Fünftes Buch
Buka's Verschwörung und Sturz.
Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche
Demüthigungen verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine
Finanzkammer wurden vor den Chan gefordert, alle seine
Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir Ali, der
Temghadschi, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris. Buka,
als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband sich
mit mehreren Prinzen und Emiren zur Entthronung Arghun's,
indem er den Thron dem Prinzen Dschuschkab zudachte. Er sandte
an diesen, der an den Ufern des Euphrats lagerte, Botschaft,
um sich über den Undank Arghun's, der ihm allein den Thron
verdankte, zu beklagen und diesen dem Dschuschkab anzutragen.
Dschuschkab sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge
seiner Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem
Throne strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort: Ich
bin dem Buka für seine gute Absicht sehr verbunden, traue aber
mündlichen Versicherungen nicht und werde nicht an die
Verbindung der mir genannten Prinzen und Emire glauben, bis
ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche Urkunde des
Vertrags sehe. Buka sandte ihm die Unterschriften der
Verschworenen. Dschuschkab sandte Wort: das Heer möge in
Waffen ihn erwarten; er aber begab sich eiligst nach Tebris,
um den Neffen Chan von der seinem Throne drohenden Gefahr zu
benachrichtigen. Arghun wollte Anfangs der Anklage keinen
Glauben beimessen; als er aber in der unterschriebenen Urkunde
von der Schuld Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor
Augen hatte, befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und
den Buka aus seinem Lager am Kor ihm zuzuführen. Sultan
Aidadschi, Doladai und Tughan überfielen ihn in seinem Lager,
doch hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben jenseits des
Kor in das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn aber
nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers der Frau
Oldschai, gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht. Sultan
Aidadschi und Tughan gingen noch in der Nacht über den Fluss
und waren im Begriffe, das Lager der Frau Oldschai zu stürmen,
als ihnen Sengi zitternd den im Zelte seines Sohnes
versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht gestellt,
antwortete er dem Schinktur, welcher ihn als die Ursache aller
Unruhen anklagte und ihm vorwarf, dass er immer anderen
Padischah einzusetzen trachte: er habe Nichts wider den
Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan Aidadschi und
Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte ihm in's Gesicht:
„An dem und dem Tage hast du mich gesandt, um das Lager und
ein Heer aufzubringen und damit vorzudringen.“ Buka sprach:
„Du irrest dich; ich habe gesagt: um was schwer vorzubringen.“
Als aber Dschuschkab die unterschriebene Urkunde der
Verschwörung vorwies, deren Ausbruch für die Festnacht des
neuen Jahres der Mongolen festgesetzt war, konnte er nicht
mehr länger läugnen. Arghun gab das Zeichen zu dessen
Hinrichtung, und Prinz Dschuschkab erbat sich die Gunst,
dieselbe selbst vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem
Richtplatze angelangt, gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust
mit den Worten: „Das ist der Lohn für deine Lust nach dem
Throne“. Dschuschkab trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom
Rumpfe und schnitt ihm dann mit eigner Hand Riemen der Haut
aus dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft, unter
der Brücke Dschaghan aufgehangen. Am folgenden Tage sassen die
Richter abermal zu Gericht, und es wurden die verschworenen
Emire hingerichtet. Kadan, weil er der Gesandte des Kaans, der
Bitekdschi Noghai, weil er wahres Wort geredet, und ein
anderer, weil die Emire für ihn gebeten, wurden mit dem Leben
verschont. Unter den Hingerichteten war auch der Astronom
Imadeddin, der Christ Simon von Rumkalaa Behaeddewlet Abul
Kirem; Demitrius, König von Georgien, welcher in diese
Verschwörung verwickelt war, wurde an den Ufern des Kor
hingerichtet; dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu
plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers
überliefert, die Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt;
es erging der Befehl, die Leichname der Erschlagenen in Hügeln
aufzuschichten, erst wenn sie von Wölfen und Hunden
zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben. Drei Emire
wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne und Brüder Buka's zu
holen. In sechs Tagen rannten sie von Arran nach Irbil,
tödteten Ghasan, den ältesten Sohn Buka's, der sich bei seinem
Oheime Aruk befand, und führten diesen nach Tebris. Als er an
der Brücke Dschaghan des Bruders ausgestopften Kopf sah,
fragte er: Wo ist der Kopf Audschan's, seines Waffenträgers?
und der geforderte fiel. Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte
seines Sohnes Zuflucht gestattet, wurde von der Frau Oldschai
ausgeliefert; sie erklärte, dass sie ihren ältesten Sohn,
Enbardschi, ausgeliefert haben würde, wenn er sich solcher
Staatsverbrechen schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne
Buka's übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich
ihrer angenommen; als er sie aber nach einiger Zeit dem Arghun,
dessen Grimm er versöhnt glaubte, vorstellte, befahl dieser,
durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so dem geschah. |