften. So ausserordentlich waren die vom Grosskaan dem
Buka verliehenen Privilegien, dass die Meinung desselben von
der Selbstständigkeit Arghun's null zu sein und dass der
Botschafter, welcher mit dem Diplome der Bestätigung Arghun's
auf dem Throne zugleich das mit diesen ausserordentlichen
Privilegien Buka's brachte, eigentlich jenen nur der Form
nach, diesen aber in der That zum Herrn eingesetzt zu haben
schien. So ausserordentliche Macht musste um so mehr den Neid
der anderen Emire und der Günstlinge Arghun's erwecken, als
Buka, hochmüthig und heftig, durch seine Strenge sich Feinde
machte. „Er war“, sagt Wassaf, „ein fürchterlicher Türke,
dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen Rathschlag den
Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung
verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle und
die Beförderung der Reichsangelegenheiten Regeln fest, deren
Erwähnung auf dem schwarzen und weissen Buche der Zeit bis
an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch die Wirkung seiner
Gerechtigkeit und Strenge warf der Falke auf das Repphuhn
verliebte Blicke; er glich die Gegensätze der Welt aus und des
Schicksals Tücke.“ Seine Gerechtigkeit war so streng, dass er
einen Knecht seines Marstalls, welcher einen Apfel von einem
Fruchtverkäufer genommen, hinrichten liess. Solche Strenge war
das grösste Verdienst eines Staatsmanns nach der Satzung
Tschengischan's und erwarb diesem nach allem Anscheine das
Vertrauen, womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die
Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit
übertragen. Besonders waren ihm Sultan Aidadschi und Tughan,
Arghun's vertrauter Gesellschafter (Inak) aufsässig, weil
dieser zweimal auf Buka's Befehl geprügelt und öffentlich
beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine Gelegenheit,
den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein Bruder Aruk, der
Statthalter Bagdads, war dort den Emiren nicht weniger
verhasst. Er machte sich wenig aus den Gesandten des Chans,
und verschlang die Einkünfte in seinen Beutel, statt sie in
die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute Ordu Kaja, der
Intendent Scherefeddin und der Jude Saad, welcher alsbald als
ein höchst bedeutender Charakter auftreten wird, brachten
endlich einmal fünfhundert Tomane, statt dieselben dem Aruk
auszuliefern, unmittelbar dem Chan, welcher nun den Aruk, der
nie einen Heller eingesendet, seiner Statthalterschaft
entsetzte. Ssadreddin Sendschani, der Finanzmann Taghadschar's,
von welchem Buka ausständige Gelder der Landschaft Fars
forderte, stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei
Buka's nicht mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten,
alle Macht in den Händen Buka's sei. Das Ungewitter, welches
sich über dem Kopfe Buka's zusammenzog, stieg aus den
Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen von Schiras stritten
sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor, dass, wenn
ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die Küste eingeräumt
würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen bereit seien. Sie
erhielten hierauf verbindende schriftliche Urkunde. Nun
wandten sie sich an Tughan um einen zur Eintreibung der Summen
Begewaltigten, und er ernannte hierzu den Seid Fachreddin
Mobarek. Buka protestirte wider diese Ernennung und diese
Maassregel, aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka
in die Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin
übertragen sei, nicht zu mischen habe; denn Fachreddin hatte
dem Arghun vorgetragen, dass viele, vormals dem Seid
Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen,
jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien.
Arghun übertrug die Verwaltung der Familiengüter dem Emir
Taghadschar und die des Heeres dem Emir Kundschukbal, so dass
auf einmal Buka all seiner Macht und seines Einflusses
beraubt. |