Fünftes Buch
Der Prinzen Dschuschkab, Huladschu, Karabukai Hinrichtung.
Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung Buka's
angezeigt und dem Verräther mit eigener Hand den Kopf
abgeschlagen, sah bald hierauf seinen eigenen gefährdet; auf
die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen Plänen
umgehe, hatte ihm Arghun Emire mit Truppen nachgesendet, die
ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen und Miafarakain
erreichten; er schlug sich mit ihnen, floh und wurde nach drei
Tagen ergriffen, vor Arghun gebracht, von demselben zum Tode
verurtheilt. Diese Hinrichtung hatte die Empörung des ihm
innigst ergebenen Newrus, des Sohnes Arghun's (des
Statthalters Hulagu's in Persien) zur Folge, mit welchem sich
die Prinzen Huladschu (der zwölfte Sohn Hulagu's) und
Karabukai, der Sohn Jaschmut's (des dritten Sohnes Hulagu's)
verbanden; sie wurden von Muktil, dem Bruder Ordu Kaja's,
welcher im Dienste Karabukai's seinen Herrn verrieth,
ergriffen und im Schlosse Girdkjuh, dem alten
Assassinenschloss, das so lange den belagernden Waffen der
Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate hernach
hingerichtet. Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, der
dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel (wie vor
ihm Konghuratai und Teguder); Karabukai, der zweite Neffe, der
wie Dschuschkab des Todes Loos der Oheime theilte. Ein Heer
unter dem Befehle Arghun's wurde nach Chorasan gesandt, um
dort den Kronprinzen Ghasan wider den Aufrührer Newrus zu
verstärken. Arghunchan hatte das Winterquartier von Arran mit
dem Sommerlager zu Kongorolang vertauscht und zum zweitenmale
den Ordu Kaja und den Juden Seaad empfangen, welche ihm Gelder
von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden, und als
der Jude vortrug, dass er das Doppelte abgeführt haben würde,
wenn nicht die mongolischen Landschreiber ihm entgegen gewesen
wären, wurde die Hinrichtung derselben befohlen; ihre Köpfe
wurden zu Bagdad aufgesteckt; auch Manssur, der Sohn Chodscha
Alaeddin's Dschuweini, wurde von Hille gebracht und
hingerichtet; gleiches Schicksal hatte Dschelaleddin Semnani,
welcher, dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte
Berende Bachschi's an dem Leben verschont worden war. Arghun
hatte die oberste Wesirschaft dem Juden Seaad übertragen, eine
vor und nachdem in den Geschichten des Islams unerhörte
Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts und Bluts der
Moslimen. Seaadeddewlet, d. i. die Glückseligkeit des Hofes,
der Sohn des Juden Hebetollah Ben Mohesib von Ebher, war vor
fünf Jahren vom Vogte Bagdads oder dessen Kammer angestellt
worden und hatte durch seine Geschäftstüchtigkeit bald sehr
grossen Einfluss erworben. Der Befehlshaber Bagdads,
Kotloghschah, ein vormaliger Diener Alaeddin's Dschuweini,
Medschdeddin Giti und Andere waren vor zwei Jahren in's
Sommerlager von Sughurluk gekommen, um sich bei den Wesiren
über Seaad, durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten
gesetzt wurde, zu beklagen; sie priesen den Seaad als einen
vortrefflichen Arzt an, der seiner medicinischen Kenntnisse
willen an den Hof gezogen zu werden verdiene. Seaad, nach Hof
berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt durch dessen
Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage, die Rückstände
der Steuern Bagdads, welche fünfhundert Tomane betrugen,
einzutreiben. Mittels Erpressungen und Qualen brachte er eine
ansehnliche Summe Geldes auf, die er dem Chan in's Sommerlager
von Kongorolang brachte. Arghun, hiermit sehr zufrieden,
verlieh die Emirschaft von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die
Vogtschaft dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger;
Scherefeddin von Semnan wurde zum Melik, d. i. Vorsteher der
Finanzen, und Seaad zu dessen Moscherrif, d. i.
Ceremonienmeister, ernannt. Diese vier gleichzeitigen
Ernennungen geben Aufschluss über die Einrichtung mongolischer
Landesverwaltung, deren Häupter der Emir (Befehlshaber der
Truppen), der Schohne oder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, der
Melik, d. i. Intendent der Finanzen, und Moscherrif, Gehülfe
desselben; dazu kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen
die arabischen Munschi, die mongolischen Bitekdschi, die
türkischen Bachschi heissen. Als Seaad zur Wesirschaft
gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines
vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen in
der Ausübung seiner unumschränkten Machtvollkommenheit
beschränkt; als aber auch dieser auf Arghun's Befehl, weil ihm
zu Ohren gekommen, dass er des Juden unumschränkte
Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet worden,
herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht als
Wesir. |